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Exclusiv im Ersten: Abgewrackt und exportiert

PlayMann schaut durch die Scheibe in ein Auto
Exclusiv im Ersten: abgewrackt und exportiert | Video verfügbar bis 03.08.2021 | Bild: WDR / Michael Höft

Die Corona-Pandemie hat die Autoindustrie in Deutschland schwer getroffen. Bei den Händlern stehen tausende Fahrzeuge herum, die niemand kaufen möchte. Der neu gepriesene Heilsbringer soll nun das Elektroauto sein. Mit massiven Fördergeldern sollen diese Wagen in den Markt gedrückt werden. Die günstigsten Vertreter ihrer Art sind im Kaufpreis von über 20.000 Euro auf fast 10.000 Euro gesunken. Es scheint, als sei dies ein Schnäppchen für den Bürger und eine Chance für die Umwelt.

Ist ein Neuwagenkauf ökologisch sinnvoll?

Doch stimmt das eigentlich? Was passiert denn dann mit unseren alten Autos? Und ist die Idee "Weg mit den alten und her mit den neuen Wagen" wirklich ökologisch? Ein ARD-Team ist dieser Frage nachgegangen und hat sich auf den Märkten umgeschaut, auf denen unsere gebrauchten Fahrzeuge in Afrika und Osteuropa verkauft werden.

Kran hievt ein Auto in die Schrottpresse
Gebrauchtfahrzeuge werden nicht nur verschrottet, sondern vielfach nach Afrika und Osteuropa verkauft. | Bild: WDR / Michael Höft

Schon nach den Dieselfahrverboten in Deutschland ist der Preis für ein paar Jahre alte Euro-4- und Euro-5-Diesel-Fahrzeuge in den Keller gerutscht. Diese eigentlich hochwertigen Pkw gehen meist in den Osten Europas, vor allem nach Bulgarien, Rumänien und Slowenien, wo sich ein Eldorado für Händler auftut.

In Bulgarien wird aus den Gebrauchtwagen meist der Katalysator ausgebaut und zu Geld gemacht. Das Ergebnis: 90 Prozent aller Fahrzeuge in Bulgarien haben keine Abgasfilter, schätzen Experten.

Das große Geschäft

Viele alte Benziner gehen nach Westafrika. Nigeria ist einer der größten Pkw-Abnehmer weltweit. Dabei ist der Straßenverkehr in Lagos, wie in fast allen afrikanischen Großstädten, nahezu zum Erliegen gekommen. Nicht nur Katalysatoren, auch die Batterien werden hier ausgebaut, weil die Rohstoffe etwas wert sind und deshalb separat verscherbelt werden. Die Batterieflüssigkeiten verseuchen mittlerweile ganze Landstriche in Nigeria.

Neuwagen im Autohaus
Die Corona-Pandemie hat die Autoindustrie in Deutschland schwer getroffen.  | Bild: WDR / Michael Höft

Das ARD-Team trifft Experten, die davon überzeugt sind, dass Kaufprämien nur der Wirtschaft und nicht der Umwelt helfen. Man könne so gut wie jedes alte Auto auf moderne Abgaswerte bringen, nur scheint dies weder von der Autoindustrie noch von der Politik gewünscht zu sein. Geht es in Deutschland beim Autokauf also wirklich um die Umwelt - oder doch nur ums große Geschäft?

Ein Film von Michael Höft

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Westdeutscher Rundfunk
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