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Die Wunden der Ermittler

Wie Verbrechen die Seele belasten

PlayEs gibt kaum Statistiken über psychische Belastungen, Alkoholismus und Depressionen bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Wie blind ist Justitia für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter?
Die Wunden der Ermittler | Video verfügbar bis 29.04.2020 | Bild: NDR

Schwere Unfälle, Kinderpornografie, Mord und Totschlag – für die meisten Menschen ist schon die Vorstellung unerträglich. Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sind diesen Verbrechen nahezu täglich ausgesetzt – am Tatort oder am Computer. Sie leisten wichtige Ermittlungsarbeit für uns als Gesellschaft und schauen dahin, wo andere schnell entsetzt wegschauen. Es ist Teil ihres Berufes, kühl und sachlich die Fakten eines Verbrechens zu analysieren. Doch wie gehen sie fernab ihrer beruflichen Rolle mit solchen Situationen um – als mitfühlende Menschen?

Psychische Probleme passen oft nicht ins Selbstbild

Der Film "Die Wunden der Ermittler – Wie Verbrechen die Seele belasten" beleuchtet ein Tabuthema. Psychische Erkrankungen haben in der gesamten Gesellschaft einen Makel – bei Ermittlern gilt dies besonders. Viele von ihnen haben noch immer die Vorstellung des "starken Helfers". Psychische Probleme passen da nicht ins Selbstbild. Groß ist auch die Angst vor beruflichen Konsequenzen. Oft herrscht die Einstellung: "Das muss man wegstecken können."

Polizeibeamte werden besonders oft beim Einsatz von Schusswaffen traumatisiert. Polizeipsychologen fordern, dass das psychologische Training genauso wichtig sein muss wie das Schusswaffentraining.
Polizeibeamte werden besonders oft beim Einsatz von Schusswaffen traumatisiert. Polizeipsychologen fordern, dass das psychologische Training genauso wichtig sein muss wie das Schusswaffentraining. | Bild: NDR

Die Folge: Viele Ermittelnde fressen ihre Gefühle und Ängste in sich hinein. Im schlimmsten Fall erkranken sie an Depressionen oder an einer Belastungsstörung. Darüber sprechen wollen nur wenige Betroffene. Die Autorin Maryam Bonakdar trifft Polizisten, die bei Einsätzen traumatisiert wurden und Staatsanwälte, die durch schwierige Verfahren an ihre psychischen Grenzen gelangen.

Erst in einer Selbsthilfegruppe fand Streifenpolizist Jürgen Röhr (Mitte) die Hilfe, die er sich gewünscht hat. In der Gruppe treffen sich Polizistinnen und Polizisten, die angeschossen wurden, die schießen mussten oder anderweitig traumatisiert wurden.
Erst in einer Selbsthilfegruppe fand Streifenpolizist Jürgen Röhr die Hilfe, die er sich gewünscht hat.  | Bild: NDR

In den vergangenen Jahren haben viele Dienststellen ihre Hilfsangebote ausgebaut. Der Film zeigt jedoch deutlich, dass sich viele Polizisten und Staatsanwälte von ihren Vorgesetzten und der Politik nach wie vor allein gelassen fühlen, sobald sie psychisch belastet oder sogar erkrankt sind. So werden dienstbedingte Belastungsstörungen von vielen Behörden oft nicht als Dienstunfall anerkannt. Was ist dem Staat die (psychische) Gesundheit seiner Mitarbeiter wert, die jeden Tag Verbrechen aufklären?

Ein Film von Maryam Bonakdar

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Mo, 29.04.19 | 23:40 Uhr
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Westdeutscher Rundfunk
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