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Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative?

Was Deutschland bewegt

PlayAn der Heilpraktiker-Schule üben Schülerinnen, wie man Infusionen setzt. Denn auch das dürfen Heilpraktiker.

Rund 47.000 Heilpraktiker gibt es in Deutschland. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, denn ihre Methoden gelten vielen als "sanft" und "natürlich". Doch: Für die Ausbildung zum Heilpraktiker gibt es keine verbindlichen Standards. Anders als Ärzte absolvieren Heilpraktiker eine Schmalspurausbildung, in der Regel sehen sie dabei keinen einzigen Patienten. Für die Zulassung reicht ein Hauptschulabschluss, die angehenden Heilpraktiker müssen lediglich eine Überprüfung beim Gesundheitsamt bestehen, die einen Multiple-Choice-Test und eine mündliche Prüfung umfasst. Zu den naturheilkundlichen und anderen alternativen Verfahren, die sie später in ihren Praxen anwenden, werden sie gar nicht geprüft.

Wie in dieser nachgestellten Szene behandelte der Heilpraktiker Klaus R. Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie.
Wie in dieser nachgestellten Szene behandelte der Heilpraktiker Klaus R. Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie.

Wer die Überprüfung besteht, hat enorme Befugnisse: Heilpraktiker dürfen Spritzen setzen und Infusionen anlegen. Es ist ihnen gesetzlich erlaubt, Diagnosen zu stellen und selbst schwere Krankheiten wie Krebs zu behandeln. Das kann zu tragischen Behandlungsfehlern führen: Im Juli 2016 starben die Niederländerin Joke K. und zwei weitere Patienten, nachdem ihnen ein deutscher Heilpraktiker während einer alternativen Krebstherapie eine gefährliche Chemikalie verabreicht hatte.

Der Heilpraktiker Klaus R. behandelte Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie.
Der Heilpraktiker Klaus R. behandelte Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie.

Vor dem Landgericht Krefeld wird er wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen verurteilt. Das Aufsehen erregende Verfahren wirft ein Schlaglicht auf eine Berufsgruppe, über deren mangelhafte Ausbildung kaum jemand etwas weiß – und die zudem von den Behörden kaum kontrolliert werden kann. Ein gefährlicher Sonderfall im deutschen Gesundheitswesen.

Filmautorin Claudia Ruby ist es gelungen, einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen einer Branche zu werfen, die es so in keinem anderen westlichen Industrieland gibt: Warum dürfen Heilpraktiker in Deutschland Kranke behandeln, obwohl sie keine adäquate medizinische Ausbildung haben? Warum lassen sich jedes Jahr Millionen von Patienten mit Verfahren behandeln, von denen viele erwiesenermaßen nicht helfen oder sogar schaden? Wieso haben Heilpraktiker enorme Freiheiten, während alle anderen Bereiche des Gesundheitswesens streng reguliert sind? Und: Was muss die Politik tun, damit Heilpraktiker nicht zur Gefahr für ihre Patienten werden?

Ein Film von Claudia Ruby

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