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Brasilien: Chinesischer Impfstoff als Hoffnung?

PlayEine Helferin und Menschen, die warten
Brasilien: Chinesischer Impfstoff als Hoffnung? | Bild: ARD Rio de Janeiro / Matthias Ebert

Dieser Ort in Brasiliens Bundesstaat São Paulo sorgt weltweit für Aufsehen: Serrana – eigentlich ein unscheinbares Städtchen – erlebt derzeit einen nie dagewesenen Medienrummel. Die Kameras sind auf die Schlange vor dem Impfzentrum der Stadt gerichtet. Hier steht Marlene Negrão ganz vorne an. In sechs Stunden geht es los.
Alle Einwohner werden geimpft.

Marlene und alle Einwohner von Serrana sollen auf einen Schlag geimpft werden. In Serrana soll ermittelt werden, wie wirksam Corona-Impfungen sind. Gerade ist São Paulos Gouverneur zu Besuch, der sich davon einiges verspricht.

Draußen ist nach langem Warten Marlene dran, als erste Studienteilnehmerin, die den Impfstoff erhalten wird. Innerhalb kurzer Zeit sollen alle erwachsenen Einwohner von Serrana geimpft werden, insgesamt 30.000 Menschen: ein in Brasilien einmaliges Projekt – vorangetrieben vom Bundesstaat São Paulo. Seit Monaten schon profiliert sich der hiesige Gouverneur als Corona-Krisenmanager.

Der Impfstoff "CoronaVac" kommt aus China. São Paulo hat mit dem Reich der Mitte frühzeitig Importverträge abgeschlossen – und für die Produktion in Brasilien. Bedenken gibt es keine, denn es wurde sehr früh und sehr umfangreich getestet. Ziel der Massenstudie in Serrana ist auch, ob der Impfstoff aus China ebenso gegen die Virusmutation wirkt.

Befreiende Impfung

Für Marlene ist dieser Tag schon jetzt eine Befreiung. Die erste Dosis "CoronaVac" wurde ihr soeben gespritzt – die zweite folgt demnächst. Die 70-Jährige kann es kaum glauben.

Jetzt muss Marlene täglich Angaben zu ihrer Gesundheit per App an die Forscher melden. Die Zahl ihrer Antikörper wird immer wieder gemessen. So können in wenigen Wochen verlässliche Angaben zur Wirksamkeit gemacht werden.

Bolsonaro und die Wissenschaft

Brasiliens Präsident Bolsonaro dagegen hatte sich immer wieder über wissenschaftliche Erkenntnisse hinweggesetzt, weil seine Regierung zu spät und zu wenige Impfstoffe eingekauft hat.

Das hat in diesen Tagen ganz konkrete Folgen für Rio de Janeiro. Auch hier bilden sich Schlangen vor den Impfzentren, aber deswegen, weil es nicht genug Impfstoff gibt und jeder noch rechtzeitig eine der letzten Dosen verabreicht bekommen möchte. Gerade ältere Menschen sind wütend über Bolsonaros Krisenmanagement. Glücklich ist, wer noch eine Impfung erhält, denn in den kommenden Tagen wird in Rio die Impfkampagne ausgesetzt – solange bis neue Dosen eintreffen.

Kein Mangel herrscht dagegen in São Paulo, weil man – unabhängig von der Bolsonaro-Regierung – früh vorgesorgt hatte, so sehr, dass man in der Millionenmetropole auch Obdachlosen die chinesische Impfung verabreicht. Viele haben in der Pandemie ihr zu Hause verloren. In einem Heim für Obdachlose wurde nun eine Impfstelle eingerichtet. Auch hier – wie überall in Brasilien – kommen zuerst die Älteren dran.

Hoffnung tragen auch alle in Marlenes Familie im Versuchsstädtchen Serrana in sich. Zwölf Monate geprägt von der Corona-Pandemie haben Spuren hinterlassen, Erinnerungen, die Marlene nicht so leicht vergessen kann.
Es geht bergauf – zumindest etwas – auch dank der Studie in diesem sonst unscheinbaren Städtchen.

Autor: Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

Stand: 22.02.2021 14:23 Uhr

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