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Geschichte im Ersten: Mythos oder Masterplan?

Verhandlungen über den Marshall-Plan 1949
US-Senatoren verhandeln über den Marshall-Plan, 1949. | Bild: picture alliance / Everett Collection

Der Marshall-Plan ist die Initialzündung des westdeutschen Wirtschaftswunders – so hat man es in der Schule gelernt. Ob Griechenlandkrise, Nahostkonflikt oder Hunger in Afrika – immer ist schnell die Rede von der Notwendigkeit eines "Marshall-Plans". 70 Jahre nach seiner Erfindung scheint das legendäre Konjunkturprogramm das Musterbeispiel für effiziente Wirtschaftshilfe. Doch stimmt das wirklich?

Wie kam es zum Marshall-Plan?

Am 5. Juni 1947 schreibt eine Rede Geschichte: US-Außenminister George C. Marshall präsentiert an der Universität Harvard Pläne zur Sanierung der europäischen Wirtschaft. Angesichts der katastrophalen Umstände, so führt er aus, sei es den europäischen Staaten nicht möglich, selbstständig wieder auf die Beine zu kommen. Er sei davon überzeugt, dass der Aufbau eines demokratischen und friedlichen Europas nicht ohne Wirtschaftshilfe gelingen könne. Die USA haben ein großes Interesse an einer stabilen politischen Lage in Europa. Außerdem zielen sie auf den Aufbau zuverlässiger Handelspartnerschaften – Exporte sollen die US-Wirtschaft stützen. Zehn Monate nach der historischen Rede beschließt der US-Kongress das "European Recovery Program (ERP)", bekannt als "Marshall-Plan". Die Summe von 13,3 Milliarden US-Dollar fließt bis 1953 an insgesamt 17 Länder, etwa ein Zehntel davon an Westdeutschland.

Welche Auswirkungen hatte der Marshall-Plan wirklich?

Die rasante wirtschaftliche Genesung der jungen Bundesrepublik scheint zu belegen, dass der Marshall-Plan wahre Wunder wirkte. Dabei sind es ganz andere Faktoren, die damals greifen. Der Bielefelder Historiker Werner Abelshauser hat in US-Archiven die wirkliche Geschichte des Hilfsprogramms enthüllt. Tatsächlich fließt nicht ein Dollar nach Deutschland. Der Marshall-Plan ist in erster Linie ein Konjunkturprogramm für die lahmende US-Landwirtschaft, flankiert von einer der größten PR-Kampagnen der Geschichte. Die deutsche Wirtschaft wiederum ist viel weniger zerstört, als wir heute glauben – im Grunde bezahlen die Deutschen ihren Wiederaufbau selbst.

70 Jahre später – eine kritische Bilanz

Zeitzeugen wie der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel oder die frühere Hamburger Justizsenatorin Lore Peschel-Gutzeit schildern ihre persönlichen Erinnerungen an die Stunde Null und die Marshall-Plan-Jahre. Schriftstellerin Judith Kerr erzählt, wie anders die Entwicklung in Großbritannien war, das viel mehr Hilfen bekam und dennoch kein Wirtschaftswunder erlebte.

70 Jahre später ist es Zeit für eine kritische Bilanz. Dieser Film blickt hinter die Fassade des "European Recovery Program" und erzählt die wahre Geschichte des Projekts: Warum der Marshall-Plan wirtschaftlich gar nicht so wertvoll war und dennoch ein Meilenstein, dessen Wirkung unser Land bis heute prägt.

Ein Film von Katarina Schickling

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