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Fake-Shops im Internet

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Fake-Shops im Internet | Video verfügbar bis 27.08.2019 | Bild: Thinkstock

Erste Untersuchung zu Fake-Shops im Internet: Mehr als 4 Millionen Bundesbürger sind schon einmal Opfer geworden.

Gefälschte Internet-Shops breiten sich derzeit massiv im Internet aus. Das ist das Ergebnis von Recherchen des SWR für den ARD-Kriminalreport im Ersten. Verbraucherschützer und Polizeiermittler warnen, dass Verbraucher hier massenhaft um ihr Geld betrogen werden. Die Organisation "Marktwächter Digitale Welt" der Verbraucherzentrale Brandenburg hat erstmals eine Untersuchung zu Fake-Shops durchgeführt. Die Ergebnisse liegen dem SWR exklusiv vor. Die repräsentative Umfrage ergab, dass 4,4 Millionen Bundesbürger schon einmal Opfer von Fake-Shops geworden sind. "Diese Betrugsmasche ist ein wirklich großes Problem," sagt Dr. Kirsti Dautzenberg, "Marktwächter Digitale Welt" von der Verbraucherzentrale Brandenburg im Interview mit dem KRIMINALREPORT.

Fake-Shops sind auf den ersten Blick oft nicht von seriösen Internet-Shops zu unterscheiden. Allerdings werden sie von Tätern ausschließlich ins Internet gestellt, um Verbraucher zu betrügen. Angeboten werden Waren aus allen Bereichen. Viele der Fake-Shops bieten Sportartikel und vor allem Sportschuhe an, vor allem von bekannten Marken. Aber auch Haushaltsartikel, Bekleidung, Elektroartikel oder Fahrräder werden zum Kauf angeboten. Auch hier stehen bekannte Markenartikel im Mittelpunkt. Anders, als noch vor ein paar Jahren, sind die aktuellen Fake-Shops sehr professionell gemacht. Sie sehen aus, wie normale Internet-Shops, mit hochwertigen Produktfotos und Artikelbeschreibungen. Viele der Fake-Shops haben auch ein Impressum samt Kontaktadresse. Allerdings sind diese Daten gefälscht.

Ermittler sehen eine Professionalisierung der Fake-Shop-Szene

"Es ist schwierig so einen Fake-Shop zu erkennen, weil die Qualität in den letzten Jahren extrem zugenommen hat", sagt Polizeioberkommissar Fabian Herrmann von der Cybercrimeeinheit der Polizei Offenburg im Interview mit dem ARD-KRIMINALREPORT. "Sie sind relativ professionell. Früher hat man das noch an Tippfehlern oder so erkannt, aber das ist heute nicht mehr der Fall. (…) In der Regel sind die aufgebaut wie ein normaler Online-Shop. Das Impressum enthält alle Informationen, die so ein Impressum enthalten muss, auch eine Steuernummer und so weiter."

Verbraucherschützer: Mehr als 1 Mio. Fake-Shops im Netz

In vielen Fällen werden dafür Daten von realen Personen benutzt, die überhaupt nicht wissen, dass ihr Name im Impressum eines Fake-Shops steht. Zudem werden vertrauenserweckende Siegel von z.B. "Trusted Shops" oder Paypal sowie Visa- und Maestro-Symbole verwendet – allerdings sind auch diese gefälscht.

Deutsche .de-Domain täuscht Sicherheit vor

Vertrauen erwecken die Fake-Shops nicht zuletzt auch dadurch, dass sehr viele von ihnen eine deutsche Domain mit .de-Endung haben. Allerdings können solche Domains bei vielen Anbietern auf dem Markt auch unter Angabe von falschen Daten erworben bzw. reserviert werden. An die Betreiber der Fake-Shops kommen Ermittler daher so nicht heran. Laut der aktuellen Untersuchung der Verbraucherzentrale gibt es mehr als 1 Millionen Fake-Shops. "Eine kurze Recherche von uns hat ergeben, dass wir über eine Million Fakeshops gefunden haben – mit einer Suchanfrage – so dass wir davon ausgehen, dass es nur die Spitze des Eisberges ist und das sich das Phänomen noch vergrößern wird," so Dr. Kirsti Dautzenberg im Interview mit dem KRIMINALREPORT. Eine genauere Untersuchung von 5.000 Seiten hat ergeben, dass die allermeisten davon (4.425) in Deutschland registriert sind oder waren (.de-Domain). In der Regel bestehen die Fake-Shops nur einige Wochen. Wenn sich die Anzeigen und Beschwerden häufen, werden die Seiten geschlossen – und kurz danach neue Shops unter neuer Adresse ins Netz gestellt.

Gefälschte Bankkonten, "Bankdrops" und Bitcoins

Als Bezahlmethode bieten die allermeisten Fake-Shops nur Vorkasse an. Einige Shops werben zwar damit, dass eine Bezahlung auch über Paypal ("Käuferschutz“) möglich sei. Wenn man aber versucht, die Bezahlung über Paypal zu tätigen, wird im letzten Schritt darauf hingewiesen, dass diese Bezahlmethode "aus Sicherheitsgründen“ im Moment nicht zur Verfügung steht. Daraufhin wird der Käufer gebeten, stattdessen per Vorkasse zu bezahlen. Die Bezahlung erfolgt dann auf ein deutsches Konto. Diese Konten werden meist bei Onlinebanken per Video- oder Postidentverfahren eröffnet. Auch hierfür nutzen die Hintermänner falsche Identitäten oder gefälschte Ausweise, um Konten auf einen falschen Namen zu eröffnen.

Verbraucherschützer warnen, dass Post- und Videoidentverfahren keine hundertprozentige Sicherheit bieten, um die Identität eines Konto-Eröffners sicher zu überprüfen. Nach Recherchen des SWR werden Bankkonten, die unter falschen Identitäten eröffnet wurden, im Darknet offen gehandelt. Die Täter nennen sie "Bankdrops“. Auffällig viele dieser illegalen Bankdrops sind von deutschen Online-Banken wie "Fidor“. Aktuell werden diese Bankdrops für 600 – 900 Euro pro Bank-Account verkauft. Auf Anfrage des SWR für den KRIMINALREPORT teilte Fidor mit: "Wir kennen das Problem und versuchen, das zu verhindern. Wir versuchen ständig, unser Online-Banking noch sicherer zu machen (…) und wenn wir einen Verdacht haben, erstatten wir natürlich Anzeige“. Weiter teilte ‘Fidor‘‚ mit: "Was in unserer Macht steht werden wir tun! Denn natürlich stört es uns massiv, dass unsere Konten für Betrug verwendet werden.“

Der Weg des ergaunerten Geldes

Den Betrügern genügen die Online-Zugangsdaten, um die Einnahmen der Fake-Shops dann auf andere Konten weiter zu leiten. Verbraucherschützer kritisieren, dass Online-Banken, wie Fidor die Zugangsdaten per Mail verschicken. Eine Postsendung halten Experten für deutlich sicherer. Wenn die Täter einen Online-Zugang zu den Konten haben, wird das Geld der betrogenen Käufer häufig sofort in die digitale Währung "Bitcoin“ gewechselt. So wird es Ermittlern noch schwerer gemacht, über die Zahlungsströme an die Täter zu kommen.

Aktuelles Verfahren gegen Fake-Shop-Betreiber

Ein aktuelles Strafverfahren am Landgericht Baden-Baden zeigt, welchen Schaden ein einzelner Täter verursachen kann. Der Angeklagte soll zahlreiche Fake-Shops im Internet betrieben haben. Er soll unter anderem Haushaltsgeräte, Elektronikartikel oder Babybedarf zum Kauf angeboten haben. Die Ware soll allerdings nie ausgeliefert worden sein.  Abgewickelt wurden die Zahlungen laut Anklage in den meisten Fällen über die Fidor-Bank. Um seine Identität zu verschleiern soll der Angeklagte das Geld meist sofort in Bitcoins gewechselt und dann weiter verschickt haben. Es soll insgesamt mehr als 1400 Geschädigte geben – die Schadenssumme soll fast 1 Mio. Euro betragen. Dem mutmaßlichen Drahtzieher droht eine mehrjährige Haftstrafe. Ein Urteil wird für September erwartet.

Stand: 16.10.2018 14:03 Uhr

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