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Autokauf: Worauf ältere Fahrer schauen sollten

Autowerbung ist hip und jung. Die Menschen darin – und die Menschen, die damit angesprochen werden – sind dynamisch und zukunftsorientiert, Machertypen, die online leben und ständig mit allen und allem vernetzt sind. Allerdings machen sie nur einen kleinen Teil unserer Gesellschaft aus. Denn wir werden immer älter; auch das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer ist gestiegen – auf über 52 Jahre. Wie reagiert die Autoindustrie darauf? Sind unsere Autos „seniorengerecht“?

Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen sieht eine Entwicklung in die richtige Richtung: „Die Automobilindustrie tut sehr viel für ältere Fahrzeughalter und für Neuwagenkäufer dadurch, dass die ganzen Sicherheitssysteme, die ganzen Assistenzsysteme, das Thema automatisiertes Fahren nach vorne getrieben wird.

Senioren wollen keinen elektronischen "Schnickschnack"

Elektronischen Assistenzsystemen stehen aber gerade ältere Fahrer eher skeptisch gegenüber. Was sie möglicherweise vier Jahrzehnte nicht gekannt und genutzt haben, können die meisten nicht so schnell akzeptieren. Tote-Winkel-Assistenten, Fahrspur-Assistenten, Brems-Assistenten scheinen den Fahrer ein stückweit zu entmündigen und mit ihren optischen und akustischen Signalen eher abzulenken. Auf unsere Nachfragen hörten wir: „Den ganzen elektronischen Kram, ich kenn mich erstens mal damit nicht aus, der ganze Schnickschnack muß meiner Ansicht nach nicht sein.“
„Elektronik kann sein, aber sollte, sag ich mal, das Kreative, das in jedem steckt, nicht ablösen.“
„Dieser andere elektronische Schnickschnack, das wird dann langsam zu viel.“
„Für meine Begriffe braucht ein Auto nur die simplen Dinge, die man handbedienen kann und nicht diese modernen Assistenzsysteme, die erst per Computer gesucht werden müssen.“

Diese Skepsis bestätigte uns auch der Verkaufsleiter eines großen Autohauses: „Viele ältere Kunden haben einfach Respekt vor den Assistenzsystemen und sagen, ich bin die letzten vierzig Jahre ohne ausgekommen, und möchten gern das Ruder in der Hand haben und selber alles steuern.“

Gegen mehr Komfort hat niemand was einzuwenden. Elektrische Sitzhöheneinstellung zum Beispiel, bequemes Beladen und eine gute Rundumsicht weiß jeder (ältere) Autofahrer zu schätzen. Die Industrie hat’s vernommen – und bringt immer neue Modelle aus dem Bereich der SUV (sports utility van) auf den Markt. Diese verchromten Ableger des Geländewagens bieten eine erhöhte Sitzposition und geben ein Gefühl der Sicherheit. Und offenbar erfüllen sie darüber hinaus auch repräsentative Bedürfnisse. Prof. Ferdinand Dudenhöffer: „Der SUV der sieht sportlich aus, nicht wie ein fahrender Rollstuhl, eher wie ein fahrender Ferrari, und das Auto kauf ich zu 80 Prozent für meine Nachbarn und nur zu 20 Prozent für mich. Also wie ich in dem Auto gesehen werde, ist ja wichtig, und deshalb boomen derzeit diese sportlichen Geländewagen.

Der Trend geht zu hochpreisigen Fahrzeugen

Jeder vierte Neuwagenkäufer entscheidet sich bereits für die schicken und nicht ganz billigen Gefährte. Aber Achtung. Thomas Schuster, KÜS-Prüfingenieur, gibt zu bedenken: „ Wer sich gerne so ein Fahrzeug zulegt, darf nicht vergessen, dass solche Fahrzeuge auch größer sind von den Dimensionen, so dass die Parkplätze schwieriger einzufahren sind, Parkhäuser machen Probleme; und für kleinere Personen ist das Aussteigen nicht ganz unproblematisch, weil man erst mal ein bisschen raus hüpfen muss.“

Zugegeben: die Klasse der kleineren „Raumfahrzeuge“ (Minivans) kommt nicht ganz so flott daher wie die SUVs, hat aber auch Vorteile. Worauf gerade ältere Autokäufer achten sollten, faßt KÜS-Ingebieur Thomas Schuster so zusammen: „Er sollte darauf achten, dass er gut ein- und aussteigen kann, wie die Sitzposition für ihn ist, wie die Funktionalität des Fahrzeugs für ihn ist; Rundumsicht ist ein wichtiger Faktor, das bequeme Be- und Entladen des Fahrzeugs. Das sollte er alles ausprobieren und sich nicht scheuen, auch einen Verkäufer zu fragen, um zu verstehen wie das eine oder andere funktioniert und eine ausgedehnte Probefahrt machen.“

Das eine, universelle, optimale „Seniorenauto“ wird die Industrie nie bauen. Deshalb sollte sich jeder über seine Bedürfnisse klar werden und ausprobieren, welcher Autotyp am besten zu ihm paßt.

Stand: 23.06.2014 11:01 Uhr

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