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Smart Repair - Schnelle Hilfe für kleines Geld?

Auto-Reparatur-Sets
Auto-Reparatur-Sets  | Bild: SR

Wenn das Auto in die Werkstatt muss, kann es auch bei kleineren Schäden schnell ziemlich teuer werden. Deshalb werden Produkte, mit denen man beispielsweise Schönheitsreparaturen selbst ausführen kann, immer beliebter: Smart Repair-Sets für kleines Geld. Wir haben vier dieser Produkte getestet: ein Reparaturset für Löcher im Polster, einen „magischen Lackstift“ für alle Farben, ein Set für Beschädigungen am Armaturenbrett und ein Reparatursortiment für Beulen.

Polster-Reparaturset – nachher hässlicher als vorher

Das erste Produkt in unserem Test kostet 34,95 Euro und verspricht „die schnelle, einfache und professionelle Reparatur von Brandlöchern, Rissen und Beschädigungen in Teppichböden und Polstern“. Das Prinzip: Ein spezieller Textilkleber wird auf die Beschädigung aufgebracht, ein Stück mitgelieferter Stoff unter das Loch gestopft. Das Ganze muss dann zunächst eine Stunde trocknen, damit sich die Schadstelle von unten verschließt. In unserem Fall – es geht um ein Zigarettenbrandloch auf der Sitzfläche – müssen unsere Tester zuvor noch ein kleines Stückchen von einem Schwamm unter das Loch „fummeln“, um den Materialverlust auszugleichen. Zum Set gehören auch kleine Döschen mit Textilfasern in verschiedenen Farben. Daraus mischt man den Farbton des Sitzpolsters und vermengt diese dann mit noch mehr Textilkleber. Dieses Gemisch wird dann auf die Reparaturstelle aufgebracht und bringt das Loch angeblich zum Verschwinden.

Unser Test aber zeigt: Selbst wenn wir den Farbton besser getroffen hätten, wäre die Stelle immer noch sichtbar, wenn nicht sogar hässlicher als vorher. Nicht zuletzt ist fraglich, ob die geflickte Stelle lange intakt bleibt, wenn der Fahrer jeden Tag auf ihr sitzt. Dieses Produkt fällt in unserem Test also klar durch.

Der „magische Lackstift“ für alle Farben – nicht mehr als ein guter Ansatz

Unser Lackstift kostet im Internetversand 12,98 Euro, doch sind ähnliche Produkte inzwischen für rund vier Euro erhältlich. Der Stift soll kleinere Kratzer in Lacken jeder Farbe unsichtbar machen. Laut Hersteller löst er den Lack im Bereich des Kratzers an, lässt ihn in die Schadstelle hineinlaufen und macht ihn damit unsichtbar. Innerhalb von (je nach Lichtverhältnissen) einer bis 48 Stunden trocknet der Lack wieder an und der Kratzer ist weg. So weit die Idee.

In unserem Test wird der behandelte Kratzer bestenfalls etwas dunkler, ist aber auch nach einigen Stunden Trocknung unter der Wärmelampe fast genauso deutlich zu sehen wie vorher. Reiner Haas vom TÜV Rheinland überrascht das nicht: „An solchen Universallackstiften wird schon seit Jahren herum geforscht, aber ein überzeugendes Ergebnis lässt bislang auf sich warten.“ Auch dieses Produkt ist also ein Reinfall.

Cockpit-Reparaturset – unvollständig  und damit leider unbrauchbar

Das Reparaturset für Armaturenbretter und Seitenverkleidungen kostet uns noch einmal stolze 34,95 Euro. Es besteht – laut Anleitung – aus einer Knetmasse, zugehörigem Härterpulver, verschiedenen Farbtöpfchen und mehreren „Strukturpapieren“, mit denen man die Oberfläche der reparierten Bauteile imitieren kann. Die Anwendung ist einfach: Man mischt den richtigen Farbton, mischt diesen wiederum mit der Knetmasse, stopft das Ganze in die Beschädigung, lässt kurz trocknen und presst dann ein passendes Strukturpapier auf die Stelle, damit sie sich nicht mehr von der Umgebung abhebt.

TÜV-Gutachter Haas hält diese Produkte an sich für brauchbar, denn Schadstellen lassen sich mit ihnen durchaus ordentlich kaschieren. Allerdings gibt es bei dem von uns gekauften Set ein Problem: Die Knetmasse fehlt… Somit fällt bei uns auch dieses Produkt durch.

Beulen-Reparatursortiment – ein glatter Reinfall

Eine Kastanie, ein unaufmerksamer Parkplatznachbar, ein Hagelschauer – Beulen gehören zu den häufigsten und lästigsten Beschädigungen am Auto. Kein Wunder also, dass auch dafür Reparatursets erhältlich sind. Unser Reparatursortiment kostet 22,85 Euro, doch werden ähnliche Sets bereits für unter zwölf Euro angeboten. Die Anwendung: Ein Beulenheber mit Gummifuß und Gewinde wird mittels Heißkleber auf der Beule befestigt. Über ihn wird eine zweifüßige „Brücke“ mit Schraubvorrichtung gesetzt. Mit deren Hilfe schraubt man den Heber nach oben und „zieht“ so an der Beule mit dem Ziel, sie dadurch zu glätten.

In unserem Test funktioniert das leider nicht: Die Beule ist auch nach mehrmaliger Anwendung noch vorhanden. Hinzu kommen die Kleberreste auf dem Lack, zu deren Entfernung zwar ein Trennmittel mitgeliefert wird, mit dem sich die Spuren aber ebenfalls nicht entfernen lassen. Eher noch sieht es so aus, als würde die Reinigungsflüssigkeit ihrerseits Spuren auf dem Lack hinterlassen und ihn beschädigen. Schon nach einem Blick auf die Einzelteile des Sets ist für unseren TÜV-Experten klar, dass dieses Produkt nicht funktionieren kann: Die Kraft, die man zum Ausbeulen braucht, lässt sich mit diesem Mechanismus und ein bisschen Kleber einfach nicht aufbringen, von der nötigen Genauigkeit ganz zu schweigen. Richtiges Ausbeulen ist ohnehin eine Kunst und selbst mit Profi-Ausrüstung braucht es einige Übung, um überzeugende Ergebnisse zu erzielen. Das Geld für ein Ausbeulset kann man sich also sparen.

Fazit: Wer sparen will, vergleicht Werkstattangebote

Keines der vier Produkte brachte ein zufrieden stellendes Ergebnis, die Schäden ließen sich höchstens in Ansätzen beheben, teilweise sahen sie nachher sogar hässlicher aus als vorher.

Stand: 29.05.2013 16:06 Uhr

Sendetermin

So., 26.05.13 | 16:30 Uhr
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