SENDETERMIN Mo., 28.06.21 | 22:50 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Sandstrand um jeden Preis?

Ein Rohstoff wird knapp

PlaySchon seit Jahrhunderten versuchen die Menschen, die Sanderosionen an den Küsten zu verlangsamen.
Sandstrand um jeden Preis? – Ein Rohstoff wird knapp | Video verfügbar bis 28.06.2022 | Bild: NDR / Melvin Buske

Sandstrand, Meer und Wellen – vor allem in diesem Jahr ist die Sehnsucht nach Urlaub groß. Viele werden ihre Ferien auf Sylt verbringen – die Insel ist vor allem berühmt für ihre kilometerlangen Strände. Doch die sind hochgefährdet. Jahr für Jahr müssen die Sylter dort neuen Sand aufschütten. Eine Sisyphusarbeit, denn Wind und Wellen tragen den Sand anschließend Meter für Meter wieder ab.

ARD-Reporter Tobias Lickes begibt sich auf die Spuren des Sandes. Der Sand für die Strände Sylts kommt vom Meeresboden weit draußen in der Nordsee und verschlingt Jahr für Jahr Millionen von Euro. Es sei eine wichtige Küstenschutzmaßnahme – auch für das Festland dahinter – rechtfertigt das zuständige Ministerium in Schleswig-Holstein die hohen Kosten.

Der Sandstrand ist auch von nah ein Hingucker. Doch diese Schönheit hat ihren Preis.
Der Sandstrand ist auch von nah ein Hingucker. Doch diese Schönheit hat ihren Preis. | Bild: NDR / Tobias Lickes

Aber wie nachhaltig sind diese Maßnahmen wirklich? Reporter Tobias Lickes begleitet Forscher des Alfred-Wegener-Instituts auf ihrem Schiff. An Bord der Mya II betreiben die Wissenschaftler Grundlagenforschung: Sie vermessen erstmals die Abbaugebiete des Sandes unter Wasser. Die Aufnahmen der Wissenschaftler zeigen: Auch Jahrzehnte nach der ersten Sandentnahme vor Sylt sind die Krater im Meeresboden noch immer deutlich zu erkennen. Wo früher hochwertiger Sand lag, sind nun Gruben mit Schlick entstanden, die nicht erneut abgebaut werden können.

Überall an den deutschen Küsten verschwinden Sandstrände. Mit Pfählen aus Holz oder Beton – den sogenannten Buhnen – versuchen Gemeinden den Sand zu erhalten. Ihr Einsatz gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Der Sand bleibt einfach nicht dort, wo er soll. Sandaufspülungen gelten als "weiche Küstenschutzmaßnahme", doch sie sind nicht nur bei Umweltschützern umstritten. Tobias Lickes trifft die Bürgermeister aus Börgerende-Rethwisch und Nienhagen. Uwe Karl (CDU) und Horst Hagemeister (parteilos) sind wütend – in ihren Augen wird Sylt im Küstenschutz bevorzugt behandelt – und die Strände vor ihrer Haustür nicht ausreichend vor dem Abbruch geschützt.

Zu dem Rohstoff Sand gibt es wenig Alternativen: Denn nicht nur der Küstenschutz ist bislang auf Sand angewiesen. Egal ob Beton, Autos, Computerchips, Reinigungsmittel oder Handys: Sand ist überall drin. Berechnungen zeigen: Wenn wir weiter so viel Sand verbrauchen wie bisher, wird der begehrte Rohstoff knapp. Schon jetzt floriert der illegale Sandhandel. Unter unmenschlichen Bedingungen versuchen Menschen, Sand von Stränden abzutragen oder vom Meeresgrund zu holen.

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