SENDETERMIN Mo., 21.03.22 | 22:40 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Belarus – Der kurze Traum von Freiheit

PlayJunge Frauen in Konfrontation mit Sicherheitskräften auf einem Protestmarsch.
Die Story im Ersten: Belarus – Der kurze Traum von Freiheit | Video verfügbar bis 21.03.2023 | Bild: WDR / Irina Arakhovskaya

Die Fernsehjournalisten Natalia und Mikhail Maksimow erinnern sich noch genau an den Tag, der ihr Leben verändern sollte. "Niemand hat erwartet, dass es am 9. August so viel Gewalt geben würde. Dass so ein gigantisches Massaker geschehen würde." Beide arbeiteten für das belarussische Staatsfernsehen, auch am Tag der Präsidentschaftswahl im Sommer 2020.

Friedliche Proteste gegen Willkür des Staatsapparates

Diesmal wollte die Bevölkerung offenbar den "letzten Diktator Europas", Alexander Lukaschenko, nicht noch einmal an der Staatsspitze sehen. Viele unterstützten das Frauenteam um Swetlana Tichanowskaja. Doch Lukaschenko ließ das Ergebnis fälschen und erklärte sich zum Sieger.

Gegen diesen Betrug und die Willkür des Staatsapparates protestierten Hunderttausende Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung – das hatte es in diesem Ausmaß in der jahrzehntelangen Herrschaft Lukaschenkos noch nie gegeben. Seine Reaktion: Das Regime schlug die friedlichen Proteste mit brutaler Gewalt nieder, inhaftierte die Demonstranten, ließ viele von ihnen misshandeln und foltern. Swetlana Tichanowskaja und andere führende Oppositionelle mussten ins Ausland fliehen. Aber auch einfache Bürger, die an Protesten oder Streiks gegen das Regime teilgenommen hatten, sahen sich gezwungen, Belarus zu verlassen. Wie die Fernsehjournalisten Natalia und ihr Mann.

Die Fernsehjournalisten Natalia und Mikhail Maksimow haben im August 2020 an den großen Protestmärschen in Minsk teilgenommen.
Die Fernsehjournalisten Natalia und Mikhail Maksimow haben im August 2020 an den großen Protestmärschen in Minsk teilgenommen. | Bild: WDR/Lichtfilm

Die 'Story' zeichnet nach, wie das Lukaschenko-Regime den breiten Protest des Volkes unterdrückt und die Öffentlichkeit zum Schweigen gebracht hat. Die Autorin Irene Langemann hat in Polen und Deutschland Exil-Belarussen getroffen, die von ihren Erlebnissen nach den manipulierten Wahlen erzählen und exklusive Einblicke in das Vorgehen des Machtapparats geben. So etwa der ehemalige Oberstleutnant der belarussischen Polizei Alexander Asarow, der nach den Wahlen die Seiten gewechselt und sich in Polen der Organisation BYPOL angeschlossen hat. Diese wurde von ehemaligen Mitgliedern der belarussischen Sicherheitskräfte gegründet, um Zeugenaussagen und Daten über Folterungen, Mitschnitte von Telefongesprächen und Videos mit belastenden Aufnahmen zu sammeln und sie für zukünftige Prozesse aufzubewahren.

Kritik mit Gewalt zum Schweigen gebracht

Auch der frühere belarussische Kulturminister Pawel Latuschko ist nach Warschau geflohen und gehört heute zu den führenden Köpfen der Exil-Opposition. Mit dem Wissen von heute, so sagt er, hätte er sich an die Spitze der Proteste stellen und für freie Berichterstattung sorgen sollen. "Denn was die Menschen schockierte, als das Internet wieder eingeschaltet wurde, waren die Gesetzlosigkeit und Gewalt. Hätte man es landesweit gezeigt, hätte es vielleicht das ganze Land aufgerüttelt." Maria Kolesnikowa stellte sich damals dem Regime entgegen, als eine der Galionsfiguren der Opposition. Sie wurde verhaftet und zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Ihre Schwester Tatiana Khomich erinnert die internationale Politik regelmäßig an das Schicksal der zahlreichen politischen Gefangenen in Belarus.

Pawel Latuschko, der frühere belarussische Kulturminister, der das System von innen kennt, gehört heute zu den führenden Köpfen der Exil-Opposition.
Pawel Latuschko, der frühere belarussische Kulturminister, der das System von innen kennt, gehört heute zu den führenden Köpfen der Exil-Opposition. | Bild: WDR/Lichtfilm

Viele der Belarussen im Exil glauben, dass die friedliche Revolution die Menschen erstmals zu einer Nation zusammengeschweißt hat. Bis der Machthaber mit Gewalt jegliche Kritik zum Schweigen gebracht hat. Die 'Story' folgt den persönlichen Schicksalen der Protagonistinnen und Protagonisten und zugleich dem Drama des Landes. Bewegende Archivaufnahmen und kaum bekannte Bilder aus privaten Quellen zeigen, was in Belarus seit den Wahlen 2020 geschehen ist. Sie erlauben tiefe Einblicke in die Unterdrückung einer demokratischen Bewegung – Einblicke, die mit Blick auf den Krieg in der Ukraine besonders beklemmend und aufschlussreich sind.

Ein Film von Irene Langemann

Diese Sendung ist nach der Ausstrahlung ein Jahr lang in der ARD Mediathek verfügbar.

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