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Gebrauchtwagen aus der Ferne prüfen

Pfiffige Idee

Die meisten Gebrauchtwagen werden inzwischen per Internet angeboten. Das ist bequem und man bekommt eine große Auswahl. Der Nachteil: Oft stehen die die besten Angebote weit entfernt, so dass man lange Wege für einen Besichtigungstermin hat oder die Katze im Sack kaufen müsste. Neue Service-Unternehmen checken die Fahrzeuge am jeweiligen Ort für rund 100 Euro, ohne dass man selbst hinfahren muss. Ein praktischer Service, aber kann man sich auch darauf verlassen?

Gebrauchtwagencheck per Internet

Gebrauchtwagen auf Parkplatz
Was er wohl wert ist? | Bild: SWR

Rüdiger Blenskens und sein Sohn Florian bieten für unseren Test einen Golf 6 GTI aus dem Jahr 2007 mit rund 155.000 Kilometern übers Internet zum Verkauf an. Gegenüber den Internetdienstleistern "Check my Car" und "diepruefer.de" behaupten wir Interesse am Golf der Blenskens zu haben und beauftragen sie, den Wagen für uns unter die Lupe zu nehmen. Angeblich haben wir selbst keine Zeit. In Wahrheit wollen wir aber herausfinden, wie gut die Internetprüfer wirklich arbeiten.

Denn was sie nicht wissen: Rüdiger Blenskens ist selbst öffentlich bestellter und vereidigter Kfz-Sachverständiger. Daher weiß der Experte ganz genau, worauf bei einem sinnvollen Gebrauchtwagencheck besonders zu achten ist.

Werden die Mängel gefunden?

Hebebühne
Gibt es Macken? | Bild: SWR

Für die Fahrsicherheit muss beispielsweise geprüft werden: Sind die Bremsen in Ordnung? Passen Felgen und Reifen zusammen? Gravierende Schäden hat unser Lockauto zwar nicht und auch die Verkaufsanzeige sieht vielversprechend aus. Aber ein paar Mängel, die dort nicht zu sehen sind, gibt es doch: Neben Einparkschrammen vorne und Steinschlägen in der Windschutzscheibe, sollten den Prüfern auch der Winkelriss im Beifahrersitz und ein 20 Zentimeter langer Riss in der hinteren Stoßstange auffallen.

Sorgfältiger Prüfer

Zuerst beauftragen wir das Portal „diepruefer.de“. Hier bekommen wir folgenden Service angeboten: Der Gebrauchtwagencheck werde von unabhängigen Prüfern durchgeführt.

Prüfer am Gebrauchtwagen
Prüfen mit Checkliste | Bild: SWR

Der Check beinhalte eine gründliche Funktionsprüfung, bei der 150 Merkmale auf einer Checkliste protokolliert würden. Außerdem gehörten eine umfassende Fotostrecke zum Service und sogar die Prüfung der Lackdichte, falls ein versteckter Unfallschaden vorliegen sollte. Das alles gibt es für 120 Euro.

In unserem Fall arbeitet der Mitarbeiter von "diepruefer.de" ein festes Protokoll ab, macht zu jedem Punkt Notizen und schießt jede Menge Fotos. Die Steinschläge in der Windschutzscheibe sind schnell erkannt und auch die angekündigte Lackdichtemessung wird durchgeführt. Gewissenhaft checkt der Prüfer alle Papiere und das Serviceheft. Es folgt eine Probefahrt, ein Blick unters Auto und nach 45 Minuten ist die Prüfung dann beendet. Für Fachmann Rüdiger Blenskens ein passables Vorgehen.

Wettrennen mit der Dämmerung

Auch der zweite Internet-Anbieter hat eine umfangreiche Liste an Dienstleistungen: Der Check-my-Car-Prüfer verspricht die Angaben aus der Internetanzeige des Verkäufers mit der tatsächlich vorhandenen Fahrzeugausstattung zu vergleichen. Es gebe eine allgemeine technische Überprüfung und eine Probefahrt. Zudem wird eine Einschätzung des Kaufpreises abgegeben. Kosten für diesen Service: 99 Euro.

Kfz-Prüfer unter Motorhaube
Wie sieht's unter der Haube aus? | Bild: SWR

Dieses Mal kommt der Prüfer mit über 30-minütiger Verspätung. Dafür fängt er sofort an Fotos zu machen und ist bemüht, die Zeit wieder reinzuholen. Aber es dämmert und das macht es nicht leichter, die Karosserie auf Schäden zu untersuchen. Der Prüfer macht Fotos, anders als sein Kollege zuvor kommt er während der einzelnen Checks aber offensichtlich ohne Notizen aus. Die Papiere werden abfotografiert und der Innenraum gecheckt. Noch eine abschließende Probefahrt und nach 30 Minuten ist die Prüfung beendet, inzwischen ist es sowieso dunkel.

Diese Prüfung hat Rüdiger Blenskens nicht überzeugt, zu unstrukturiert und zu schnell erscheint ihm die Vorgehensweise.

Schriftliche Berichte

Beide schriftlichen Berichte sind innerhalb von 24 Stunden per E-Mail bei uns und sehen gar nicht schlecht aus. Sie beinhalten alle Punkte, die vorher versprochen wurden.

Riss in Stoßstange
Keiner hat den Riss entdeckt | Bild: SWR

Rüdiger Blenskens findet beide Berichte ausreichend, damit sich ein Käufer ein Bild vom Fahrzeug verschaffen kann. Allerdings haben beide Prüfer kleine Fehler gemacht, zum Beispiel ist die beschädigte Stoßstange nicht aufgeführt

Wer sind die Prüfer?

Fahrzeugcheck
Ist der Check sein Geld wert? | Bild: SWR

Jetzt interessiert uns noch: Wer sind eigentlich die Leute, die hier die Prüfungen durchführen? Beim Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens XPERD AG, das den Internetdienst "Check my Car" betreibt, werden wir stutzig. Unter Paragraph 4: Leistungen heißt es:

„Die XPERD AG nimmt zur Erfüllung ihrer Dienste Subunternehmer („CHECKER“) in Anspruch. Die XPERD AG weist darauf hin, dass es sich bei den Checkern nicht um geprüfte Kfz-Sachverständige handelt.“

Bei "Check my Car" ist also nicht sicher, wer da überhaupt die Autos anschaut, und ob immer das entsprechende Fachwissen besteht. Anders bei "diepruefer". Dort heißt es:

"…diepruefer arbeiten deutschlandweit mit ausgewählten und anerkannten Kfz- Sachverständigen zusammen."

Vielleicht haben sie auch deswegen in unserer kleinen Stichprobe ein bisschen besser abgeschnitten.

Eine weitere Möglichkeit: Man beauftragt selbst einen tatsächlich geprüften Sachverständigen vor Ort. Mit um die 120 Euro eine Investition, die sich lohnt.

Stand: 18.06.2013 15:10 Uhr

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