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Erste Hilfe - Wer kann im Ernstfall Leben retten?

Erste Hilfe nach einem Unfall
Erste Hilfe nach einem Unfall.

Wer an einen Unfallort kommt, der ist verpflichtet, erste Hilfe zu leisten. Aber nicht jeder weiß, wie das wirklich geht. Meist macht man kurz vor dem Führerschein einen erste Hilfe Kurs – und dann nie wieder. Unsere Ratgeber-geprüft-Moderatorin Susanne Gebhardt musste ihr Wissen in der Rettungsarena des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in St. Ingbert unter Beweis stellen. Bei drei Unfällen sollte sie erste Hilfe leisten.

Immer erst die Unfallstelle absichern und Rettungsdienst rufen

Noch bevor irgendwelche Hilfemaßnahmen eingeleitet werden, sollte man erst einmal die Unfallstelle absichern. Das heißt: Warndreieck aufstellen und am besten auch eine Warnweste anziehen. Wer sich nicht absichert, läuft Gefahr, durch heranfahrende Autos übersehen und selbst verletzt oder sogar getötet zu werden. Danach ruft man den Rettungsdienst mit der in Deutschland gültigen Rufnummer 112! Wichtig: Standort durchgeben, wie viele Personen sind verletzt, was ist passiert. Nicht sofort auflegen, sondern warten, ob die Leitstelle noch Rückfragen hat.

Fahrradunfall mit Beinbruch

Der erste Unfall: Eine junge Fahrradfahrerin ist gestürzt, unglücklich auf einem Kantholz gelandet - und hat sich vermutlich das Bein gebrochen. Bei Beinbrüchen gilt: Einfach nur mit Decken oder Kleidungsstücken ruhig stellen und warten, bis der Rettungsdienst kommt. Bei Bedarf den Bruch mit nassen Tüchern kühlen. Sonst braucht der Verletzte keine besondere Hilfe.

Motorradunfall mit Abschürfung und Schock

Das nächste Opfer: Ein Motorradfahrer. Er ist auf der Straße gestürzt und hat sich am Bein verletzt. Er ist damit über den Asphalt gestreift, die Haut ist großflächig abgeschürft, in der Wunde befinden sich Steinchen. Früher hätte man den Helm auf dem Kopf gelassen, heute ist der Rat des Roten Kreuzes: Zuerst muss der Helm ab. So merkt man, ob der Fahrer nicht nur verletzt ist, sondern eventuell auch einen Schock hat. Hier sind die Symptome für einen Schock eindeutig: Das Opfer zittert, ist blass, ihm ist übel, er friert. Ein Schock ist gefährlich, da das Blut in die Beine sackt. Das kann zu einem Kollaps führen. Der Schock muss unbedingt zuerst behandelt werden. Daher die Beine hochlegen und den Patienten zudecken. Dazu eignet sich die Rettungsdecke aus dem Verbandskasten im Auto.

Die Verletzung ist so groß, dass sie mit einem sterilen Tuch – ebenfalls aus dem Verbandskasten – abgedeckt wird. So kommt kein weiterer Dreck in die Wunde, bis der Notarzt kommt, der sie dann weiter versorgt. Wichtig: Bei Verletzungen immer Handschuhe tragen. Mehr ist nicht nötig, den Rest macht der Notarzt. Bis dahin unbedingt beim Opfer bleiben und mit ihm reden, damit es sich beruhigt. Eventuell etwas zu trinken anbieten.

Autounfall, Fahrer bewusstlos

Die nächste Herausforderung: Ein Autounfall. Die Fahrerin ist bewusstlos. Wer erste Hilfe leisten will, muss den Fahrer erstmal aus dem Fahrzeug rausholen. Dazu Gurt lösen, den Fahrer mit dem Oberkörper rückwärts zu sich heranziehen. Dann mit beiden Händen unter seinen Achseln durchgreifen und einen Unterarm fest anpacken. Mit diesem Griff den Fahrer herausholen, dabei muss man ihn unter Umständen mit seinem Knie am Rücken etwas abstützen.

Liegt der Patient, zunächst prüfen ob er noch atmet. Dazu das Ohr an die Nase legen. So kann man spüren, ob die Atmung funktioniert. Ist das der Fall, danach unbedingt in die stabile Seitenlage wenden. Dazu den Arm nach oben legen, auf dessen Seite der Bewusstlose gedreht werden soll, sowie das gegenseitige Bein aufstellen. Langsam umdrehen und ganz wichtig: Den Kopf nach hinten strecken. Mit der stabilen Seitenlage wird vermieden, dass der Bewusstlose an seiner nach hinten fallenden Zunge oder Erbrochenem erstickt.

Wiederbelebung

Stellt man fest, dass das Opfer nicht mehr atmet und keinen Puls hat, muss sofort wiederbelebt werden. Dazu die Person auf dem Rücken liegen lassen und den Oberkörper etwas frei machen. Der Patient braucht jetzt einen Wechsel zwischen Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Dazu mit beiden Händen fest auf die Mitte des Brustkorbs pressen. Etwa fünf bis sechs Zentimeter tief, also richtig fest. Das macht man etwa 30 Mal in einer Frequenz von etwa 100 Mal pro Minute.

Dann wechselt man zur Beatmung. Dazu den Kopf nach hinter überstrecken, gleichzeitig das Kinn anheben und vorziehen. Die Nase verschließen. Lippen dicht um den Mund des Bewusstlosen schließen und Luft hinein blasen. Nach zweimal Beatmen wieder zurück zur Herzmassage. Jetzt immer im Wechsel 30 Mal Herzmassage, zweimal Beatmung. So lange, bis sich der Patient bewegt oder der Rettungsdienst übernimmt. Im Schnitt dauert das in Deutschland zwischen zehn und 20 Minuten.

Ergebnis

Susanne Gebhardt hat, wie die meisten, nur noch vage Kenntnisse von Erster Hilfe. Aber man sollte trotzdem helfen. Denn das ist immer noch besser, als gar nichts zu tun - und kann im Ernstfall Leben retten. Sinnvoll ist es, den Erste Hilfe Kurs alle paar Jahre zu wiederholen. So ist man auf der sicheren Seite, wenn wirklich mal etwas passiert. Auch wichtig: Immer den Verbandskasten kontrollieren, ob alles da ist und ob das Material noch haltbar ist.

Link zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen des DRK:

www.drk.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/erste-hilfe-online.html?textlink3

Stand: 29.05.2013 16:06 Uhr

Sendetermin

So., 26.05.13 | 16:30 Uhr
Das Erste

Produktion

Saarländischer Rundfunk
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