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Bilder zur Doku "Die Akte Otto Warmbier"

Ende Dezember 2015 reist der 21-jährige Student Otto Warmbier nach Nordkorea. Nach ein paar Tagen will er nach Hongkong weiterreisen, um dort zu studieren. Bei der Ausreise nehmen Polizisten den US-Studenten fest. Er soll ein Propaganda-Plakat gestohlen haben. | Bild: NDR

Ende Dezember 2015 reist der 21-jährige Student Otto Warmbier nach Nordkorea. Nach ein paar Tagen will er nach Hongkong weiterreisen, um dort zu studieren. Bei der Ausreise nehmen Polizisten den US-Studenten fest. Er soll ein Propaganda-Plakat gestohlen haben.

Im März 2016 veröffentlicht Nordkorea ein Video, in dem Otto Warmbier unter Tränen um Vergebung bittet. Das Regime verurteilt ihn zu 15 Jahren Arbeitslager. 14 Monate lang hört niemand mehr etwas von ihm.

Am 10. Juni 2017 fliegt der US-Notarzt Mike Flueckiger in einer Geheimaktion von den USA über Japan nach Nordkorea, um den Studenten in seine Heimat zu überführen.

Erst kurz vor Abflug erfährt Flueckiger Einzelheiten: "Es war nur eine kurze Notiz, in der es hieß, er liege im Koma, im Krankenaus der Freundschaft. Das war alles. Und dass er da schon 15 Monate lag."

Otto Warmbier wurde im Wachkoma liegend in die USA überführt. "Ich suchte natürlich nach Folterspuren", sagt der Rettungsarzt Flueckiger. "Aber nichts, was ich vorfand, ergab dafür Anzeichen. Mein Eindruck war nicht, dass die koreanischen Ärzte Informationen zurückhielten."

Wenige Tage nach seiner Heimkehr stirbt Otto Warmbier im Alter von 22 Jahren.

"Das war ein Schock für die Eltern. Sie sprachen von Folter", erzählt Filmemacher Klaus Scherer. "Der US-Präsident machte sich diesen Vorwurf zu eigen, indem er twitterte: 'Warmbier wurde über alle Maßen unvorstellbar von Nordkorea gefoltert.' Belege hat er nicht genannt."

Auch bei der Obduktion kann die US-Gerichtsmedizinerin Lakshmi Sammarco keinerlei Belege für Folter finden. "Wenn ich auch nur einen Beweis dafür hätte, dass hier ein kriminelles Delikt vorliegt, würde ich dies definitiv und sehr laut bestätigen. Aber was wir haben, liefert keine Hinweise darauf, was mit ihm geschah." Sie hält auch ein fehldosiertes Schlafmittel für möglich.

Es gab einen Entschädigungsprozess in Washington, der Nordkorea in Abwesenheit zu einer halben Milliarde Dollar Schadensersatz verurteilt hat. Unter anderem wegen Folter. Zeugen wie Mike Flueckiger und Lakshmi Sammarco wurden nicht angehört. Die Umstände Otto Warmbiers Todes liegen nach wie vor im Dunkeln.