Image-Check: Ende für den Ballermann-Sauftourismus?

Sangria-Eimer am Ballermann
Sangria-Eimer am Ballermann | Bild: dpa

Ist es mit dem Sauftourimus am Ballermann bald vorbei?

Der Partytourismus am Ballermann in Palma prägt Mallorcas Image. Schon tagsüber wird in den Clubs rund um die Schinkenstraße mit viel Promille gefeiert. Ein Paradies für Kegelbrüder, Junggesellenabschiede und Betriebsausflüge.

"Unser 17. Bundesland", so sehen viele Deutsche Mallorca ganz gerne. Dabei wird aber übersehen, dass an der Playa de Palma auch einheimische Mallorquiner leben, die nicht nur feiern wollen. Weil ihrer Ansicht nach der Partytourismus immer exzessiver wird, haben Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet. Der Massentourismus habe ihnen die Heimat weggenommen, klagen sie, und viel Kriminalität an die Playa de Palma gebracht.

Offiziell drohen Geldstrafen für Saufgelage

Aufdringliche Strandverkäufer, Prostituierte, Hütchenspieler – sie alle wollen das Geld der Touristen, aber sie sind illegal auf der Insel und ein großes Sicherheitsproblem, sagt Stephanie Schuster von der deutschsprachigen "Mallorca Zeitung". Sie berichtet von Korruptionsskandalen der Polizei von Palma, die eben nicht so genau kontrolliert, wie sie offiziell sollte. Nach Auffassung der Mallorca-Kennerin fehlt einfach der politische Wille, durchzugreifen.

Dabei verkündet die Stadtverwaltung von Palma gebetsmühlenartig, dass sie mehr Qualitätstourismus will und die Partyurlauber am Ballermann einschränken. Für Saufgelage, Glasflaschen am Strand und laute Musik drohen schon seit Jahren Geldstrafen.

Unser Check: Wie ernst ist es der Regierung mit dem Imagewandel am Ballermann?

Wir inszenieren extra ein eigentlich verbotenes Saufgelage mit Sangria-Eimer am Strand, kaufen Glasflaschen, drehen die Musik absichtlich laut. Die Polizei kommt zwar vorbei und bleibt stehen, fährt dann aber weiter. Wir konfrontieren die stellvertretende Bürgermeisterin mit der Untätigkeit der Polizei. Ihr ist es peinlich und sie sagt, so dürfte es nicht sein, allerdings könne es schon mal vorkommen.

Unser Eindruck: Dass der Sauftourismus am Ballermann eingeschränkt werden soll, das sind eher vollmundige Parolen als Realität. Gerade hat die Stadtverwaltung öffentlichen Trinkexzessen an der Playa de Palma wieder neu den Kampf angesagt und droht mit Geldstrafen bis zu 3000 Euro. Wie konsequent sie die Regelung dieses Mal durchsetzen wird, bleibt aber abzuwarten.

Gibt es noch das ursprüngliche Mallorca?

Ja, das gibt es, hauptsächlich im Landesinneren, in den Städten Inca, Sineu, Petra oder Manacor. In Sineu zum Beispiel findet jeden Mittwoch einer der letzten Märkte statt, auf dem noch lebende Tiere verkauft werden. Der Markt ist zwar ein Touristenmagnet. Aber hier verkaufen die einheimischen Landwirte ihre Produkte. Kaum einer von ihnen spricht deutsch oder englisch. Auch Winzer sind hier ansässig. Die Einheimischen kaufen ihren Wein gerne direkt bei ihnen, für Touristen sind sie allerdings schwer zu finden.

In Manacor besuchen wir das Restaurant Es Cruce. Hier gehen die Mallorquiner essen. Hauptgerichte kosten kaum mehr als 5 Euro, deutlich weniger als an der Küste. Die meisten Mallorquiner könnten sich die Preise dort auch gar nicht leisten. Typisch mallorquinische Gerichte sind zum Beispiel Zunge mit Kapern, geschmortes Fleisch mit viel Sauce auf dem Teller und Schnecken.