SENDETERMIN Mo, 18.11.19 | 20:15 Uhr | Das Erste

Was Deutschland bewegt: Operation Bahn

PlayPendler beim Einstieg in einen Zug.
Was Deutschland bewegt: Operation Bahn | Video verfügbar bis 18.11.2020 | Bild: HR

Statistisch fährt jeder Bewohner des Landes 25 Mal im Jahr mit der Bahn. Sie gilt als umweltfreundlich und ist Hoffnungsträger der Klima- und Verkehrspolitik. Zugleich hat die Bahn das Image eines Sanierungsfalls: teuer, unzuverlässig, marode. Das Erste untersucht in "Operation Bahn": Wie steht es wirklich um die Bahn? Was läuft falsch beim größten deutschen Staatsunternehmen?

Die Autoren Adrian Oeser, Jessica Sander und Katja Sodomann zeigen in ihrem Film die Komplexität des Systems "Bahn" und diskutieren Probleme und Lösungsideen. Sie sind mit der Bahn kreuz und quer durchs Land gefahren, haben dabei unterhaltsame Erfahrungen gemacht, sind mit Kunden ins Gespräch gekommen und haben Fachleute und Problemstellen besucht.

Die Bahn hat die günstigste CO2-Bilanz der großen Verkehrsträger – nur Fernbus fahren ist noch klimaschonender.
Die Bahn hat die günstigste CO2-Bilanz der großen Verkehrsträger – nur Fernbus fahren ist noch klimaschonender. | Bild: getty images/satiit_srihin/shoo_arts/ARD

Videotagebuch eines Berufspendlers

Ein Berufspendler hat für "Operation Bahn" vier Wochen lang Videotagebuch geführt: Ist die Bahn wirklich so unpünktlich? Verkehrswissenschaftler berechnen die Folgen von möglichen Änderungen im System. Ein Software-Unternehmen beobachtet vier Wochen lang die Entwicklung von Ticketpreisen: Wie werden Preise gemacht, und wann wird es billig?

Eine Reportage zeigt, wie schwer es Großkunden haben, wenn sie mehr Fracht auf die Schiene bringen wollen. Wenn die Bahn ihre Strecken ausbauen und modernisieren will, stößt sie nicht selten auf Widerstand von Anwohnern. Die wollen weniger Lärm und Hektik vor der Haustür und begründen ihre Ablehnung gern mit Schutz von Fauna und Flora.

Kunden, Mitarbeiter und Manager kommen zu Wort

Der Film "Operation Bahn" gewährt außergewöhnliche Einblicke ins System Bahn: Gedreht wurde bei Disponenten der zentralen Verkehrsleitung, die entscheiden, wann Tickets teuer und wann billig sind, aber auch, welcher Zug warten muss und welcher weiterfährt. In der Planung des Frachtgeschäfts, auf einer Baustelle, im Rangierbahnhof und in einer ICE-Werkstatt wird deutlich, wie kompliziert das verzahnte System Bahn ist.

Kunden und Mitarbeiter kommen zu Wort. Manager, Aufseher und unabhängige Fachleute erklären, wo sie die Zukunft der Deutschen Bahn sehen und wie sie gewonnen werden kann.

Die Bahn: billige Tickets, schwierige Geschäfte

Wann gibt es die billigsten Bahntickets? Die Mathematiker hinter der Webseite "Bahn-Preisalarm.de" haben für "Operation Bahn" vier Wochen lang die Preisentwicklung auf fünf wesentliche Fernstrecken der Bahn dokumentiert und analysiert. Für ein und denselben Zug kann man knapp 20 und mehr als 100 Euro bezahlen. Die größte Chance, billig davon zu kommen, ist etwa zwei Wochen vor der Fahrt. Dann gilt es, möglichst Dienstagmorgens zu buchen. Sonn- und Montags sind teure Tage und Dienstagabends ist es auch schon wieder teurer.

Die Mehrwertsteuer auf Bahntickets zu senken, wie es die Bundesregierung plant, bringt hingegen für Kunden wenig. Geschäftsreisende profitieren nicht, weil ihr Unternehmen die Mehrwertsteuer ohnehin erstattet bekommt. Privatreisende sind regelmäßig mit Sparpreisen unterwegs, bei denen ein paar Euro kaum etwas ausmachen. Konkret führt weniger Mehrwertsteuer zu zehn Prozent billigeren Tickets. Verkehrswissenschaftler der Technischen Hochschule Aachen haben für "Operation Bahn" in einer aufwändigen Simulation errechnet, dass das nur zu einem knappen Prozent mehr Fahrgäste führen dürfte. Der Mehrwertsteuer- Coup wird verpuffen.

Ein Film von Adrian Oeser, Jessica Sander und Katja Sodomann

Eine Produktion des Hessischen Rundfunks (hr) und Radio Berlin Brandenburg (rbb)

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