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Geschichte im Ersten: Goodbye Großbritannien?

Der 29. März 2017 ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag hat Theresa May offiziell den Austritt Großbritanniens aus der EU eingereicht. (Archivfoto)
Der 29. März 2017 ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag hat Theresa May offiziell den Austritt Großbritanniens aus der EU eingereicht.  | Bild: WDR

Was ist los auf der Insel? Was wollen die Briten heute? Würde eine zweite Abstimmung ein anderes Ergebnis bringen und was würde das heißen? Täglich rätseln Experten, Politiker und Menschen in Europa, wohin die Reise der Briten geht, was wohl geschieht und welche Auswirkungen der Brexit haben wird.

Kompliziertes Brexit-Verfahren

Der 23. Juni 2016 ist ein historisches Datum – der Tag, an dem die Briten mit knapper Mehrheit den Austritt Großbritanniens aus der EU beschlossen haben. Ein einmaliger Vorgang, denn bisher hat noch kein Mitgliedsland die EU verlassen. Doch das Brexit-Verfahren gestaltet sich wesentlich komplizierter als erwartet. Der mühsam ausgehandelte Austrittsvertrag wurde im Januar 2019 vom britischen Parlament abgelehnt.

Das Thema hat Großbritannien in eine schwere politische Krise gestürzt, deren Verwerfungen tief in die britische Gesellschaft reichen. Befürworter und Gegner des Brexit stehen sich heute unversöhnlicher denn je gegenüber. Die Briten, bisher für ihren kühlen Pragmatismus bekannt, halten in einer hochemotionalen Debatte den gesamten europäischen Kontinent in Atem.

"Wir stehen zu Europa, gehören aber nicht dazu"

Die Briten und Europa – das war eine schwierige Beziehung von Anfang an. Seit jeher zeigen die Briten ein grundlegendes Misstrauen gegenüber allem, was vom Festland – "the Continent" – kommt. Für Großbritannien ist nämlich keinesfalls geklärt, ob ihr Land wirklich zu Europa gehört oder ob die Briten auf ihrer Insel nur Nachbarn Europas sind. "Wir stehen zu Europa, gehören aber nicht dazu, wir sind verbunden, aber nicht umfasst, wir sind interessiert und assoziiert, aber nicht absorbiert." Churchills Definition ist für viele Briten bis heute schlüssig.

Großbritannien spielt seit Jahrzehnten eine Sonderrolle in Europa.
Großbritannien spielt seit Jahrzehnten eine Sonderrolle in Europa. | Bild: WDR

Warum nur sind sie so anders? Wir Kontinentaleuropäer haben unsere vorgefertigten Meinungen über das Land jenseits des Kanals: mieses Wetter, schlechtes Essen, warmes Bier. Gleichzeitig kamen jedoch immer wieder bahnbrechende Impulse von den Briten zu uns auf den Kontinent: die industrielle Revolution, Popmusik, Mode. Wir hegen eine heimliche Bewunderung für dieses Land, das beides zugleich ist: rückständig und modern, altmodisch und avantgardistisch.

Splendid Isolation

Splendid Isolation – vom Meer umgeben und Europa vorgelagert war Großbritannien nie gezwungen, wie die Kontinentaleuropäer mit zahllosen angrenzenden Nachbarländern einen Interessenausgleich zu finden, sich anzupassen. Eine romantische Sehnsucht nach einem einigen, friedlichen Europa hat sich in Großbritannien deshalb auch nie entwickelt. Als einstige Kolonial- und Weltmacht ist Großbritannien gewohnt, den Ton anzugeben und nicht, sich ein- geschweige denn unterzuordnen: "Die Engländer sehen es als einen Affront gegen Gott und die Natur an, von Ausländern beherrscht zu werden", brachte es George Orwell auf den Punkt. Von einem europäischen Superstaat geschluckt zu werden - ein britischer Alptraum.

Doch als Großbritannien um Aufnahme in die EWG ersuchte, wurde es zunächst von Frankreich zurückgewiesen. Was für ein Affront! Und als sie dann schließlich 1973 beitraten, legten sie schon zwei Jahre später das erste Referendum über den Verbleib nach. Damals stimmten knapp 67 Prozent der Briten dafür.

Komplizierte europäisch-britische Beziehung

Dennoch blieb die europäisch-britische Beziehung auch weiterhin eine nicht enden wollende Kette von Rangeleien, Missverständnissen und enttäuschten Hoffnungen – von Beginn an. Immer wieder irritierten die Briten im Laufe dieser Beziehungsgeschichte mit Extrawürsten und Sonderwegen ihre europäischen Partner.

Experten wie der berühmte britische Historiker Timothy Garton Ash und der London-Korrespondent Thomas Kielinger erklären die historischen Hintergründe der britischen Europaskepsis. Britische und deutsche Journalisten und Comedians berichten von ihren Erfahrungen mit Klischees und Vorurteilen.

Eine augenzwinkernde Zeitreise in ein ebenso problematisches wie amüsantes Kapitel europäischer Geschichte – voller Sehnsucht und Stolz, voll unerwiderter Liebe und bitterer Zurückweisung.

Ein Film von Carsten Günther

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