SENDETERMIN Mi, 03.07.19 | 23:50 Uhr

Dokumentarfilm im Ersten: Elternschule

Alltag in der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik.
In der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik. | Bild: SWR / Jörg Adolph

In der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik sind Kinder, die schon vieles – auch Therapien – hinter sich haben und Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und lernen, wie es anders geht.

Laura schreit 14 Stunden am Tag. Lucy hat noch keine Nacht durchgeschlafen. Joshua wird schnell wütend und beruhigt sich nicht mehr. Mohammed Ali kratzt sich blutig und jammert den ganzen Tag. Felix trinkt nur Milch, die er gleich wieder erbricht. Zahra isst nichts außer Pommes und Chicken Nuggets. Kinder im chronischen Stress.

Mindestens drei Wochen bleiben Eltern und Kinder in der Klinik

Sie alle kommen mit ihren erschöpften Eltern in die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen, Abteilung "Pädiatrische Psychosomatik". Hier werden chronische Krankheiten behandelt: Neurodermitis, Asthma, Allergien, Schlaf- und Essstörungen, Verhaltensauffälligkeiten. Mindestens drei Wochen lang bleiben Eltern und Kinder in der Klinik und durchlaufen ein umfassendes Programm: Schlaftraining, Esstraining, Verhaltenstraining, Psychotherapie und Erziehungscoaching. Die Behandlung ist ganzheitlich, denn es geht hier nicht nur um die Symptome der Kinder, sondern um das gesamte Beziehungsgeflecht der Familie - und um das Verhalten der Eltern.

Therapeutischer Spaziergang: Es ist nicht leicht, wenn sich sowohl Eltern als auch Kinder von festgefahrenen Verhaltensmustern verabschieden müssen.
Therapeutischer Spaziergang: Es ist nicht leicht, wenn sich sowohl Eltern als auch Kinder von festgefahrenen Verhaltensmustern verabschieden müssen. | Bild: SWR / Jörg Adolph

Der Psychologe Dietmar Langer erforscht seit 30 Jahren die Zusammenhänge zwischen Stress, Erziehung und chronischer Krankheit. An einer alten Schultafel steht er vor staunenden Eltern und erzählt: Wie "ticken" Kinder? Welche Entwicklungsschritte durchlaufen sie? Und was können Eltern tun, damit aus ihnen starke und gesunde Menschen werden?

Der Dokumentarfilm von Jörg Adolph und Ralf Bücheler begleitet Kinder und Eltern vom Aufnahmegespräch bis zur Nachsorge, ein halbes Jahr nach der Entlassung. Die Zuschauer erleben das Auf und Ab einer radikalen, ganzheitlichen Behandlung, die nicht nur den Kindern einiges abverlangt – vor allem sind die Eltern gefordert. Sie nehmen Abschied von festgefahrenen Verhaltensmustern, lernen ihre Kinder neu kennen und finden oft erst hier heraus, dass es einen Ausweg geben kann. Die Zuschauer erleben Fortschritte, Rückschläge – und Heilung.

Extra: Psychologe und Abteilungsleiter Dietmar Langer im Gespräch

"Elternschule" für den Deutschen Filmpreis nominiert

Noch vor dem eigentlichen Kinostart im Herbst 2018 hat "Elternschule" heftige Kontroversen ausgelöst. Allein auf Grund des Trailers wurden die Filmemacher beschimpft, die Klinik und der Klinikleiter angegriffen. Es folgte viel negative Kritik, die erst die sozialen Medien überschwemmte und schließlich kontroverse Diskussionen in der Presse auslöste. "Elternschule" hat seit dem Kinostart rund 30.000 Zuschauer zu verzeichnen und wurde für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Dokumentarfilm" nominiert.

Ein Film von Jörg Adolph und Ralf Bücheler

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