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Service: Wenn Lärm krank macht

mit Michael Jäcker-Cüppers, Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V.

PlayFrau hält sich die Ohren zu, Lärm, Symbolbild
Service: Wenn Lärm krank macht | Video verfügbar bis 28.04.2022 | Bild: WDR

Laute Musik, Verkehrslärm, schreiende Kinder, oder Telefongespräche im Großraumbüro. Fast überall sind wir Geräuschen ausgesetzt. Wird die Geräuschkulisse als lästig oder störend empfunden, sprechen wir von Lärm. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Lärm psychischen und körperlichen Stress erzeugt und krank machen kann. Laut Umweltbundesamt lassen sich in Deutschland pro Jahr rund 50.000 Herzinfarkt-Tote allein auf Straßenverkehrslärm zurückführen.

Lärmempfinden ist subjektiv

Manche Menschen lieben laute Musik, andere fühlen sich gestört. Auch die Geräusche von spielenden Kindern werden ganz unterschiedlich wahrgenommen. Lautstärke, Art des Geräuschs, sowie die subjektive Bewertung und die jeweilige Situation spielen dabei eine Rolle. Je lauter ein Geräusch ist, desto mehr Menschen empfinden es als Lärm.

Auch das Alter spielt beim Lärmempfinden eine Rolle. Kanadischer Wissenschaftler fanden in einer Studie heraus, dass sich ältere Menschen leichter von Umgebungsgeräuschen ablenken lassen, als jüngere. Lärm reduziert danach die kognitive Leistungsfähigkeit und beeinträchtigt das Erinnerungsvermögen.

Ab wann macht Lärm krank?

Lärm kann krank machen und die Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen. Laut Bundes-umweltministerium können bereits geringe Lärmpegel ab 25 Dezibel zu Konzentrations- oder Schlafstörungen führen. Die Art der Geräusche spielt dabei eine besondere Rolle. Während Geräusche aus der Natur - wie zum Beispiel ein rauschender Bach - meist angenehm empfunden werden, wird ein laufender Motor - der dieselbe Lautstärke hat - dagegen als störend wahrgenommen. Dauerbelastungen von mehr als 65 Dezibel führen zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko.

Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass das Herzinfarktrisiko von Männern in lauteren Wohngebieten (Straßenlärm tagsüber mehr als 65 Dezibel) höher liegt, als das von Männern in ruhigeren Gegenden. Selbst Kinder, deren Zimmer an einer viel befahrenen Straße liegt, tendieren zu einem leicht erhöhten Blutdruck.

Hörschäden durch Lärm

Zu viel Lärm kann Beeinträchtigungen oder bleibende Schäden am Gehör hervorrufen. Das kann bis zur Schwerhörigkeit gehen. Es können auch zeitlich begrenzte oder dauerhafte Ohrgeräusche (Tinnitus) auftreten.

Dauerschall oder kurzzeitige hohe Schallspitzen treten nicht nur im Arbeitsleben auf, sondern auch in der Freizeit, zum Beispiel beim Hören lauter Musik. Lärmmessungen in Diskotheken und bei Live-Musikveranstaltungen haben Musik-schallpegel zwischen 90 und 110 dB(A) ergeben. Ein Diskobesuch von 7 Minuten mit einem solchen Schallpegel kann zu einer Risikoerhöhung für Lärmschwerhörigkeit führen, was einer Arbeitswoche an einem Arbeitsplatz entspricht, an dem der Arbeitgeber dafür Sorge zu tragen hat, dass die Beschäftigten einen Gehörschutz tragen.
Bereits mehr als 85 Dezibel können das Gehör schädigen. Bei 120 Dezibel liegt die sogenannte Schmerzgrenze des menschlichen Ohres.

Technik gegen Lärm

Schallschutzwände gegen Verkehrslärm, dreifachverglaste Fenster gegen Fluglärm und schallgedämmte Wände in Wohngebäuden sollen vor Lärm schützen. Auch aktive Technik kommt zum Einsatz. Zum Beispiel Gegenschall. Dabei werden Schallwellen, die von Lärmquellen ausgelöst werden, durch künstlich erzeugte Wellen in gleicher Frequenz neutralisiert.

Diese Technik kommt beispielsweise bereits in Noise-cancelling-Kopfhörern zum Einsatz. Gerade Musikhören über Kopfhörer birgt Gefahren. Abspielgeräte wie mp3-Player oder Smartphones erreichen Musikschallpegel von bis zu 110 dB(A). Dies entspricht der Lärmbelastung durch einen Presslufthammer. Bei modernen Geräten kann die Abspiellautstärke begrenzt werden, um das Gehör nicht zu schädigen. Was unbedingt zu empfehlen ist!

Entspannung für die Ohren

Anders als unsere Augen können wir unsere Ohren nicht verschließen. Umso wichtiger ist es, ihnen regelmäßig eine Auszeit zu gönnen. Meditation und Yoga in einem ruhigen Raum können auch die Ohren entspannen. Ein Spaziergang in der Natur ohne Zivilisationsgeräusche kann ebenfalls sehr entspannend wirken. Wenn Sie dazu keine Möglichkeit haben, können sie sich auch einen Kopfhörer aufsetzen und einfach nur Naturgeräusche hören. Umfragen zeigen, mit Meeresrauschen entspannen wir am besten. Gefolgt von Regen, Vogelgezwitscher und Kaminfeuerknistern.

Tipps gegen Lärm

  • Musik über Kopfhörer nur in gemäßigter Lautstärke hören.
  • Bei lauten Konzerten oder in der Disco Gehörschutz benutzen. Das gilt auch bei der Benutzung von Laubbläsern und bestimmten Gartengeräten.
  • Bei kurzzeitigem Lärm (zum Beispiel, wenn ein Krankenwagen vorbeifährt) Ohren zuhalten.
  • Beim Kauf von Elektro-, Haushalts-, Küchen- und Gartengeräten auf das Prüfzeichen "Blauer Engel" achten. Es bescheinigt, dass die Geräte wenig Lärm erzeugen.
  • Zuhause für eine gute Raumakustik sorgen: Lange Vorhänge, dämmende Deckenplatten, schallabsorbierende Wandfarbe und Teppichböden vermindern den Nachhall.
  • Waschmaschine und Trockner sollte auf einer Gummimatte stehen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig auch das Spielzeug Ihrer Kinder! Knackfrösche oder Schreckschusspistolen können auch bei kurzzeitiger Einwirkung erhebliche Gehörschäden verursachen!

Weitere Informationen

• RBB: Gefahr Dauerlärm
https://www.rbb-online.de/rbbpraxis/rbb_praxis_service/augen-ohren/hoeren-sehen-sprechen-riechen/laerm-gesundheit-schutz-blutdruck.html

• Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz: Was ist Lärm?
https://www.bmu.de/themen/luft-laerm-verkehr/laermschutz/laermschutz-im-ueberblick/was-ist-laerm/

• Lärmkarte des Bundesumweltamtes
https://gis.uba.de/maps/resources/apps/laermkartierung/index.html?lang=de

• NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health), bislang umfangreichste Untersuchung zum Thema Lärmwirkung
http://www.laermstudie.de/

• Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V.
Arbeitsring Lärm der DEGA
E-Mail: ald@ald-laerm.de
https://www.ald-laerm.de/nachrichten-des-ald

Stand: 29.04.2021 06:35 Uhr

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