SENDETERMIN Mo, 18.02.19 | 23:10 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Schuld ohne Sühne?

Die Kirche und der sexuelle Missbrauch

PlayBischöfe beim Eröffnungsgottesdienst der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2018 in Fulda
Schuld ohne Sühne? | Video verfügbar bis 18.02.2020 | Bild: picture alliance/Arne Dedert/dpa / Arne Dedert

Als "Quelle des Schmerzes und der Scham" hat Papst Franziskus die tausendfachen Fälle sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester und Ordensleute bezeichnet und alle Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen weltweit für den 21. bis 24. Februar 2019 nach Rom zu einem Spitzentreffen einbestellt. Drängende Fragen sind zu klären: Wo liegen Versäumnisse – über viele Jahrzehnte hinweg? Und welche Lehren sind daraus zu ziehen? Fragen, die entscheidend sind für die Zukunft der katholischen Kirche.

Bedrückende Vorwürfe an die Institution Kirche

Der Film von Mona Botros und Thomas Schneider macht deutlich, welche Schicksale und welche Geschichten mutmaßlichen Missbrauchs sich hinter den bloßen Zahlen der Studie verbergen. Daneben zeigt der Film aber auch, dass es in der Institution Kirche gärt und dass im Zuge der gesellschaftlichen Diskussion inzwischen jahrhundertealte Traditionen der Kirche nicht mehr als unantastbar gelten.

Zölibat in der Kritik

Das betrifft auch den Zölibat. Dazu der Jesuit Prof. Hans Zollner, Vizerektor der päpstlichen Universität Gregoriana im Vatikan und Mitglied der päpstlichen Kommission zum Schutz Minderjähriger im ARD Film: "Frühere protestantische, lutherische Pfarrer, die katholisch geworden sind und vorher verheiratet waren, leben auch natürlich in ihrer Ehe weiter. Also das gibt es ja auch in der katholischen Kirche. Insofern sieht man, dass das nicht ein wasserdichtes Gesetz ist, dass 100-prozentig für alle gilt bzw. auch für alle Zeit gelten muss. (…) Und der Papst selbst hat die Möglichkeit eröffnet, darüber zu reden, ob das für alle, in allen Weltgegenden auf Zukunft hin vorgeschrieben werden muss. (…) Wahrscheinlich gibt es eine größere Bandbreite, in ein paar Jahren oder ein paar Jahrzehnten, von priesterlichen Lebensformen."

Dass der Zölibat, das priesterliche Versprechen zu Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit, Kleriker in prekäre Situationen treiben kann, darauf weist der Theologe und Psychotherapeut und Theologe Dr. Wunibald Müller in der Dokumentation hin. Denn unter Umständen sei "das Zölibat und damit auch das Priestertum in besonderer Weise natürlich auch anziehend (…) für solche, die Angst hatten, sich mit dem Thema Intimität und Sexualität auseinanderzusetzen und die dann gesagt haben, na wenn ich zölibatär lebe, dann muss ich mich eben nicht mit meiner Sexualität auseinandersetzen."

Junge Priesteramtskandidaten stellen kritische Fragen

Rund 3700 Opfer und 1670 Beschuldigte seit 1946: Diese erschreckende Zahl nennt die Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von 2018 (sog. MHG-Studie), die sich mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute befasst. Die Zahlen erschrecken auch junge Männer, die sich auf den Dienst als Priester vorbereiten. Im ARD-Film äußern sie sich durchaus kritisch zu der schleppenden strafrechtlichen und innerkirchlichen Aufarbeitung einzelner Missbrauchsfälle.

Seminaristen der Diözese Rottenburg-Stuttgart stellen im Film von Mona Botros und Thomas Schneider kritische Fragen: "Wieso (…) beauftragt man nicht zur Aufarbeitung dieser Fälle entsprechend externe Leute, die keine Priester sind, die nicht für die Kirche arbeiten und so eine gewisse Unabhängigkeit haben?"
"Ich finde im Hinblick auf Prävention, dass man ein Klima schaffen muss, wo sich ein Täter nicht verstecken kann und immer wieder neue Taten begeht. Ein Klima, wo nichts vertuscht wird. Wo ein Opfer, dass sich an die Kirche wendet, sofort Gehör bekommt."

Wie geht die Kirche mit Fällen von systematischem Missbrauch um?

Unmittelbar vor Beginn der Konferenz widmet sich der Film den wichtigsten Fragen zum Thema: Was sind die Ursachen für den systematischen Missbrauch und was tut die Kirche, um diese Ursachen abzustellen? Nimmt die Kirche ihre Verantwortung gegenüber den Opfern ernst? Anhand neuer, bislang unbekannter Fälle geht der Film diesen Fragen nach und dokumentiert die Arbeit der kirchlichen und weltlichen Justiz bei der Aufarbeitung. Schaffen es diese Instanzen, wirklich aufzuklären? Der Film begleitet mehrere Betroffene bei ihrer persönlichen Aufklärung und ihrem Kampf um Gerechtigkeit.

Ein Film von Mona Botros und Thomas Schneider

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