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Sonnencreme greift Autolack an

Autolack
Sonnencreme kann Schäden an Autolack verursachen | Bild: SR

Milchige Flecken, Abdrücke von Fingern oder Handballen: Viele Autofahrer wundern sich im Sommer über Flecken auf dem Autolack, die sich nicht mehr entfernen lassen. Alle Automarken sind betroffen. Die Ursache: Sonnencreme wandert unter die obersten Lackschichten und setzt sich dort fest. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung durch Wissenschaftler der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld.
Sie haben verschiedene Sonnencremes auf einem Standardautolack aufgetragen und diese anschließend Wärme und UV-Strahlung ausgesetzt. Das Ergebnis: Jede Sonnencreme hat im Lack Spuren hinterlassen. "Am massivsten waren die Schäden bei Wärme. Wir haben 70 bis 80 Grad gewählt, weil das bei einem dunklen Auto in der Sonne durchaus vorkommen kann. Die Sonnencreme ist ähnlich wie auf der Haut in den Lack eingedrungen. Der Lack quillt auf, und es entstehen dicke Runzeln auf der Oberfläche", warnt Professor Thomas Brock von der Fachhochschule in Krefeld.

Problem seit Jahren bekannt

Besonders brisant: Der Automobilindustrie ist das Problem seit Jahren bekannt. Schon in einem VW-Dokument aus dem Jahr 2008 wird der Schaden so beschrieben: "Teilweise sind Finger- und Handballenabdrücke sichtbar." Und: "Diese Verfärbungen sind durch Anschleifen, Polieren und auch durch Erwärmen nicht zu entfernen."
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) räumt ein: "Dieser Effekt tritt bei allen Cremes auf, somit auch bei Sonnencremes. Das Öl in der Creme verhindert an warmen Tagen das Verdampfen des Schweißes, der bei der Berührung des Autos dann in den Autolack dringt. Die Autohersteller weisen ihre Kunden in den Bedienungsanleitungen grundsätzlich darauf hin, dass Verunreinigungen, wie auch Sonnencreme, schnellstmöglich entfernt werden sollten."

Nicht der Schweiß ist Schuld

Weitere Untersuchungen der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld beweisen jedoch:  Reiner Schweiß hinterlässt überhaupt keine Spuren, und die Mischung aus Creme und Schweiß greift den Lack weniger an als Sonnencreme pur. Die Aussage des Verbandes der Automobilindustrie ist also nicht richtig.

Keine Garantie für Lackschäden durch Sonnencreme

Praktisch für die Automobilindustrie: Lackschäden durch Sonnencreme sind von der Garantie ausgeschlossen, kritisiert der Autojournalist und Maschinenbau-Ingenieur Andreas Keßler: "Offenbar hat die Industrie erkannt, dass chemische Beschädigungen der Lackoberfläche häufiger auftreten. Und was tut sie? Sie ändert nicht etwa die Lackqualität, sondern die allgemeinen Garantiebedingungen."
Wer sich also eingecremt hat, sollte besonders an heißen Tagen darauf achten, mit den Händen keinen Fettfilm auf dem Auto zu hinterlassen. Sind die Flecken erst als milchige Spuren im Lack sichtbar, kann es teuer werden. Dann sind Teile der Creme in den Lack gewandert. Hier helfen oft nur noch eine professionelle Aufbereitung oder eine Neulackierung.

Ein Beitrag von Verena von Ondarza

Stand: 17.08.2014 17:28 Uhr

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