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Deutschland-Reportage: Alles auf Kosten der Steuerzahler

Mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten kamen seit 2015 nach Deutschland. Möglichst viele von ihnen in die Lebens- und Arbeitswelt hierzulande zu integrieren, ist eine große Herausforderung für die Politik und die Behörden. Wie also werden die Flüchtlinge beraten, geschult und ausgebildet? Wie erfolgreich ist die Vermittlung in den Arbeitsmarkt? Wie viele Milliarden Steuergeld kostet das – und werden diese riesige Summen sinnvoll eingesetzt?

Im Zentrum all dieser Fragen steht die Bundesagentur für Arbeit mit ihren regionalen Jobcentern. Aber auch die vielen, meist privaten Bildungsträger, die zahlreiche Kurse für Flüchtlinge entwickeln und anbieten – und dafür jährlich Milliarden Euro von der Bundesagentur für Arbeit kassieren.

Doch die Recherchen zu all diesen Fragen sind schwierig. So verweigerten fast alle Jobcenter und Bildungsträger, die für diese Dokumentation angefragt wurden, die Dreharbeiten. Auch Fragen zu Kosten, zu Inhalten der Kurse oder zu den eventuellen Erfolgen der Maßnahmen wurden zumeist nicht beantwortet. Häufige Begründung: Das Thema sei zu „sensibel“, könne zu „polarisierend“ sein.

Gesprächsbereit waren einige Teilnehmer*innen dieser Angebote: So schildert eine eigentlich dringend benötigte Hebamme, wie sie in Kursen für 10.000 Euro zu einer sogenannten Integrationsmanagerin umgeschult wurde. Ein 64-jähriger Flüchtling musste für viel Geld einen Kurs für „Bewerbungstraining“ absolvieren. Ehemalige Ärzte werden gemeinsam mit Analphabeten in „Logistikkurse“ geschickt.

Jeder Bildungsträger bietet seine Kurse an und benötigt für sein lukratives Geschäft ein sogenanntes Zertifikat. Dieses wird zum Beispiel erteilt durch die Dekra oder den TÜV. Die prüfen sehr häufig Papiere, Raumgröße und Brandschutz der Einrichtungen, aber nur sehr selten die Seriosität der Anbieter oder die Sinnhaftigkeit all dieser Angebote.

Die irritierende Folge: Es werden Berufsfelder angeboten, für die es auf dem Arbeitsmarkt gar keinen Bedarf gibt. Ein Experte dieser Branche kommt zu der vernichtenden Erkenntnis: „Berufe wie Integrationsmanager sind Eigenentwicklungen der Bildungsträger. Sie können das Ganze auch Kaiser von China nennen.“ Doch das Geschäftsmodell funktioniert. Jährlich vergibt die Bundesagentur für Arbeit mehrere Milliarden auch an solche Bildungsträger mit fragwürdigen Angeboten.

Die Dokumentation zeigt auch sinnvolle Maßnahmen: So werden im UKE in Hamburg Qualifizierungskurse für dringend benötigte Krankenschwestern angeboten. Der Erfolg ist messbar. Doch Geld vom Jobcenter erhält das UKE nicht. Denn diese Kurse sind nicht zertifiziert.

Die Bilanz fünf Jahre nach dem berühmten Merkel-Satz „Wir schaffen das“ ist nicht eindeutig. Denn neben den zweifelslos vielen „Erfolgsgeschichten“ gibt es auch viele Maßnahmen, deren Sinnhaftigkeit zu Recht kritisiert werden muss.

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