Der Buchungs-Check: Welche Kosten fallen wo an?

Susanne Gebhardt auf dem Pooldeck
Susanne Gebhardt auf dem Pooldeck | Bild: SR / Thomas Radler

Kaum ein Reisesegment ist so unübersichtlich wie der Kreuzfahrtmarkt. Extrem unterschiedliche Preise für ganz ähnliche Angebote – wie kann das sein?

Kreuzfahrt-Reedereien agieren wesentlich kurzfristiger als andere Reiseveranstalter. Sie machen zum Beispiel die Mittwochsaktion oder den 48-Stunden-Sale, nur in dem Zeitraum gibt es die Reise beispielsweise 30 Prozent billiger. Die Vertriebswege sind so unterschiedlich und vielfältig, dass tatsachlich für die gleiche Kabine zum gleichen Zeitpunkt unterschiedlichste Preise im Markt sind.

Die Buchungssysteme der Reedereien reagieren sofort auf Marktentwicklungen. So haben wir wahrscheinlich durch unsere vermehrten Anfragen beim Online-Buchungs-Check den Preis selbst nach oben getrieben.

Das können Sie tun:

Gute, auf Kreuzfahrten spezialisierte Reisebüros und die Newsletter der Reedereien helfen, Schnäppchen zu entdecken. Durch die zahlreichen Rabattaktionen der Reedereien bekommt man manchmal eine Balkonkabine für weniger Geld als eine Innenkabine zum Normalpreis.

Der günstigste Buchungsweg: Reisebüro, Online-Portale oder die Call Center der Reedereien?

Über 80 Prozent der deutschen Kreuzfahrttouristen buchen ihre Reise über das Reisebüro. Aber ist das auch die günstigste Variante?

Professor Achim Schröder leitet an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken den Fachbereich Touristik. Mit seinen Studenten hat er für uns geprüft, welcher Buchungsweg am günstigsten ist: das Reisebüro, Online-Portale oder die Call Center der Reedereien?

Vorsicht bei telefonischen Buchungen

Ergebnis: Bei den Online-Portalen gibt es die besten Preise, gefolgt von den Reisebüros. Bei den Callcentern der Reedereien liegen die Preise höher. Und es lauert noch eine weitere Gefahr, wie unser Experte Bernhard Jans von der TU Dresden weiß: Upselling.

Dahinter verbirgt sich die Strategie des Anbieters, den Kunden durch extrem günstige Preise in der Werbung erstmal "zu fangen", dabei aber genau zu wissen, dass zu diesem Preis keine Kreuzfahrt verkauft wird. Stattdessen wird der Kunde am Telefon "mürbe geredet", was er alles Tolles bekommt, wenn er mehr Geld ausgibt. Am Ende hat der Kunde oft tatsächlich etwas viel Kostspieligeres gebucht, als er eigentlich wollte.

Ein Ende des Kreuzfahrtbooms ist nicht in Sicht.
Ein Ende des Kreuzfahrtbooms ist nicht in Sicht. | Bild: SR / Thomas Radler

Die günstigste Reederei

  • Unser Check hat ergeben: Wenn man die Tagespreise der Reisen vergleicht, war "Aida" die günstigste Reederei, dann folgte "Mein Schiff", dann die"Norwegian Epic". Dieses Ergebnis haben wir Ende 2015 für einen Reisezeitraum im Juni 2016 bekommen.

Man muss auch berücksichtigen, dass die Reedereien unterschiedliche Konzepte und Kostenkalkulationen haben. Zum Beispiel beim Thema Getränke.

  • Bei Aida sind die Tischgetränke im Preis enthalten, alle anderen muss man extra zahlen.

  • Bei TUI Cruises und Norwegian Cruise Line gilt Premium All(es) Inklusive, d.h. die meisten Getränke sind bereits im von vornherein deutlich höheren Reisepreis enthalten. Wir haben mal gerechnet: man müsste auf der Aida jeden Tag drei Cocktails und vier Bier trinken, um auf einen ähnlichen Tagespreis zu kommen.

Anfallende Zusatzkosten

Auch, wenn die meisten Angebote und Leistungen an Bord mit dem Reisepreis bereits bezahlt sind, soll der Kunde trotzdem möglichst viel Geld an Bord lassen. Daher: kein Schiff ohne Zuzahlbereich. Selbst beim angeblichen All-Inclusive-Konzept sind die Getränke an Bord teilweise doch wieder kostenpflichtig.

Ein weiteres Beispiel auf der "Aida Blu": die sogenannte Wellness-Oase. Ein vom Haupt-Sonnendeck abgetrennter Bereich, in dem man mehr Ruhe hat und zuverlässig eine Liege bekommt. Kosten: 25 Euro pro Person und Tag.

Ein Beispiel auf der "Mein Schiff 3": zwei Stunden auf der Entspannungsinsel inklusive Genießerpaket kosten an Landtagen 29 Euro, an Seetagen 35 Euro.

Sehr unterschiedliche Internetkosten:

  • Auf der "Mein Schiff": 49,90 Euro für drei Stunden und eine Flatrate gibt es nicht.

  • Auf der "Norwegian Epic": 27 Euro pro Tag.

  • Auf der Aida geht es nicht nach Zeit, sondern nach Datennutzung. Internet ist wesentlich günstiger als auf der "Mein Schiff". Und wer nicht surfen will, sondern nur die sozialen Netzwerke benutzen will, wie Facebook, Twitter oder WhatsApp, der kann auch eine Social-Media-Flatrate buchen, die kostet für sieben Tage nur 19 Euro.