SENDETERMIN Mo, 24.06.13 | 20:15 Uhr

Der Bauhaus-/OBI-Check

PlayReportage / Dokumentation
Der Bauhaus/OBI-Check | Video verfügbar bis 24.06.2020 | Bild: WDR
Bauhaus/OBI-Check
Wie gut sind die Allround-Märkte? | Bild: WDR

Vor gut 50 Jahren eröffnete Bauhaus seine ersten Märkte, OBI machte es zehn Jahre später nach – heute haben beide Ketten mit insgesamt 471 Märkten in Deutschland dem Fachhandel das Wasser abgegraben.

Vom Gartenbedarf über Malerzubehör und Eisenwaren bis hin zu Holz- und Baustoffprodukten: Die Baumarkt-Riesen bieten scheinbar alles. Doch wie gut sind die Allround-Märkte wirklich? Wir haben den Check gemacht!

Erster Check: Preisvorteil

Tanja Zeiger renoviert gemeinsam mit ihrem Mann Andreas ihr gemeinsames Haus komplett in Eigenregie. Dabei kauften sie die Tapeten fürs Kinderzimmer im Fachhandel, den Laminat-Boden haben sie bei OBI geholt. Jede Anschaffung findet bei den Ziegers erst nach einem eingehenden Preisvergleich statt. "Bei dem Laminat zum Beispiel sind wir ewig herumgefahren, um uns zu entscheiden, was für ein Laminat wir haben wollen", sagt Tanja Zeiger. Der Baumarkt gewann dabei gegen den Fachhandel: "Das ist das gleiche Musterbrett – und die sehen exakt gleich aus und sind exakt gleich aufgebaut."

Ob die Baumärkte wirklich immer das günstigere Angebot haben? Zunächst der Preischeck bei OBI und Bauhaus in Düsseldorf. Die Aufgabe für unsere Check-Reporter ist es, Ware aus den verschiedensten Bereichen zu finden, die man auch vergleichen kann. Alle Produkte muss es in beiden Baumärkten und im Fachhandel geben. Das entwickelt sich zu einer zeitraubenden Aufgabe. Denn Vieles gibt es nicht überall. Und um die Artikel bei den verschiedensten Fachhändlern zu finden, fahren die Check-Reporter insgesamt 20,5 Kilometer. 15 Produkte landen am Ende im Warenkorb.

Dann lassen wir von Passanten in Düsseldorf schätzen. Die glauben zumeist, dass der Fachhändler teurer als die Konkurrenz aus dem Baumarkt ist. Aber schon das Beispiel aus dem Holzsortiment, eine Küchenarbeitsplatte, zeigt, dass dem nicht so sein muss: Bei OBI kostet diese 87,99 €, im Fachhandel 87,00 € und im Bauhaus haben wir 87,50 € bezahlt.

Ähnlich sieht es auch beim Gardena-Viereckregner aus, der bei OBI und im Fachhandel für 18,99 € zu bekommen war. Doch im Bauhaus mussten wir mit 29,90 € viel tiefer in die Tasche greifen. Beim Fertigbeton bezahlten wir im Test bei OBI 5,99 €, im Bauhaus 6,70 €, im Fachhandel aber nur 3,31 €.

Neben Düsseldorf haben wir die Preiserhebung auch in Bremen und in Leipzig durchgeführt. Im Endergebnis ist OBI am teuersten – 2.154,50 € kostete der gesamte Warenkorb; die verschiedenen Fachhändler hätten 2.106,74 € verlangt und Bauhaus 2.099,42 €.

Unser erstes Checkurteil: Der Preisvorteil bei OBI und Bauhaus ist: überschätzt.

Zweiter Check: Qualität

Blumenvergleichstest
Baumarkt-Blumen gegen die aus Gartenfachcentern: Eine von zahlreichen Aufgaben, die die Check-Reporter Franziska Pröber und Norman Laryea an Bauhaus und OBI stellen. | Bild: WDR / Klaus Görgen

Die Check-Reporter wollen bei Pflanzen prüfen, ob die aus dem Baumarkt so gut sind wie die aus dem Fachhandel: Geranien und  Sanvitalien – je fünf Pflanzen aus drei OBI-Märkten, dreimal aus Bauhaus-Filialen und von drei Fachhändlern – werden auf dem Kölner Funkhaus-Dach vier Wochen von Kameras beobachtet. Zu Beginn und zum Schluss bewertet Peter Tiede-Arlt von der Landwirtschaftskammer NRW Aussehen, Blütenstand und Wachstum. Im Großen und Ganzen ist Tiede-Arlt am Ende zufrieden – Ausreißer findet er vor allem unter den Bauhaus-Blumen: "Das Wachstum der Pflanzen ist sehr ungleichmäßig. Wir haben hier noch große Löcher." Als deutlicher Sieger geht der Fachhandel hervor. Auf Platz zwei landen die OBI-Blumen, Schlusslicht sind die Pflanzen von Bauhaus.

Zweiter Qualitäts-Check: Werkzeuge. Dabei werden immer einfache und gehobene Qualität von OBI und von Bauhaus und außerdem ein Werkzeug aus dem Fachhandel getestet. Die Versuchs- und Prüfanstalt Remscheid (VPA) prüft die Kraftübertragung bei Schraubendrehern – alles in Ordnung. Doch beim Extra-Belastungstest jenseits der DIN-Norm scheitert ein Spaten von Bauhaus. Für die Vergabe des GS-Zeichens ("Geprüfte Sicherheit") durch die VPA hätte das nicht gereicht. Auch OBI hat Probleme: Bei beiden Seitenschneidern lösten sich die Griffe.

Pierrot Horsch von der VPA-Versuchsanstalt nimmt sich als nächstes die Bohrer vor. Meßlatte: "Mindestvoraussetzungen sind 40 Bohrungen in einem verschleißfördernden Stahl mit einer gewissen Härte. Dann ist er ausreichend solide, aber wenn er eben vorzüglich sein soll, dann muss er mindestens 65 Bohrungen schaffen." Wir testen aus zwei Packungen jeweils einen Bohrer. Klar, dass beide funktionieren müssen. Doch ein einfacher Bohrer von Bauhaus ist nach acht Bohrungen stumpf. Schlimmer: Ein einfacher von OBI bricht ab, beim zwölften Loch.

Billigware durch Billig-Material? Auch die durchgefallenen Bohrer sind angeblich aus hochwertigem HSS-Stahl. Aber nach der Spektralanalyse wissen wir, dass bei der einfachen Qualität von Bauhaus und OBI eben keine HSS-Stahl-Qualitäten verwendet wurde.

Bauhaus erklärt dazu, es handele sich um eine fehlerhafte Charge. Auch OBI-Geschäftsführer Franz-Peter Tepaß spricht von einer Ausnahme: "Es ist ja schon so, dass wir diese Bohrer auch in den entsprechenden Mengen verkaufen. Und das kann mal gut passieren, dass sich halt ein Qualitätsmangel eingeschlichen hat."

In der gehobenen Werkzeug-Qualitäts-Klasse erfüllen am Ende von fünf Produkten (Spaten, Schraubendreher, Seitenschneider, Bohrer und Hammer) ein Werkzeug von OBI und eines von Bauhaus unsere Anforderungen nicht. Bei den günstigen sind es je zwei. Zum Vergleich: Bei keinem Werkzeug aus dem Fachhandel hatten wir etwas zu beanstanden.

Als Drittes ist Farbe dran. Wir lassen für die Hausrenovierer Tanja und Andreas Zeiger welche anmischen. Unser Heimwerker-Ehepaar hat  einen bestimmten Brombeerton vorgegeben, den müssen die Mischstationen treffen. Bezahlt haben wir für einen Fünf-Liter-Eimer Farbe bei Bauhaus 28,75 €, bei OBI 34,99 € und im Fachhandel 63,31 €. Ob der höhere Preis ein Indiz für bessere Deckkraft ist, beurteilt später der Sachverständige Norbert Hüsson.

Die Farben müssen u. a. auf der Wand im Kinderzimmer ein dickes schwarzes Kreuz, das wir auftragen ließen, abdecken. OBI bietet am Ende die besten Deckkraft, ausgerechnet der Fachhandel die schlechteste. Tanja und Andreas  Zeiger beurteilen anschließend, welche Wandfarbe am besten den Brombeerton traf und finden ebenfalls – OBI.

Blumen, Werkzeug, Farbe, so kann man ewig weiter checken. Man kann aber auch ins Archiv gehen und schauen, was andere so gecheckt haben: "Selbst ist der Mann" ist das Heimwerker-Fachblatt. Und Stiftung Warentest kennt jeder.

Die Auswertung von sechs Jahren bestätigt unsere Erfahrung: Man kann bei Bauhaus und OBI Fehlgriffe landen, aber auch Glück haben. Im Durchschnitt bekommt OBI bei Stiftung Warentest die Note 3,5, Bauhaus 3,1. Freundlicher bewertet "Selbst ist der Mann": Durchschnittsnote 2,6 für beide.

Unser zweites Checkurteil: Die Qualität ist bei OBI und bei Bauhaus alles in allem ordentlich.

Dritter Check: Beratung

In einem Schrebergarten in Köln harken und buddeln die Schwestern Ragna und Sarah. Die jungen Frauen wollen ihre Parzelle mit Gemüse und Blumen bepflanzen, u. a. mit Hortensien. Weil beim letzten Versuch eine eingegangen ist, sollen dieses Mal die Kundenberater in den Baumärkten Tipps geben. Wir bitten die Schwestern, nach blauen Hortensien zu fragen, das ist nämlich kniffliger.

Der OBI-Berater startet kompetent. Er weiß, dass Hortensien Moorbeetpflanzen sind und durch den sauren Boden ihre blaue Farbe bekommen. In unseren heimischen Gärten muss man da nachhelfen. Er empfiehlt dafür einen speziellen Pflanzendünger. Ragna und Sarah sind mit der Beratung zufrieden. Wolf Meyer-Ricks, Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau, dem wir die Beratung vorführen, bemängelt allerdings, dass nicht ausdrücklich eine Rhododendronerde empfohlen worden sei. Durch den Dünger allein würden die Hortensien nicht auf lange Sicht blau bleiben.

Nach dem ersten Hortensienkauf mit Ragna und Sarah, deren Besuch von uns Fernsehleuten angemeldet worden war, sind wir gewappnet für den eigentlichen Check, und der findet selbstverständlich anonym statt – in Hamburg, Köln und München. Wieder geht es in jeder Stadt in einen Bauhaus- und einen OBI-Markt, außerdem in ein Gartenfachcenter. Das Ergebnis: Von insgesamt neun Beratungen gab es nur eine gute Beratung, und zwar in einem OBI-Markt. Bauhaus und Fachhandel lagen immer daneben.

Woanders kann eine schlechte Beratung aber auch gefährlich werden. Ein Beispiel dafür sind schmorende Kabel, nur weil die falsche Sicherung verkauft wurde. Unsere Fallkonstruktion: Die Sicherung springt immer raus, weil zu viele Geräte laufen und das hausinterne Stromnetz überlastet ist. Wir bekommen einen Tipp und sollen die Sicherung austauschen: 25 Ampere statt vorher 16. Dann halte die Sicherung auch bei hoher Belastung. Stimmt. Aber die Stromkabel könnten heiß werden und letztlich einen Brand hervorrufen. Also eine schlechte Idee.

Genau mit diesem Anliegen – 25-Ampere-Sicherung, weil die 16-Ampere-Sicherung immer rausfliegt – gehen wir in denselben Städten in die Baumärkte und zum Elektro-Fachhandel. Nur eine Reaktion wäre da richtig: Abraten – und im Übrigen am besten sowieso Finger weg vom Sicherungskasten. Richtig aber verhalten sich in den drei Städten nur die Fachhändler und zwei OBI-Berater. Zur Falschberatung im dritten OBI-Markt erklärt Geschäftsführer Franz-Peter Tepaß, dass die Berater eigentlich gerade zu diesem Thema geschult würden. Ähnlich argumentiert auch die Bauhaus-Geschäftsführung. Dennoch bekommen wir bei unserem Check in allen drei Bauhaus-Märkten die falsche Sicherung.

Im letzten Beratungs-Check geht es um einen bestimmten Wasserhahn, in den wir einen Perlator, ein kleines Sieb, einsetzen wollen. Doch diese Kombination würde dazu führen, dass der Hahn verstopft, sich das Wasser im Boiler staut und dieser am Ende platzt. Ein Wasserschaden hätte aber nur unserem Testkäufer bei OBI München gedroht. Alle anderen Märkte beraten richtig.

Fazit des Beratungstest: Bei OBI war sie in fünf von neun Fällen korrekt. Im Bauhaus lagen gerade drei Berater richtig. Der Fachhandel punktet mit sechs guten Beratungen.

Unser Check-Urteil: Die Beratung bei OBI ist mäßig, bei Bauhaus unzureichend.

Vierter Check: Ökofaktor  

Wir sind bei der Bauhaus-Filiale in Heidelberg. Angeblich ein Öko-Prachtstück und Vorbild für neue Märkte: Große Fensterkuppeln, die viel Licht hereinlassen, LED-Lampen und eine moderne Lüftungsanlage. Alles, um Energie zu sparen. "Grünes" Gedankengut sehen wir auch auf dem Dach. Statt Kies oder Dachpappe gibt es hier besondere Pflanzen. Was die bewirken sollen, erklärt Steffen Walter, Leiter der Bauabteilung bei Bauhaus: "Wir haben Staubbindung. Das heißt, der Staub, der an der Luft ist, wird auf diesem Gründach gebunden. Wir können das Regenwasser zurück halten. Die Natur, also die Bienen, die Insekten können das hier alles bevölkern. Und das ist Umweltfreundlichkeit pur." Ähnliches hört man auch bei OBI. Die beiden Baumärkte geben sich gerne "grün". Aber wie hoch ist der Ökofaktor bei ihnen wirklich?

OBI und Bauhaus betonen, dass ihr Holz aus nachhaltiger Holzwirtschaft stamme. Zertifikate wie FSC und PEFC sollen gewährleisten, dass nur so viel gefällt wird, wie auch nachwächst. Tatsächlich haben große Teile der Sortimente solche Siegel. Allerdings sind auch diese Zertifikate nicht ganz unumstritten.

Vor allem aber fällt auf, dass bei Unscheinbarem, wie zum Beispiel Werkzeugstielen, solche Siegel oft noch fehlen. Termin im Hamburger Thünen-Institut für Holzforschung: Der Experte Gerald Koch kommt hier über Farbe und Details in der Holzstruktur Tropenhölzern auf die Spur. Bei einem Spachtel-Griff von Bauhaus fällt ihm auf: "Ein afrikanisches Tropenholz, Bubinga. Es kommt aus West- bis Zentralafrika und ist auch sehr schwierig nur als zertifiziertes Holz zu beschaffen."

In einem ähnlichen Griff von OBI entdeckte das Institut für Holzforschung das seltene Kotibé. Wir forschen genauer nach: Die Hölzer Bubinga und Kotibé stehen auf der "Roten Liste" für bedrohte Arten. Laut WWF ist Tropenholz in Werkzeuggriffen keine Seltenheit. Bauhaus erklärt uns gegenüber, für diese Spachtel kein Zertifikat zu haben, will das aber nachholen. OBI hat auch kein Zertifikat und will die Spachtel jetzt aus dem Sortiment nehmen.

Ortswechsel: In Sarahs und Ragnas Schrebergarten ist es weiterhin idyllisch. Die blauen Hortensien sollen jetzt in die Erde gepflanzt werden. Die beiden Schwestern nutzen dafür die empfohlene Spezialerde. Doch Hortensienerde braucht man nicht überall. Wir schauen deshalb mal nach, was "normale" Erde so beinhaltet – natürlich in den von uns gecheckten Baumärkten. Auf einem Sack der Bauhaus-Eigenmarke  finden wir die Inhaltsstoffangabe Hochmoortorf. Hersteller der Erde ist die Firma Floragard. Auch die von uns besorgte OBI-Blumenerde beinhaltet Hochmoortorf. Sie wird von der Firma terrasan produziert.

Torf als Blumenerde hat einen schlechten Ruf. Bei der UN-Klimakonferenz in Bonn treffen wir Hans Joosten. Er ist Professor für Moorkunde und einer der renommiertesten Experten für den Schutz von Moorlandschaften Deutschlands. Wir wollen von ihm wissen, ob Torf in Blumenerde überhaupt notwendig für den Hobbygärtner ist. "Nein, notwendig ist es nicht. Es gibt ausreichend Alternativen, die genauso gut funktionieren oder fast genauso gut. Die sind auch vorhanden und diese sollte man eigentlich verwenden, weil an Torf eine ganze Bande schlechter Nebeneffekte klebt," erklärt er uns.

Bei der Torfgewinnung werden Moore entwässert. Einmal an der Luft, gibt Torf CO² ab, das Jahrtausende gespeichert war – ein Klimakiller. Weil Moore in Deutschland geschützt sind, wird Torf für Blumenerde hier immer knapper. Aber die Erde-Produzenten wissen, wo man noch an Torf kommt. "Wir sehen, dass in den letzten Jahrzehnten zunehmend Torf aus anderen Ländern geholt wird, vor allem aus den baltischen Staaten, wo hochwertigere Gebiete und hochwertigere Torfe abgebaut werden als bei uns", sagt Hans Joosten.

Für die Check-Reporter geht es deswegen auf nach Lettland. Wir wollen wissen: Gehören Bauhaus und OBI auch zu denen, die sich einfach andere Moore suchen? Auf uns wartet die lettische Expertin für Moore, Mara Pakalne. Sie forscht an der Universität und will uns zeigen, wie für simple Blumenerde ganz legal Natur zerstört wird. Wir fahren gemeinsam zu einem Hochmoor in der Nähe von Riga – 6000 Jahre lang ein Ort für einzigartige Pflanzen und Tierarten. Zehntausend Hektar war es einmal groß. Heute sind es nur noch zweitausend. Mara Pakalne hat Angst, dass noch mehr Moore zerstört würden: "In anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, haben die Menschen erst über Naturschutz nachgedacht, als kaum noch wertvolle Natur zum Schützen da war. Wir in Lettland sollten jetzt die Moore schützen, so lange wie wir sie noch haben."

Dann zeigt sie uns ein Beispiel, warum aus 10.000 Hektar nur noch zweitausend wurden: Torfabbau. Im Moment ruhen die Arbeiten, weil es zu feucht ist. Wir wissen noch nicht, welches Unternehmen hier seinen Torf herholt. Später, zurück in Deutschland, erfahren wir, dass das Feld zu Floragard gehört. Und Floragard produziert Blumenerde auch für Bauhaus.

Zunächst reisen wir aber zu einem anderen Torffeld in Lettland. Es heißt, dass es zu terrasan, dem OBI-Lieferanten, gehören soll. Letzte Reste des alten Moores zeigen uns, dass die Arbeiten gerade begonnen haben. Wir bleiben nicht lange allein. Zunächst kommen Arbeiter, dann braust sogar der Firmenchef heran. Wir werden mit einem freundlichen Händedruck begrüßt. Dennoch sind wir nicht gerade willkommen. Erst nach längerer Diskussion verrät uns der Chef, wo seine Firma weitere Torffelder hat. Der Boden dort ist trockener. Wo einmal Jahrtausende altes Moor war, fräsen Maschinen den Torf ab. Die Frage bleibt: Wirklich für terrasan? Für OBI?

In einer Hütte in der Nähe, die auch zu dieser Firma gehört, treffen wir einen Arbeiter, der gerade Pause hat. Im Laufe der Zeit wird er gesprächig. Auf  Nachfrage, wo das Unternehmen, für das er arbeitet, den Torf hinschickt, sagt er: "Rumänien, Bulgarien, Italien. Da, wo es hin soll." Wir wollen wissen, ob die Firma auch Torf nach Deutschland schickt. "Vor allem nach Deutschland!" sagt er. "Weil wir ja unter deutscher Flagge sind." Die Hütte, in der der Arbeiter seine Pause macht, wirkt sehr einfach. Aber er sagt uns, er sei zufrieden. Auf Nachfrage zeigt er seine Jacke mit dem Logo der Firma, für die er tätig ist. Tatsächlich: terrasan.

Überraschend bekommen wir eine Einladung zum Hauptsitz von terrasan in Lettland. Bei gutem Wetter werden hier am Tag Hunderte Kubikmeter Torf umgesetzt. OBI bestätigt uns später: Auch für seine Blumenerden. Viele Kunden würden das so wollen. Trotzdem wolle man den Torfanteil so weit wie möglich reduzieren.

Wir fragen uns, wie weit man damit schon ist. Dafür schauen wir uns das Angebot einer zufällig ausgewählten OBI-Filiale an. Wir finden 41 verschiedene Erden. Vier davon, sagen Experten, benötigen tatsächlich Torf. Aber auch bei den anderen 37 finden wir fast überall Torf – mal mehr, mal weniger. Nur drei Erden sind torffrei. Und bei Bauhaus? Dort wird laut eigenen Angaben prominent für torffreie Erde geworben. Wir wählen auch hier wir zufällig eine Filiale aus und checken das Erdenangebot. Dabei finden wir 26 Produkte, von denen laut Experten nur vier tatsächlich Torf bräuchten. Von den restlichen 22 sind aber nur zwei torffrei. 

Hans Joosten, der Professor für Moorkunde, sagt: "Die Palette von torfhaltigem Substrat ist viel größer als die Palette von torffreien Substraten. Man muss tatsächlich torffreie Substrate in vielen Baumärkten mit der Lupe suchen und man findet es nicht."

Zurück in Lettland. Eine kleine Siedlung am Rande der Torffelder. Es ist schon Abend. Der Torfabbau, erzählt man uns, bringt kaum neue Jobs und ändert nichts an der Armut. Einer der Anwohner meint: "Das kann man damit vergleichen, wenn man einen Baum fällt. Der Stamm wird weggefahren und uns in Lettland bleiben nur die Späne. Das ist der ganze Vorteil für Lettland."

Zurück in Deutschland sprechen wir Menschen in der Fußgängerzone an und berichten ihnen von unseren Recherchen. Wir merken: Vielen ist nicht bewusst, was alles passiert, um ein bisschen Natur in Blumenkästen zu bringen. Da scheint es, dass die Baumärkte zu wenig aufklären.

Unser viertes Checkurteil: Der Ökofaktor bei OBI und bei Bauhaus ist ausbaufähig. 

Ein Film von Norman Laryea und Franziska Pröber

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