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Radarfallen - Kann man Blitzer „austricksen“?

Susanne Gebhardt sprüht Haarspray auf das Nummernschild
Macht Haarspray das Nummernschild unkenntlich?

Es kursieren die wildesten Gerüchte, wie man die verhassten Blitzer angeblich austricksen und mit wenig Geld teure Knöllchen vermeiden kann. Einfach Haarspray auf das Nummernschild oder eine CD an den Spiegel - und dann der Polizei entgehen? Diese Tipps geistern zumindest durch etliche Internetforen. Doch funktioniert so etwas wirklich? Unsere Ratgeber geprüft Reporterin Susanne Gebhardt hat es ausprobiert. Natürlich nicht auf einer normalen Straße, sondern auf dem Übungsplatz des ADAC in Saarbrücken.

Das Haarspray

Im Internet kann man es nachlesen. Die Glanzpartikel im Haarspray sollen angeblich den Blitz so stark reflektieren, dass das Nummernschild auf dem Foto nicht mehr zu erkennen ist. Kosten: nur fünf Euro. Eigentlich ganz schön preiswert gegenüber einem Knöllchen für Schnellfahren.

Doch Thomas Worm, Polizeihauptkommissar in Saarbrücken, dämpft die Hoffnung, damit die Blitzer überlisten zu können: Er hat das Radarfoto direkt auf seinem Bildschirm: „Wenn ich jetzt aufs Kennzeichen gehe, ist es eindeutig zu sehen. Also Ergebnis: Das Haarspray hätte besser zu ihrem Haar gepasst, als auf das Kennzeichen. Insofern: Ziel verfehlt!“ Die Glanzpartikel reflektieren lediglich Glanz auf dem Haar, aber das war es auch schon.

Reflektoren

Kaufen kann man Reflektoren in jedem Fahrradladen oder übers Internet, Kosten: zwischen zwei und 20 Euro. Verwendet werden sie eigentlich von Radfahrern, damit Sie im Dunkeln besser gesehen werden. Im Straßenverkehr funktioniert das auch ganz gut. Auch hier dasselbe Prinzip wie bei dem Haarspray. Die Reflektoren sollen den Blitz des Radargerätes so stark reflektieren, dass man das Nummernschild nicht erkennt.  Im Beitrag verwendet Susanne Reflektoren für sechs Euro. 

Susanne Gebhardt am Steuer
Hat der Blitzer Susanne Gebhardt erkannt?

Doch auch dieser Tipp aus dem Internet entpuppt sich schnell als Reinfall. Thomas Worm zeigt uns das Foto: „Für unsere hochleistungsfähigen Geräte sind solche  Reflektoren viel zu schwach. Wie man hier auch sehen kann, das Kennzeichen ist eindeutig zu erkennen, also das war nichts!“

CD am Rückspiegel

Viele Autofahrer hängen sie sich am Rückspiegel auf: die CD. Am besten eine, die auf beiden Seiten reflektiert. Diesmal soll hier nicht nur das Nummernschild überbelichtet werden, sondern auch der Fahrer selbst. Grund: In Deutschland gilt nicht die Halterhaftung, wie in einigen anderen Ländern. Das bedeutet, der Besitzer eines Autos haftet nicht automatisch für eine Geschwindigkeitsübertretung, nur weil sein Wagen zu schnell war. Sondern der Fahrer haftet. Wenn man den aber nicht erkennt, hat es die Polizei schwer, jemanden zu finden, der zahlt. Der Vorteil ist natürlich auch, dass die CD auf Höhe des Gesichts hängt, und man den Fahrer dadurch vielleicht nicht erkennt.

Doch auch hier hat die Polizei die besseren Karten. Hauptkommissar Thomas Worm: „Die CD hat nicht so stark reflektiert, wie erhofft, und damit unsere Geräte nicht geblendet. Zwar war sie so angebracht, dass sie das Gesicht verdeckt hat. Aber irgendeinen Teil vom Gesicht sieht man immer. Und wir haben von der Polizei durchaus die Möglichkeit, über den Abgleich von Passfotos Ihre Identität festzustellen.“

Manipulation des Nummerschildes

Susanne will jetzt eine radikalere Methode ausprobieren und das Nummernschild einfach manipulieren. Sie klebt das Blatt eines Baumes auf eine Zahl, so dass die nicht mehr erkennbar ist. Es könnte ja wie zufällig auf ihr Nummernschild geflogen sein.  Und mit weißem Klebeband macht sie aus dem SB für Saarbrücken einfach SP für Speyer. Günstig ist das auch. Das  Klebeband kostet nur 3 Euro, das Blatt gar nichts. Zunächst scheint es, als ob das der ideale Versuch ist, die Polizei zu täuschen.

Doch Polizeihauptkommissar Thomas Worm warnt: Jetzt wird’s teuer: „Das Blatt überdeckt die Zahl nicht so, dass sie nicht trotzdem zu erkennen ist. Und die Buchstaben sind alle europaweit genormt. Man kann nicht so ohne weiteres aus einem B ein P machen, indem man einfach den unteren Bogen entfernt. Denn das Original P sieht normalerweise ganz anders aus.“

Das Schlimmste ist: Wer solche Veränderungen vornimmt, begeht eine Urkundenfälschung, und die wird mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft. Also Finger weg von derartigen Manipulationen.

Radarwarner

Radarwarngeräte gibt es häufig im Navi oder als App, die man sich aufs Smartphone runterladen kann. Doch Vorsicht: Man darf sie zwar kaufen, aber die Benutzung ist verboten! Thomas Worm: „Wer das trotzdem nutzt, muss mit einem Bußgeld von 75 Euro rechnen und mit einem Punkt in Flensburg. Zudem dürfen wir diese Geräte, wenn wir sie erkennen, auch beschlagnahmen.“

Susannes Fazit

„Alle Methoden, die im Internet angepriesen werden, sind entweder erfolglos oder strafbar. Da gibt’s also nur eines: nämlich sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Das kostet nichts und ist vor allem viel sicherer!“

Stand: 18.06.2013 15:34 Uhr

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Saarländischer Rundfunk
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