SENDETERMIN So., 09.03.14 | 16:30 Uhr | Das Erste

Übermüdet am Steuer – Führerschein in Gefahr?

Paragraf
Kann Müdigkeit am Steuer den Führerschein kosten?  | Bild: SR

Dass es strafbar ist, betrunken oder unter Drogen Auto zu fahren, dürfte den meisten Menschen klar sein. Dass man sich aber auch strafbar macht, wenn man übermüdet fährt und einen Unfall hat, weiß kaum jemand.

Einschlafen ist kein Kavaliersdelikt

Es klingt nicht viel: Knapp 2000 Unfälle mit Personenschaden entstehen jedes Jahr, weil der Fahrer am Steuer eingeschlafen ist. Jedoch ist die Dunkelziffer weit höher, da die Polizei nicht immer mit Sicherheit nachweisen kann, ob der Fahrer am Steuer wirklich eingeschlafen ist. Dafür gibt es keinen Test, wie bei Alkohol oder Drogen. Es gibt nur Indizien, etwa die Art des Unfalls; zum Beispiel weil der Fahrer ohne erkennbaren Grund die Fahrbahn verlässt, der Unfall mitten in der Nacht passiert ist und der Fahrer schon 20 Stunden wach war.

Einschlafen ist kein Kavaliersdelikt. Die Unfälle, die beim Einschlafen passieren, sind meist besonders schwer. Denn der Fahrer reagiert nicht mehr, Zusammenstöße erfolgen in der Regel ungebremst. Die Folgen sind dadurch ungleich schwerer, als wenn der Fahrer vorher noch bremsen oder zu Seite lenken konnte. Damit gehört dieses Delikt zu den schwersten Verstößen, die das Verkehrsstrafrecht überhaupt kennt. Die Folgen sind hart: Nach § 315 c StGB (Strafgesetzbuch) drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe sowie der Entzug der Fahrerlaubnis.

Meist kündigt sich das Einschlafen durch verschiedene Symptome an. Häufiges Gähnen, Schlangenlinien fahren, Schreckhaftigkeit. Wer das an sich bemerkt, muss sofort die Fahrt unterbrechen. Wer die Müdigkeit an sich bemerkt und nichts dagegen tut, macht sich im Falle eines Unfalls strafbar. Anders ist es, wenn man auch ohne Anzeichen von Müdigkeit kurz wegnickt. Da ist das Einschlafen nicht vorhersehbar. Allerdings kommt das sehr selten vor und wird in der Regel von den Gutachtern des Gerichts nicht bestätigt.

Tricks gegen die  Müdigkeit

Hilfreich ist es, bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit aus dem Auto auszusteigen und sich an der frischen Luft zu bewegen. Das kurbelt den Kreislauf an. Auch gut: Ein „Power-Nap“ - also ein kurzer Schlaf im Auto. Einschlafen kann teuer werden. Wer wegen Straßenverkehrsgefährdung verurteilt wird, setzt auch seinen Versicherungsschutz aufs Spiel. Die Kaskoversicherung kann die Begleichung des eigenen Schadens in diesen Fällen verweigern. Und auch die Haftpflichtversicherung kann sich bis zu 5000 Euro, die sie an den Geschädigten gezahlt hat, vom Unfallverursacher wieder holen. Außerdem trägt er alle Gerichts- und Anwaltskosten.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Reaktionszeit nach etwa 17 Stunden ununterbrochenen Wachseins erheblich nachlässt. Wer müde fährt, hat in etwa die selbe Reaktionszeit wie jemand, der 0,5 Promille Alkohol im Blut hat. Gefährdet sind daher alle Menschen, die sehr lange arbeiten und anschließend noch abends weggehen. In solchen Fällen sollte man sich selbst genau auf Anzeichen von Müdigkeit beobachten und im Zweifel ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Auch wer schlecht schläft, etwa wegen Stress oder kleinen Kindern, die nachts wach sind, oder Medikamente nimmt, muss aufpassen.

Ehrlichkeit währt nicht immer am Längsten

Die meisten Fahrer werden nur deshalb wegen Straßenverkehrsgefährdung durch Einschlafen verurteilt, weil sie zugegeben haben, eingeschlafen zu sein. Viele denken, wer schläft sündigt nicht und geben am Unfallort an, kurz eingenickt zu sein. Manche sogar, weil sie am Radio oder Smartphone gespielt haben, und denken, dass dies das schlimmere Vergehen sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wer aus anderen Gründen wie CD-Wechsel oder Radiosendersuche unaufmerksam einen Unfall verschuldet hat, ist lediglich wegen einer Ordnungswidrigkeit „dran“. Das Einschlafen ist aber strafbar. Daher sollte man am Unfallort besser gar nichts sagen und erst den Anwalt konsultieren. Auch flapsige Bemerkungen „Da hab ich wohl gepennt“, wenn man eigentlich meint, „Ich habe nicht aufgepasst“, sollte man unterlassen, da dies von der Polizei protokolliert und gerne auch wörtlich genommen wird.

Auszug aus der Straßenverkehrsordnung
§ 315 Gefährdung des Straßenverkehrs (1): Wer im Straßenverkehr 1. ein Fahrzeug führt, obwohl er a) infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel oder b) infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, … und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Stand: 05.03.2014 14:41 Uhr

Sendetermin

So., 09.03.14 | 16:30 Uhr
Das Erste

Produktion

Saarländischer Rundfunk
für
DasErste