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Kahlschlag: Mit der Kettensäge gegen Alleebäume

Autos befahren eine Allee
Autos befahren eine Allee

Rund 600 Autofahrer sterben pro Jahr durch einen Aufprall an einen Baum. Hinzu kommt eine große Zahl von Schwerverletzten. Unfallorte sind Land- und Bundesstraßen. Je schmaler die Straße, desto höher das Unfallrisiko.

Die Gründe, warum es zu diesen schweren Unfällen kommt, sind vielfältig: Ausweichen vor Wild, mal eben ein schneller Blick aufs Handy und vor allem: überhöhte Geschwindigkeit.

In der Regel gerät das Auto dann ins Schleudern und kommt dabei von der Fahrbahn ab. Schon bei geringen Geschwindigkeiten wird der Wagen beim Aufprall verformt oder gar in zwei Teile gerissen. Insbesondere dann, wenn der Wagen von der Seite erfasst wird, fängt er wenig Energie ab. Das Auto zerschmettert.

Die fatalen Folgen solcher tragischen Unfälle sind eindeutig. Wie man Baumunfälle am besten vermeidet, darüber wird dagegen heftig diskutiert.

Bäume fällen – ein Ausweg?

In vielen Landkreisen kommt es immer häufiger zur Radikallösung: Vor allem solche Bäume, die sehr nah an der Fahrbahn stehen, werden schlichtweg abgeholzt.

In allen Bundesländern berufen sich die Behörden dabei auf eine Richtlinie: die so genannte „Empfehlung zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume“ – kurz ESAB. Danach darf inzwischen fast jeder Bäum gefällt werden, wenn es für die Verkehrssicherheit unbedingt erforderlich ist. Zwar gehen andere Maßnahmen vor, aber letztlich liegt es im Ermessen der Gemeinde, für wie „gefährlich“ sie jeden einzelnen Baum hält.

Auch Leitplanken ziehen die Unfallexperten in Erwägung. Die meisten Kommunen können sich das finanziell aber nur für bestimmte Streckenabschnitte erlauben. Einzelbaumschutz etwa ist teuer. Weil die Kassen der Kommunen leer sind, entfernen deshalb viele Gemeinden lieber die Bäume, das ist billiger.

Die Argumente der Naturschützer

In der Regel sind die Unfälle jedoch auf menschliches Versagen zurückzuführen. Nicht der Baum steht falsch, sondern die Verkehrsteilnehmer verhalten sich verkehrswidrig, so die Naturschützer. Deshalb wenden sie sich gegen das radikale Abholzen. Bäume sind für das ökologische Gleichgewicht enorm wichtig – eine bekannte Tatsache. Nicht zu vergessen: Wegen ihrer Schönheit sind Alleen mit ihren alten Baumriesen auch touristische Anziehungspunkte – vor allem in Norddeutschland.

Modellregion Emsland

Gerade in dem Bundesland mit den meisten Baumunfällen, nämlich in Niedersachsen, will man vorwiegend andere Wege gehen statt einfach nur abzuholen. Das dortige Verkehrsministerium hat kürzlich sechs Landskreise zu Modellregionen erklärt. Darunter das Emsland. Mit der Plakatkampagne „Bäume springen nicht zur Seite“ will man Autofahrer dort zum Mit- und Umdenken bewegen. Viele Autofahrer sind sich der Gefahr offensichtlich gar nicht bewusst. Betroffen sind besonders junge Fahrer, und zwar meist zur Nachtzeit.

Die Autofahrer zu mehr Vorsicht zwingen werden künftig auch zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen und vermehrte Kontrollen. Gerade an den gefährdeten schmalen Straßen sollen nur noch maximal 70 bis 80 km/h erlaubt sein.

Weitere Maßnahmen zur Unfallvermeidung

Was banal klingt, sollte nach Meinung aller Experten gebetsmühlenartig wiederholt werden:

Während der Fahrt nicht aufs Handy schauen, nie mit Alkohol ans Steuer setzen, und vor allem: zulässige Geschwindigkeiten müssen nicht bis aufs letzte ausgereizt, geschweige denn überschritten werden. Wer nachts unterwegs ist, noch dazu bei schlechter Sicht, oder wer einen langen Arbeitstag hinter sich hat, sollte sein Tempo drosseln. Sollte der Wagen doch ins Schleudern kommen: Neue Fahrsicherheitssysteme greifen blitzschnell ein.

Denn über eines herrscht Einigkeit: Wenn die Autofahrer mit angemessener Geschwindigkeit unterwegs sind und keine gefährlichen Überholmanöver starten, helfen sie, Unfälle zu vermeiden. Dann müssen auch keine Bäume gefällt werden, um die Menschen vor den Folgen ihres Leichtsinns zu schützen.

Stand: 20.07.2014 15:49 Uhr

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Saarländischer Rundfunk
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