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Deutschland, deine Künstler (3): Annette Dasch

Annette Dasch
Sie ist auf den Opernbühnen in aller Welt zu Hause.

Sie ist eine der wenigen deutschen Sopranistinnen der Gegenwart, die eine unverwechselbare Stimme mit schauspielerischem Talent verbindet: Annette Dasch. Das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung auf den großen Opernbühnen in aller Welt – an der Metropolitan Opera in New York genauso wie bei den Bayreuther Festspielen.

Doch fast wäre sie der Opernwelt verloren gegangen. Annette Dasch wäre vielleicht als Zimmermann auf der Walz gewesen und dann in irgendeinem Handwerksbetrieb gelandet. Oder wahrscheinlicher als Klarinettistin in einem städtischen Orchester. Berufswünsche, die von der Berlinerin in jungen Jahren tatsächlich in Betracht gezogen wurden.

Mit einem Gesangsstudium in München ging es los

Denn Singen war viel zu selbstverständlich in der musikalischen Familie Dasch, um daraus ein Berufsziel zu machen. Bis sie von vielen Menschen auf ihre ungewöhnlich schöne Stimme angesprochen wurde und in den Chören fast alle Solostimmen bekam. So traf Annette Dasch die Entscheidung, die Klarinette beiseite zu legen und in München Gesang zu studieren.

Im Jahr 2000, gewann sie gleich drei wichtige Gesangswettbewerbe hintereinander: den Maria-Callas-Wettbewerb in Barcelona, den Robert-Schumann-Liedwettbewerb in Zwickau und den Concours de Genève in Genf. Danach stand ihr die Welt offen: Montpellier, Antwerpen, Dresden, Berlin, Tokio, Stockholm, Brüssel, München, Paris und Mailand.

Annette Dasch
Die Sopranistin Annette Dasch  | Bild: Radio Bremen / Kurt Pinter

Zusammenarbeit mit Star-Dirigenten

Zu ihren wichtigsten Partien gehörten die Pamina (Zauberflöte), die Fiordiligi (Cosi fan tutte), die Antonia (Hoffmanns Erzählungen) und die Liu (Turandot). 2006 gab sie ihr Debut bei den Salzburger Festspielen, 2009 an der Met in New York als Gräfin in "Le Nozze di Figaro", 2010 in Bayreuth als Elsa in der Neuenfels-Inszenierung des "Lohengrin". Sie hat mit vielen bekannten Dirigenten gearbeitet: unter anderen mit Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Seiji Ozawa und Nicolaus Harnoncourt.

Für Annette Dasch war es jedoch selbstverständlich, dass sie nicht nur ein Leben als gefeierte Operndiva wollte, sondern auch eine Familie. 2011 heiratete sie ihren österreichischen Kollegen, den Bariton Daniel Schmutzhard und bekam zwei Kinder. Es gehört eine große Portion Organisationstalent dazu, sowohl ihren Kindern Fanny und Hansi gerecht zu werden als auch Wagners Elsa im Lohengrin.

Nur auf der Bühne eine Diva

In dieser Radio-Bremen-Dokumentation zeigt Annette Dasch beide Seiten ihres Lebens. Auf der Bühne ist sie ein Star, privat hat sie gar nichts Divenhaftes an sich. Der Filmautor Mathias Siebert hat Annette Dasch vor und hinter der Bühne begleitet. Nach Lissabon, wo sie mit dem Gulbenkian-Orchestra die Konzertlieder von Berlioz "Ein Sommernachtstraum" aufführt, und zur Schubertiade ins österreichische Hohenems. Ihr ist der Lied- und Oratoriengesang genauso wichtig wie die Oper.

Die Dokumentation zeigt die Künstlerin in Bayreuth mit dem Tenor Klaus Florian Vogt, bei den Wiederaufnahmeproben des "Lohengrin", außerdem als Moderatorin des "Dasch-Salon" in der Frankfurter Oper und in Berlin ganz privat an den Orten ihrer Kindheit und im Kreise ihrer Familie. Die Zuschauer können sie bei den Dreharbeiten für die internationale Filmproduktion "Die Trapp Familie" erleben, in der Annette Dasch die Rolle der Lotte Lehmann spielt.

Außerdem kommen in der Dokumentation unter anderen zu Wort: Filmregisseur Ben Verbong, der britische Dirigent und Leiter des Gulbenkian-Orchestra, Paul McCreesh, der Kollege und Tenor Klaus Florian Vogt, ihr Ehemann, der Bariton Daniel Schmutzhard, sowie ihre Mutter Renate Dasch und ihre Schwester, die Pianistin Kathrin Dasch.

Ein Film von Mathias Siebert

Erstausstrahlung: 16.11.2015