SENDETERMIN Mo., 31.05.21 | 22:50 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: China

Überwachungsstaat oder Zukunftslabor?

PlayDas "Gehirn" von Shanghai. Auf über eine Million Kameras können sich die Behörden schalten. Wer Regeln bricht, wird sofort kontaktiert.
China: Überwachungsstaat oder Zukunftslabor? | Video verfügbar bis 31.05.2022 | Bild: NDR

China baut ein digitales Überwachungssystem auf, das Kritiker als "das ehrgeizigste orwellsche Vorhaben der Menschheitsgeschichte" bezeichnen. Dabei entsteht eine "schöne neue Welt", in der sich die Bürger Annehmlichkeiten, Vergnügungen, Konsum und damit fast unmerklich auch der totalen Kontrolle hingeben.

China ist das Land mit den meisten Überwachungskameras pro Einwohner.
China ist das Land mit den meisten Überwachungskameras pro Einwohner. | Bild: NDR

Denn beim Staat laufen gigantische Datenmengen zusammen. Im sogenannten "Gehirn" von Shanghai etwa haben die Behörden alles im Blick. Auf riesigen Bildschirmen können sie sich auf jede der rund eine Million Kameras schalten. Wem fallen am Steuer die Augen zu? Wer schmeißt seinen Müll neben den Eimer? Oder hält sich nicht an Corona-Auflagen? "Den Menschen hier soll es gut gehen und sie sollen merken, dass die Stadt sehr sicher ist," meint Sheng Dandan, die das "Gehirn" mitkonzipiert hat.

Das "Gehirn" von Shanghai. Auf über eine Million Kameras können sich die Behörden schalten. Wer Regeln bricht, wird sofort kontaktiert.
Das "Gehirn" von Shanghai: Auf über eine Million Kameras können sich die Behörden schalten. Wer Regeln bricht, wird sofort kontaktiert. | Bild: NDR

Wo wir Risiken fürchten, sehen laut Umfragen die meisten Chinesen Vorteile: Wenn Algorithmen jeden Bürger an seinem Gesicht, seiner Sprache und sogar an seinem Gang lokalisieren können, haben Raser und Rüpel, Betrüger und Verbrecher keine Chance.

Wer sich an alle Regeln hält, der wird belohnt

Und hat China nicht sogar das Coronavirus besiegt – auch dank effizienter Apps? Außerdem ist es ja auch so schön bequem, wenn man alles mit dem Smartphone erledigen kann. Wer mitmacht und sich an alle Regeln hält, bekommt online zudem einen Discount – dank des Sozialbewertungssystems.

Familie Yu in Hangzhou.  Einkaufen, Stromrechnung zahlen, Sozialpunkte checken - alles machen sie am Handy. Die Familie sieht vor allem die Vorteile der digitalen Erfassung aller Lebensbereiche.
Familie Yu in Hangzhou. Einkaufen, Stromrechnung zahlen, Sozialpunkte checken - alles machen sie am Handy. Die Familie sieht vor allem die Vorteile der digitalen Erfassung aller Lebensbereiche. | Bild: NDR

Die Bequemlichkeit schafft Akzeptanz. Das macht BIG DATA so attraktiv, nicht nur in China. Manches wird auch bei uns heiß begehrt sein, das zeigt nicht nur die Debatte um die Corona-App. Wenn Kriminalität sinkt oder der Verkehr fließt, liegen Gut und Böse oft gefährlich nahe beieinander. Der Nutzen ist hoch, doch woher kommen die dafür benötigten Daten? Wem gehören sie? Wer darf sie nutzen?

Antworten suchen die Autoren und Autorinnen auch in Deutschland. Denn China wird sein Wissen exportieren. Deutsche Sicherheitsbehörden liebäugeln längst mit zentraler Überwachung zur Pandemie-, aber auch Verbrechensbekämpfung, wollen Terroristen mit hochmoderner Gesichtserkennung und künstlicher Intelligenz jagen.

Kläger und Angeklagte sitzen hunderte Kilometer voneinander entfernt. Seit Ausbruch von Corona sind digitale Prozesse ein Trend in China.
Kläger und Angeklagte sitzen hunderte Kilometer voneinander entfernt. Seit Ausbruch von Corona sind digitale Prozesse ein Trend in China. | Bild: NDR

Mit Hilfe von IT-Security Experten und Expertinnen untersucht die Dokumentation chinesische Technologie, die hierzulande eingesetzt wird. Zeigt zum Beispiel, welche Daten beim umstrittenen sozialen Netzwerk TikTok gesammelt werden und was ein chinesisches Handy macht, wenn Nutzer unaufmerksam sind.

Wie soll die westliche Welt mit Chinas Technologie umgehen? Kooperieren – gegen die eigenen Wertvorstellungen? Oder abstinent bleiben – und in Kauf nehmen, dass andere die Standards definieren? 

Ein Film von Mathias Bölinger, Tamara Anthony, Svea Eckert und Daniel Satra

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