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Die Story im Ersten: Der Beamtenreport

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Der Beamtenreport | Video verfügbar bis 03.12.2019 | Bild: Thinkstock

Es gibt nicht den Beamten, das zeigen die vielen Beispiele im Beamten-Report. Polizist, Feuerwehrmann, Lehrer, Jurist –  das deutsche Berufsbeamtentum ist vielfältig, aber in den Köpfen der Deutschen sind sie eines, nämlich privilegiert. Stimmt das? Beamte sind zu teuer für den Steuerzahler, es gibt zu viele Beamte, so können wir uns das nicht mehr leisten. Alles Fakten oder nur Klischees? Das herauszufinden, darum geht es. Mit Datenrecherche, repräsentativen Umfragen,  Analysen und Experten.

Der Beamtenjob, für junge Leute attraktiv wie nie

Warum bloß? Langweilig, Dienst nach Vorschrift, kaum Aufstiegschancen, das war gestern. Woher kommt der Imagewandel? Im Beamten-Report erklären das künftige Berufseinsteiger so: "Als Beamter weiß man, was man hat und später eine gute Pension, das passt!" Ein Kommilitone sieht eher das große Ganze: "Ich glaube gerade in Zeiten der Globalisierung sehnen sich viele nach Sicherheit, etwas, das man festhalten kann."

Die Beratungsfirma Ernst&Young befragt regelmäßig  4.000 Studenten. Das Ergebnis: Noch nie wünschten sich so viele den Staat als Arbeitgeber, 41 Prozent der Befragten. Mehr als jeder Zweite nennt die Sicherheit als wichtigsten Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers, 57 Prozent. Das Gehalt ist  weniger wichtig.

Neue Verbeamtungswelle. Wegen Mangel an Lehrkräften locken  jetzt auch die neuen Bundesländer mit dem Job auf Lebenszeit.
Neue Verbeamtungswelle. Wegen Mangel an Lehrkräften locken jetzt auch die neuen Bundesländer mit dem Job auf Lebenszeit.

Was macht den Beamtenstatus so attraktiv ? Sind es  Privilegien? Infratest dimap hat für den Beamten-Report einen repräsentative Umfrage gemacht. Sind Beamte privilegiert? Auf diese Frage antwortet die Mehrheit der Bundesbürger mit ja, bei der  Altersversorgung sagen 83 Prozent,  bei der Gesundheitsversorgung 72 Prozent und 64 Prozent nennen das Gehalt

Der Beamtenstatus als Lockmittel für begehrte Fachkräfte

Für Andreas Deiseroth ist es ein besonderer Tag. Zusammen mit knapp zweihundert anderen jungen Lehrern hält er seine Beamtenurkunde in den Händen.“Sich verbeamten zu lassen, das ist so eine Art Wertschätzung der Arbeit und nahezu die einzige Aufstiegsmöglichkeit für einen Lehrer." Aufstieg vom angestellten Lehrer zum verbeamteten. Lange hat Thüringen wie alle neuen Bundesländer im täglichen Schulbetrieb auf Beamte verzichtet. Doch der akute Lehrermangel in Deutschland zwingt sie zur Kehrtwende.

Nordthüringens Schulamtsleiter  Bernd Uwe Althaus erklärt warum er  jungen Lehrern nun eine Anstellung auf Lebenszeit anbietet: "Die Ausgangssituation ist die Konkurrenz zu den Nachbarländern. Wenn man so in der Mitte liegt wie Thüringen und um einen herum Bundesländer wie Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern Lehrern Beamtenstellen anbieten, dann stellt sich die Frage nicht, bin ich pro oder contra zum Beamtenstatus, sondern wie bekomme ich Lehrer-Nachwuchs."

Laut Lehrerverband fehlen an deutschen Schulen 40.000 Pädagogen, der schlimmste Lehrermangel seit dreißig Jahren. Im Wettstreit um Fachkräfte wird der Beamtenstatus als Lockmittel eingesetzt. Im Bildungsbereich erlebt Deutschland gerade eine neue Verbeamtungswelle.

Büffeln für den Beamtenjob. Philipp Rehm ist einer von über Tausend Studenten an der Finanzakademie Nordkirchen. Nachwuchs für die Finanzämter in NRW.
Büffeln für den Beamtenjob. Philipp Rehm ist einer von über Tausend Studenten an der Finanzakademie Nordkirchen. Nachwuchs für die Finanzämter in NRW.

Risiko Pensionslasten

Noch mehr Beamte? Für den Rentenexperten Professor Bernd Raffelhüschen der falsche Weg. Schon jetzt seien die Versorgungsverpflichtungen für Beamte enorm: "Die Pensionslasten sind das Problem, das uns als erstes erwischt. Vor der Rentenversicherung, vor der Kranken- und Pflegeversicherung. Das liegt daran, dass wir zwischen 1972 und 1982 unser Berufsbeamtentum quasi verdoppelt haben und die Leute gehen jetzt in Pension." Für den Steuerzahler bedeute das alles nichts Gutes, warnt der Rentenexperte, man müsse, um die Gelder einzutreiben, dann  bei anderen Ausgaben sparen oder neue Steuern erheben.

Der Beamten-Report hat ausgerechnet, wie hoch die Pensionslasten pro Bürger schon  jetzt  sind. In Hamburg sind sie am höchsten mit 716 Euro, in Sachsen am niedrigsten mit 49 Euro. Insgesamt schneiden die neuen Bundesländer bei diesem Vergleich sehr viel besser ab als die alten. Das Berufsbeamtentum kam dort erst nach der Wende. Das zeigt auch der Blick auf die Beamtendichte, die wenigsten Beamten gemessen an den Beschäftigten gesamt gibt es in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Viel zu wenig Rücklagen

Für die Beamtenpensionen hat der Staat als Arbeitgeber kaum Geld zurückgelegt. Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender des Beamtenbundes, kritisiert dafür Politiker und Staat: "Das was er von jedem Bürger und jeder Bürgerin verlangt, private Vorsorge zu treffen, das hat er im Beamtenbereich nicht gemacht. Gerade jetzt, in einem Zeitalter, wo die Kassen sprudeln, hätten Bund, Länder und Kommunen mehr Rücklagen bilden müssen."

Beamte sind wegen fehlender Abgaben zu Renten- und Krankenversicherung in ihrer aktiven Zeit für den Arbeitgeber billiger als Angestellte. Im Ruhestand müssen die Pensionen überwiegend aus Steuermitteln finanziert werden. Und Pensionen berechnen sich anders als Renten nach dem letzten Gehalt, 71,75 Prozent davon gibt’s für den pensionierten Beamten inklusive einer Zusatzversorgung nach vierzig Jahren.

Der Staat funktioniert auch mit weniger Beamten

Und das denken die Bundesbürger darüber: Die infratest dimap-Umfrage exklusiv für den "Beamten-Report" ergab:  Bei Lehrern hält nicht einmal jeder zweite Befragte den Beamtenstatus für notwendig, nämlich 48 Prozent. Bei Verwaltungsbeamten ist es mit 33 Prozent sogar nur jeder Dritte. Ganz anders sieht die Akzeptanz bei Polizei-und Justizbeamten aus.  Auf die Frage "Wo halten Sie den  Beamtenstatus für notwendig?" nennt mit 82 Prozent die große  Mehrheit der Bundesbürger die Polizei, an zweiter Stelle mit 76 Prozent die Mitarbeiter der Justiz.

Feuerwehr
Hoheitliche Aufgaben – bei der Feuerwehr ist der Beamtenstatus unumstritten. An Nachwuchs mangelt es auch hier.

Im Grundgesetz steht, Beamte sollen  hoheitliche Aufgaben erfüllen. Für den Staatsrechtler Prof. Ulrich Battis fallen Lehrer nicht darunter. "Das Bundesverfassungsgericht sagt, Lehrer müssen nicht verbeamtet werden, aber das Problem ist, die wollen alle verbeamtet werden."

Der Beamten-Report – Ein journalistischer Faktencheck von Christine Rütten

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