SENDETERMIN Di., 27.10.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Zeit für Winterreifen

mit Anja Smetanin, Auto Club Europa (ACE)

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Service: Die richtigen Winterreifen  | Video verfügbar bis 27.10.2021 | Bild: dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Seit 2018 gilt in Deutschland die Winterreifenpflicht, in Form einer so genannten Verhal- tensvorschrift. Das heißt: Jeder Kraftfahrer muss vor Fahrtantritt prüfen, ob er sein Fahrzeug sicher führen kann. Dazu gehört eine Bereifung, die Fahrsicherheit gewähr- leistet.
Wer mit nicht angepasster Bereifung unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 60 Euro, bei Behinderung oder Gefährdung des Verkehrs 80 Euro. Dazu gibt es einen Punkt in Flensburg und im Falle eines Unfalls kann die Kasko-Versicherung die Zahlung verwei- gern oder zumindest kürzen. Auch wenn das Wetter - wie derzeit - noch relativ mild ist, sollte in jedem Fall jetzt ein Reifenwechsel erfolgen, damit man auch dann mit geeigne- ter Bereifung unterwegs ist, wenn es plötzlich kälter wird.

Was ist nach dem Gesetz ein Winterreifen?

Nach dem Gesetz gelten Reifen mit dem „M+S“ Symbol als wintertauglich. Besser sind Reifen mit dem „Alpine“-Symbol (Berg-Piktogramm mit Schneeflocke). Dieses Symbol weist die Wintertauglichkeit nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) aus. Tragen die Reifen nicht dieses Symbol und wurden vor dem 1. Januar 2018 herge- stellt, dürfen sie noch bis zum 30.September 2024 gefahren werden. Seit dem ersten Januar 2018 müssen alle neuen Winterreifen mit einem „Alpine“-Symbol gekennzeich- net sein. Dies entspricht einem Qualitätssiegel.


Winterreifen mit der bisher gängigen M+S-Kennzeichnung haben jedoch bis zum 30.9.2024 Bestandschutz. Vorsicht ist bei Reisen ins benachbarte Ausland geboten: in Österreich müssen auch Ganzjahresreifen das „Alpine“-Symbol tragen und in Tschechi- en ist eine strengere Profiltiefe vorgeschrieben. Die Automobilclubs, wie beispielsweise der ACE informieren über die jeweiligen Länderinformationen auf ihren Webseiten.

Was ist mit Allwetterreifen?

Allwetter- oder sogenannte Ganzjahresreifen haben ein Mischprofil aus Winter- und Sommerreifen und lassen sich das gesamte Jahr durchfahren. Ihre Qualität wird zudem immer besser.
Weil vielerorts die Winter immer milder werden und der Reifenwechsel nervt, verkaufen sich Ganzjahresreifen immer besser. Auch hier gilt: Fehlt das „Alpine“-Symbol und wur- den sie vor dem 1.01.2018 hergestellt, dürfen sie noch bis zum 30.09.2024 gefahren werden. Wer auf Ganzjahresreifen setzt, sollte sich aber über die Schwächen des jewei- ligen Reifenmodells vorab informieren. Denn den einen Reifen der alles kann, den gibt es nicht.

Welche Mindestprofiltiefe ist zu beachten?

Sowohl bei Sommer- als auch bei Winterreifen sieht der Gesetzgeber eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Aus Sicherheitsgründen sollten Reifen aber mehr Profil haben! Eine Mindestprofiltiefe von 4mm sorgt für den besten Halt im Winter bei Schnee.

Tipp: Stecken Sie eine Euromünze so in die Rillen des Reifens, dass sie aufrecht steht und man "1 Euro" ablesen kann. Bei einem Profil von 4mm muss der untere Rand der "1" gerade eben im Reifen verschwinden.

Tipps für den Kauf von Winterreifen

Das EU-Reifenlabel bewertet Rollwiderstand, Nassbremsverhalten und Abrollgeräusch. Für Winterreifen sind jedoch noch weitere Kriterien wichtig, die durch das Label nicht erfasst werden. Achten Sie daher auf aktuelle Testergebnisse und die Beratung im Reifenfachhandel. Wichtig bei Sonderangeboten: Winterreifen sollten nicht älter als sechs Jahre sein, da sie mit der Zeit hart und spröde werden und ihre guten Eigenschaften auf Eis und Schnee verlieren. Das Alter des Reifens zeigt die DOT-Nummer, die auf der Seite des Reifens direkt über dem Felgenrand eingeprägt ist: Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche, die letzten beiden das Produktionsjahr an.

Wichtig: Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge benötigen aufgrund des hö- heren Gewichts extra starke Reifen mit verstärkten Seitenwänden. Die speziellen Anforderungen an die Reifen können beim Autohersteller erfragt werden.

Tipps für den Reifenwechsel

Wenn Sie den Räderwechsel selber durchführen möchten benötigen Sie einen stabilen Wagenheber, einen Unterstellbock und einen Drehmomentschlüssel. Die Schrauben auf keinen Fall mit einem Radkreuz festziehen, weil sie sonst beschädigt werden können. Beim Wechsel von Stahl- auf Leichtmetallräder, oder umgekehrt, müssen häufig unterschiedliche Schrauben oder -muttern verwendet werden. Das Gleiche gilt für Felgenschlösser zur Diebstahlsicherung. Hier wird auch ein besonderer Schlüssel benötigt.

  • Radkappen abziehen und Radmuttern etwa eine Viertel Umdrehung lösen
  • Wagenheber an der richtigen Stelle des Unterbodens ansetzen
  • Fahrzeug anheben bis die Räder frei hängen
  • Radmuttern ganz abschrauben
  • Reifen die in der Vorsaison auf der Vorderachse angebracht waren, kommen auf die Hinterachse und umgekehrt
  • Radmuttern kreuzweise anschrauben und mit dem richtigen Drehmoment anziehen
  • Räder für die Lagerung säubern und mit der Felge nach oben übereinander stapeln.

Wenn Sie keine Erfahrung beim Radwechsel haben, sollten Sie lieber eine Fachwerkstatt aufsuchen, insbesondere wenn es sich um große, schwere SUV-Räder handelt. Die Werkstatt übernimmt auch die Lagerung Ihrer Sommer und Winterräder.

Weitere Informationen

Auto Club Europa ACE
Schmidener Straße 227
70374 Stuttgart

Telefon: 07 11/53 03-0
Telefax: 07 11/53 03-168
E-Mail: info@ace.de

Ratgeber Winterreifenpflicht

https://www.ace.de/ratgeber/verkehrsrecht/winterreifenpflicht/

ADAC Winterreifentest 2019

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/tests/reifen/winterreifen/

Initiative Reifenqualität

https://reifenqualitaet.de

Stand: 27.10.2020 06:59 Uhr