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Lösen Geldautomaten-Sprenger klassische Bankräuber ab?

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Lösen Geldautomaten-Sprenger klassische Bankräuber ab?
Lösen Geldautomaten-Sprenger klassische Bankräuber ab? | Bild: Colourbox

Die Zahl der Banküberfälle geht in Deutschland jedes Jahr weiter zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der Geldautomatensprengungen rapide an. Hat der klassische Bankräuber ein neues Feld für sich entdeckt?

von Juli Rutsch (hr) und Götz Gringmuth (rbb)

Früher hieß es "Hände hoch, das ist ein Überfall". Heute hören Anwohner einen lauten Knall, wenn wieder ein Geldautomat in die Luft gesprengt wurde. Allein im letzten Jahr haben Kriminelle insgesamt 268 Geldautomaten in ganz Deutschland explodieren lassen. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Die Zahl hat sich in Deutschland in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Gleichzeitig gibt es immer weniger klassische Raubüberfälle auf Banken. Waren es 2003 noch 760 Überfälle, ist die Zahl im letzten Jahr auf 100 gesunken.

Die meisten Tatverdächtigen kommen aus den Niederlanden

Das Bundesland mit der höchsten Anzahl an Geldautomatensprengungen war im letzten Jahr erneut Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 92 Explosionen. Laut Bundeskriminalamt (BKA) hauptsächlich durch Kriminelle aus den Niederlanden. Von dort stammt rund die Hälfte der Tatverdächtigen, die die Polizei bislang festnehmen konnte. Auch Geldautomaten in Hessen und Rheinland-Pfalz sind überdurchschnittlich oft betroffen. Eine deutliche Zunahme zum Vorjahr: In Hessen sind die Fallzahlen von 20 (2016) auf 37 und in Rheinland-Pfalz von 5 (2016) auf 23 gestiegen. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Täter auf andere Bundesländer konzentrieren, weil die Polizei ihre Ermittlungen in NRW ausgeweitet hatte und enger mit den Behörden aus den Niederlanden zusammenarbeitet.

Die Ermittlungen zeigen weiterhin: In den meisten Fällen sind mehrere Täter an einer Geldautomatensprengung beteiligt. Sie arbeiten hochprofessionell – meist als Mitglieder eines Netzwerkes. Für die Flucht organisieren sie sich Motorroller oder hochmotorisierte Fahrzeuge. Der Großteil der Täter stammt aus den Niederlanden, laut BKA hauptsächlich mit marokkanischem Migrationshintergrund. Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass auch polnische Täter zunehmend für Geldautomatensprengungen in Deutschland verantwortlich sind. Im letzten Jahr hat das BKA hierzulande insgesamt 93 Täter identifiziert, die entweder in Zusammenhang mit einer Sprengung stehen oder dringend tatverdächtig sind.

Sprengung führt nicht immer zur Beute

Gegenüber Bankräubern haben es Geldautomaten-Sprenger einfacher: Sie können in der Nacht unbemerkt in den Vorraum der Bank eindringen und den Geldautomaten binnen weniger Sekunden in die Luft sprengen. Nach der kurzen Aktion können die Täter sofort fliehen. Allerdings führt nicht jede Sprengung automatisch zu Beute. In mehr als 200 Fällen haben die Täter im vergangenen Jahr eine Explosion verursacht. In 55 Fällen blieb es nur beim Versuch, weil die Sprengung nicht ausgelöst wurde. Wie hoch die erwirtschaftete Beute in den vollendeten Diebstählen war, gibt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht heraus. Laut BKA übersteigen allerdings die verursachten Sachschäden deutlich die Summe des Diebesgutes. Sachschäden sind mitunter schon in siebenstelliger Höhe entstanden.

Meist nutzen die Täter ein Gas bzw. Gasgemisch, um den Automaten zu sprengen. In anderen Fällen wird versucht, ihn mit unterschiedlichen Werkzeugen aufzubrechen. Einige Täter sind auch schon so vorgegangen, dass sie den Automaten komplett entwendet haben, indem sie ihn aus dem Eingangsbereich der Bankfiliale herausgerissen oder demontiert haben.

Bankräuber haben es heute schwerer

Wer eine Bank überfällt, zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Die meisten Bankfilialen rüsten sich heutzutage immer besser mit Überwachungskameras und Alarmsystemen aus. Vergleicht man die Aufklärungsquote mit anderen Delikten, wird deutlich, dass die Polizei heute den meisten Bankräubern auf die Schliche kommt. Im Jahr 2002 waren es noch 20 Prozent weniger Banküberfälle, die aufgeklärt werden konnten, mit einer Quote von insgesamt 61 Prozent. Das Risiko erwischt zu werden, ist für Bankräuber sichtbar gestiegen.

Stand: 04.02.2019 09:58 Uhr

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