SENDETERMIN Sa, 16.01.16 | 18:10 Uhr | Das Erste

Nachspielzeit

Sie waren Europapokalsieger, Deutsche Meister, verehrt und gefeiert von Millionen Fußball-Fans. Doch was folgt nach einer erfolgreichen Karriere als Bundesliga-Star? Denn nur die wenigsten Spieler der 70er, 80er und 90er Jahre haben ausgesorgt, und nicht alle stehen weiterhin als Trainer, Manager oder TV-Experte im Rampenlicht. Für seine Reportage „Nachspielzeit. Leben nach der Bundesliga" trifft „Sportschau"-Moderator Reinhold Beckmann vier Profis, die ihren Platz abseits des Rasens gefunden haben. Die früheren Nationalspieler Jupp Kapellmann, Knut Reinhardt, Rudi Kargus sind heute Mediziner, Lehrer und Maler. Außergewöhnlich ist auch der neue Beruf von Nico Patschinski - der einstige St. Pauli-Torjäger arbeitet als Bestatter in Hamburg.

„Nachspielzeit. Leben nach der Bundesliga" bietet ein überraschendes Wiedersehen mit ehemaligen Fußballstars. Der Film erinnert an Triumphe, Niederlagen und unvergessene Momente. Zugleich zeigt er uns die Karriere nach der Karriere unserer Helden - teilweise melancholisch, teilweise komisch, aber immer spannend.

In den 70er Jahren zählt Jupp Kapellmann (65) zur legendären Bayern-Meistermannschaft, holt an der Seite von Beckenbauer, Müller und Maier dreimal den Europapokal der Landesmeister und wird Weltpokalsieger. Schon damals gilt der Nationalspieler als Ausnahmepersönlichkeit in der Bundesliga: Während die meisten seiner Mitspieler im Trainingslager und auf Reisen Karten spielen, absolviert der fünffache Nationalspieler nebenher sein Medizinstudium. Heute arbeitet er als angesehener Orthopäde in Saudi-Arabien. In Unaizah, rund 300 Kilometer nordwestlich von Riad, wird Jupp Kapellmann nicht nur mit medizinischen Problemen konfrontiert, sondern auch mit den Herausforderungen einer strengreligiösen Gesellschaft zwischen Mittelalter und Moderne.

Auch der ehemalige Borussia-Dortmund-Profi Knut Reinhardt (47) muss im Berufsalltag den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen bewältigen. Der Champions-League-Sieger von 1997 ist seit sechs Jahren Lehrer für Sport, Mathe, Sachunterricht, Deutsch und Musik an einer Dortmunder Schule, die Kinder aus 34 verschiedenen Nationalitäten besuchen.

Europapokalsieger, DFB-Pokalsieger, Deutscher Meister und mit 24 abgewehrten Elfmetern bis heute Bundesliga-Rekordhalter: In den 70er und 80er Jahren zählt der frühere HSV-Keeper Rudi Kargus zu Deutschlands besten Torhütern. Seine Hände sind immer noch sein wichtigstes Werkzeug. In seinem Atelier nördlich von Hamburg malt der 63-Jährige faszinierende Gemälde, die in der Kunstszene für Aufsehen sorgen. Und auch wenn im neuen Deutschen Fußballmuseum ein echter Kargus hängen wird, hat er sich immer weiter von der Bundesliga-Szene entfernt.

Für seine lockeren Sprüche ist er ebenso bekannt wie für seine Tore, vor allem bei St. Pauli. Dort schreibt Nico Patschinski am 6. Februar 2002 Bundesliga-Geschichte: Sein vorentscheidender Treffer zum 2:0 gegen Bayern München, den damals weltbesten Club, macht den Kiez-Club zum legendären „Weltpokalsiegerbesieger". Nach seiner aktiven Karriere arbeitet der Torjäger zunächst als Paketbote, seit wenigen Monaten ist der Enddreißiger als Bestatter tätig.

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