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Deutschland-Reportage: Umzug ins Altersheim

PlayHans-Jürgen Dehning hilft seiner Ehefrau Erna nach einem Krankenhausaufenthalt bei ihrer Rückkehr in den Alltag im Altersheim.
Deutschland-Reportage: Umzug ins Altersheim | Video verfügbar bis 26.10.2020 | Bild: Radio Bremen

Irgendwann kommt der Tag, an dem sich der Mensch eingestehen muss: Ich kann nicht mehr. Nicht mehr alleine laufen. Nicht mehr alleine zurechtkommen. Nicht mehr alleine leben. Die Kinder sind häufig berufsbedingt Hunderte Kilometer vom elterlichen Haus weg. Und so wird der Umzug in ein Heim zur einzigen Option, um in Würde zu altern. Viele Senioren tun dies widerwillig, andere ganz bewusst. Wie verkraften sie ihren letzten Umzug? Kann man einen alten Baum – anders als im Sprichwort – verpflanzen, so dass er neue Wurzeln schlägt? Die "Deutschland-Reportage: Umzug ins Altersheim“ von Radio Bremen begleitet Menschen auf ihrem schwierigen Weg ins wahrscheinlich letzte Zuhause.

Sechs Operationen hat Helga Holtkamp (80) überstehen müssen: Erst fiel sie vom Fahrrad und brach sich ein Bein, in der Reha gleich noch einmal, es folgten eine Knie-OP und ein gebrochenes Steißbein. Mühselig hat sie sich wieder aufgerappelt, wollte nur wieder nach Hause. Dort lebt sie seit ihrer Geburt. Doch ihr Mann Johann (88) erkennt: "Wir müssen ins Heim. Wir müssen uns damit abfinden."

Abschied von den eigenen vier Wänden nach 80 Jahren

Die "Deutschland-Reportage: Umzug ins Altersheim“ von Radio Bremen begleitet die Holtkamps bei ihrem letzten Umzug. Sie verkaufen ihr Haus in Bremen-Horn, sortieren aus – Möbel, Kleidung, Erinnerungsstücke. In ihre neue Zwei-Zimmer-Wohnung im Heim passt nicht viel. Je näher der Umzugstermin rückt, desto trauriger wird Helga Holtkamp. Die eigenen vier Wände nach 80 Jahren hinter sich zu lassen, ist nicht einfach.

IDie Brüder Hartwig (l.) und Hans-Jürgen Dehning  (r.) zogen gemeinsam ins Heim.
Die Brüder Hartwig (l.) und Hans-Jürgen Dehning (r.) zogen gemeinsam ins Heim. | Bild: Radio Bremen

Die Brüder Hartwig und Hans-Jürgen Dehning haben diesen Schritt schon hinter sich. Der Herausforderung wollten sich die beiden Brüder aber nur gemeinsam stellen. Im Altersheim gründeten sie eine WG. Lange haben sich die beiden Lehrer dagegen gewehrt, ihre Häuser zu verlassen. Doch seit einem Jahr leben die beiden Ü-90er nun in ihrer WG. Der Ältere, Hans-Jürgen (93), hat deshalb sogar seine Ehefrau "verlassen". Erna Dehning wohnt im Gang gegenüber, während ihr Mann mit seinem jüngeren Bruder Hartwig (92) ein 45 Quadratmeter großes Zimmer teilt.

Hans-Jürgen (93) zog für seinen Bruder ins Altersheim

"Meine Beine haben mich im Stich gelassen. Sonst wäre ich noch länger zu Hause geblieben." erklärt Hartwig Dehning. Sein Bruder Hans-Jürgen wollte ihn da nicht im Stich lassen. Er zog mit ihm ins Heim. Die Brüder haben im hohen Alter die Kraft, ihre letzte Wohnsituation auf Erden voller Elan und Lebensfreude zu gestalten. Trotz Heim, trotz körperlicher Gebrechen.

Ein Umzug ins Altersheim gibt den Rentnern vor allem eines – ein Gemeinschaftsgefühl und Gesellschaft.
Ein Umzug ins Altersheim gibt den Rentnern vor allem eines – ein Gemeinschaftsgefühl und Gesellschaft. | Bild: Radio Bremen

Die Reportage fragt: Welche individuellen Gründe und Ängste spielen bei diesem ganz besonderen Umzug mit? Gelingt die Eingewöhnung in das neue Heim, und wie arrangiert man sich mit den vielen gleichaltrigen, oft dementen Mitbewohnern, wenn man sich selbst noch als sehr fit wahrnimmt? Der Film von Radio Bremen zeigt die Emotionen des Auszuges, des Hinter-sich-Lassens, aber auch die Freude und Energie, die im neuen sozialen Umfeld entstehen können. Und fragt, welche Rolle die Endlichkeit des Lebens bei diesem Neuanfang spielt.

Ein Film von Anke Kültür

Eine Produktion der Bremedia GmbH im Auftrag von Radio Bremen 2018/19

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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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