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Hoppelnder Tiguan

Bei Vibrationen während der Fahrt hört der Spaß am Autofahren schnell auf. Der VW Tiguan eines Zuschauers vibriert bei einer bestimmten Geschwindigkeit unangenehm. Damit beginnt eine unglaubliche Geschichte, die offenbar nicht mal ein Einzelfall ist.

Fahrender VW Tiguan
Mit dem Tiguan unterwegs | Bild: SWR

Mit dem Kauf eines VW Tiguan hat sich ein Ratgeber-Zuschauer aus Rottenburg seinen Traum erfüllt, doch schon bald kommt für den pensionierten Hauptkommissar das böse Erwachen. Sein Tiguan vibriert, immer zwischen Tempo 70 und 80.

Es fange an zu Schütteln und zu Rütteln im ganzen Fahrzeug und es merkt jeder der mitfährt, erzählt er. Und tatsächlich: Äußerlich ist nichts zu sehen, aber drinnen ist es deutlich zu spüren.

Reparaturversuche und Gutachten

Seine VW-Vertragswerkstatt versucht mehrmals das Problem  zu beheben, ohne Erfolg. Deshalb klagt er, will wenigstens einen Preisnachlass. Das zuständige Amtsgericht bestellt, wie immer in solchen Fällen, einen Gutachter und auch der spürt die Vibrationen.

"Der vom Kläger behauptete Mangel war …unabhängig vom Fahrbahnbelag zu spüren", heißt es im Gutachten. Der Gutachter will sicher gehen und testet einen weiteren Tiguan derselben Baureihe - und erlebt Überraschendes:

"Die vom Kläger bemängelten und zuvor am klägerischen Fahrzeug festgestellten Schwingungen waren auch an diesem Fahrzeug festzustellen."

Deswegen nimmt er noch einen dritten Tiguan der Baureihe unter die Lupe - und auch in dem schüttelt es und rüttelt es. Für den Ratgeber-Zuschauer ein klare Sache: Der Mangel ist bewiesen - aber dann erlebt er die nächste Überraschung: Der Gutachter sieht plötzlich keinen Mangel mehr, zieht einen ganz anderen Schluss, weil "das klägerische Fahrzeug der Antriebsphilosophie und der Federungscharakteristik des Fahrzeugherstellers und somit dem Stand der Serie … entspricht."

Vibrationen als Philosophie?

Weil mehrere Autos dieser Baureihe "hoppeln", ist es also kein Mangel? Jetzt wollen wir von VW wissen, ob Vibrationen zur "Antriebsphilosophie" ihrer Fahrzeuge gehören. Doch Volkswagen gibt uns darauf keine konkrete Antwort, schreibt lediglich, dass der Fall erledigt sei, schließlich habe das Gutachten keine Mängel festgestellt. Auch der Gutachter will vor der Kamera nichts sagen.

Tiguan-Vorderrad
Das Rad "hoppelt" beim Fahren | Bild: SWR

Deshalb bitten wir einen anderen Sachverständigen, das Auto zu prüfen. Der beurteilt die Vibrationen ganz anders als sein Kollege zuvor. Das sei vor allem auch anstrengend beim Fahren, sagt der Experte. Und weiter: "Das kann nicht die Philosophie von VW sein. Mit dem Fahreindruck von heute hätte ich definitiv geschrieben, das Fahrzeug ist mangelbehaftet, die Schwingungen entsprechen so nicht den allgemeinen Regeln der Technik und dem Anspruch, den man an so ein Fahrzeug beim Komfort an hat, das ist eindeutig nicht gegeben."

Der Tiguan-Besitzer ist wohl an den "falschen" Gerichtsgutachter geraten, denn der hielt die Vibrationen für zumutbar, da sie dem Stand der Serie entspräche. Auf Anraten seines Anwalts hat er deshalb die Klage zurückgezogen, denn vor Gericht hätte er keine Chance gehabt.

"Gewisse Unannehmlichkeiten seien nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) hinzunehmen, solange eben die gewöhnliche Verwendung weiterhin gewährleistet ist. Selbstverständlich müsste man irgendwelche sicherheitsrelevante Mängel, wenn sie die ganze Flotte betreffen nicht hinnehmen, aber für solche Fälle gibt es ja auch entsprechende Rückrufaktionen", so der Rechtsanwalt.

Ursachensuche

Der Ex-Polizist versteht die Welt nicht mehr. Er sehe nicht ein, dass er 33.000 Euro für ein Fahrzeug hinlegt für einen Konzern, der die Kundschaft einfach so im Regen stehen lässt. Er bittet den zweiten Sachverständigen, nach möglichen Ursachen zu suchen und der entdeckt schon nach wenigen Augenblicken ein Sägezahnprofil auf den Reifen.

Tiguan auf der Hebebühne
Fehlersuche an den Rädern | Bild: SWR

Für den Experten könnten die Reifen eine Rolle spielen als Ursache für die Vibrationen bei etwa 70 bis 80 Kilometer pro Stunde. Wenn man den falschen Reifen erwische, könne es sein, dass sich das Fahrzeug ein wenig aufschaukelt, so der Gutachter.

Nur - einen neuen Satz Reifen für ein paar hundert Euro kaufen, nur um zu prüfen, ob es an den Reifen liegt, das wiederum wollte unser Ratgeber-Zuschauer erst mal nicht. Jetzt lässt er sich also noch eine Weile in seinem Auto "durchmassieren".

Stand: 07.11.2012 19:50 Uhr

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