SENDETERMIN Mo, 20.05.19 | 23:45 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Ethik oder Etikettenschwindel?

Biofleisch zwischen Tierwohl und Trittbrettfahrern

PlayFrei lebende Bio-Schweine
Ethik oder Etikettenschwindel? | Video verfügbar bis 20.05.2020 | Bild: Getty Images

Die Deutschen essen gerne Fleisch! Auch wenn es einen großen Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung gibt, mit der der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in den letzten Jahren um acht Kilogramm gesunken ist, isst statistisch gesehen jeder Deutsche 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Das sind alle zwölf Monate 750 Millionen Tiere!

Umfragen zeigen: Viele geben gerne mehr Geld für Fleisch aus - erhoffen sie sich doch, dass es den Tieren zu Lebzeiten besser geht als den konventionell gehaltenen. Ein frommer Wunsch, den die Bio-Branche zu erfüllen versucht: Entspannte Rinder auf grünen Wiesen, Schweine, die sich im Freien unter blauem Himmel im Gras wälzen dürfen und glückliche Hühner, die ihre Eier in riesige Strohnester legen – so werden die Tiere auf den Verpackungen inszeniert. Und die Verbraucher zahlen gerne mehr für diese Bio-Idylle.

Trittbrettfahrer wollen Rendite statt Tierwohl

Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Unzulängliche EU-Verordnungen lassen den Biofleischproduzenten so viele Spielräume, sodass die Haltungsbedingungen der angeblich glücklicheren Tiere sich nur wenig von der konventionellen Tierhaltung unterscheiden. Und bei der Schlachtung sieht es oft nicht besser aus: Am Ende ihres Lebens erleiden die meisten Biotiere – oft nach einem langen Transport – denselben Tod wie ihre Leidensgenossen aus konventioneller Haltung. Auf manchen Schlachthöfen wird der Tierschutz im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Aber weil man für das Label "Bio" höhere Preise verlangen kann, sind längst Trittbrettfahrer unterwegs, denen das Tierwohl viel weniger am Herzen liegt als eine hohe Rendite.

Auch Bio-Schweine müssen sterben.
Auch Bio-Schweine müssen sterben. | Bild: SR / Sigrid Born

Öko-Produkte erobern den Massenmarkt, und das schadet vor allem den "echten" Biobauern, die sich ernsthaft um das Wohl ihrer Tiere bemühen. Denn beim Preiskampf um das billigste Biofleisch können sie nicht mithalten. Dazu kommen noch gesetzliche Hürden. Bauern, die sich zum Beispiel für eine sanfte Schlachtung am Hof ohne Transportwege einsetzen, bekommen bürokratische Steine in den Weg gelegt.

SR-Autorin Sigrid Born hat mit ihrem Kamerateam Biobauern und Funktionäre, Verbraucher und Politiker aufgesucht und befragt. Und sie hat zusammen mit Tierschützern die zum Teil erschütternden Zustände in Betrieben und Schlachthöfen dokumentiert, die trotzdem das Label "Bio" tragen. Was kann man als Kunde und Konsument tun, um echte Bio-Landwirte zu fördern und nicht auf die falschen Versprechungen der Trittbrettfahrer hereinzufallen?

Ein Film von Sigrid Born

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