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Dokumentarfilm im Ersten: Mekka 1979 – Urknall des Terrors?

Abdulaziz Al Dhahri beim Interview im Auto
Abdulaziz Al Dhahri beim Interview im Auto | Bild: NDR

Ein nahezu vergessenes Ereignis: Im November 1979 besetzen mehrere hundert schwer bewaffnete Männer die Große Moschee von Mekka. Knapp 100.000 Pilger befinden sich zum Morgengebet in der Moschee, als die Aufständischen die schweren Tore schließen und die Minarette mit Scharfschützen besetzen und in wenigen Minuten den heiligsten Ort des Islam in eine Festung verwandeln. Sie fordern die Abdankung der saudischen Königsfamilie, die sie als korrupt und gottlos verdammen, den Abbruch aller Beziehungen zum Westen und die Rückkehr des "von Petrodollars verrotteten" Königreichs zu einem ursprünglichen und reinen Islam.

Zwei Wochen der Gewalt

In den folgenden 15 Tagen entbrennt ein bitterer Kampf zwischen den Aufständischen und der königlichen Familie der Al Saud – für die alles auf dem Spiel steht. Denn sie legitimiert ihre Herrschaft mit der Verantwortung für die beiden heiligsten Orte des Islam, Mekka und Medina. Immer mehr Soldaten und schweres Geschütz werden in Mekka zusammengezogen. Die mehr als zwei Wochen lang anhaltenden und zunehmend kopfloseren Angriffswellen der saudischen Streitkräfte kosten Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschenleben auf beiden Seiten, bevor es einer französischen Spezialeinheit gelingt, die Moscheebesetzung zu beenden.

Die dramatischen Ereignisse von 1979 in Mekka erschütterten Saudi-Arabien in seinen Grundfesten, riefen Feuerstürme der Zerstörung quer durch den Nahen Osten hervor, brachten das globale Machtgleichgewicht an den Rand des Zusammenbruchs, ihre Schockwellen reichen bis in die Gegenwart.

Auswirkungen bis in die Gegenwart

Mehr als fünf Jahre lang arbeitete Regisseur Dirk van den Berg mit einem internationalen Team an den zum Teil verdeckten Recherchen und Dreharbeiten für diesen Film. Behutsam aufgebautes Vertrauen zu Augenzeugen, Diplomaten, Militärs und Geheimdienstlern in Saudi-Arabien, Frankreich, den USA und anderen Ländern verschaffte den Filmemachern einzigartigen Zugang zu nie zuvor gesehenen Filmaufnahmen, Dokumenten und Hintergrundinformationen. Aus diesem Material entstand ein politischer Thriller über eines der Schlüsselereignisse der jüngeren Geschichte. Der Film rekonstruiert das Drama von Mekka und erforscht Motive, Hintergründe und weitreichende Konsequenzen mit Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Die Belagerung der Großen Moschee von Mekka war ausschlaggebend für die Entstehung des religiös motivierten, weltweiten islamistischen Terrorismus, der seit 1979 seine blutige Spur aus Saudi-Arabien und dem Nahen Osten bis nach Europa und Amerika zieht. Neben der islamischen Revolution im Iran und der sowjetischen Besetzung Afghanistans war "Mekka 1979" der Urknall dieses Terrors. 

Ein Film von Dirk van den Berg

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