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Die Story im Ersten: Schweig. Oder Stirb.

PlayGedenken an das im Februar 2018 durch Schüsse getötete junge Paar. Jan Kuciak war ein slowakischer Investigativ-Reporter.
Schweig. Oder Stirb. | Bild: WDR

Am 16. Oktober 2017 explodiert auf Malta das Auto einer Journalistin. Die Bombe tötet Daphne Caruana Galizia am helllichten Tag. Im Februar 2018 werden die Leichen eines jungen Paares gefunden. Der slowakische Reporter Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in ihrem Haus brutal hingerichtet.

Die ARD-Dokumentation ist ein "Krimi", der die Morde bis ins Detail rekonstruiert, ein Schlaglicht auf mögliche Motive wirft und die Recherchen der Journalisten weiterverfolgt. Recherchen, die sie nicht mehr vollenden konnten. 

Furchtlose Wahrheitsfinder

Caruana Galizia war die bekannteste Journalistin Maltas. Ihr Stil: Mutig, aber auch unerbittlich. Über Jahrzehnte prangerte sie öffentlich Verfehlungen von Politikern und Wirtschaftslenkern an, recherchierte jeder kleinsten Spur nach, pflegte ein Netz von Informanten. Ihr Blog lehrte viele auf der Insel das Fürchten. Jan Kuciak stand am Anfang seiner Karriere als Investigativ-Reporter. Auch er recherchierte dort, wo Geschichten wehtun, bis in die höchsten Kreise der Macht in der Slowakei. Geschichten, die viele wohl lieber verhindert hätten.

Beide Morde haben zu Protesten geführt. Die europäische Öffentlichkeit interessierte sich plötzlich für diese kleinen EU-Mitgliedsländer. Und die Menschen stellten immer wieder dieselben Fragen: Warum mussten die Journalisten sterben? Wer gab die Morde in Auftrag? Welche Gefahr geht von den Morden für Europa aus?

Morde noch nicht aufgeklärt

Kerzen erinnern an das Attentat auf die Investigativ Journalistin Daphne Caruana Galizia.
Kerzen erinnern an das Attentat auf die Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia.

Reporter von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung sind diesen Fragen nachgegangen. Sie haben monatelang auf Malta, in der Slowakei und in anderen europäischen Ländern recherchiert, mit Informanten gesprochen und vertrauliche Dokumente gelesen. In langen, teils exklusiven Gesprächen mit den Angehörigen rekonstruieren die Reporter das Leben der getöteten Journalisten und die Umstände der Morde. Kollegen von Daphne Caruana Galizia und Jan Kuciak berichten über deren Arbeit und Motivation. 

Die Recherche zeigt, wie tief sich Korruption und Geldwäsche in Staaten mitten in Europa gefressen haben. Am Ende entsteht ein Bild, das genauer als jemals zuvor die Hintergründe der Taten beleuchtet. Taten, die Europa erschüttert haben.

Sowohl der Mord an Caruana Galizia als auch die regelrechte "Hinrichtung" von Jan Kuciak und seiner Verlobten sind bis heute nicht aufgeklärt. Auf Malta hat man Tatverdächtige verhaftet, doch von den Hintermännern fehlt jede Spur. Und in der Slowakei nahmen die Behörden Ende September zwar ebenfalls Tatverdächtige fest - aber auch hier wurden noch keine Auftraggeber überführt.

#DaphneProject

Unterstützt wurde das Team von Journalisten der Organisation "Forbidden Stories". 45 Reporter von 18 Medien – darunter "The New York Times", "The Guardian", "Reuters" und "France 2", – haben sich zum #DaphneProject zusammengeschlossen, um die Recherchen der getöteten Caruana Galizia fortzuführen. Neben WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung war in Deutschland auch DIE ZEIT beteiligt.

Peter Caruana Galizia, der Ehemann der ermordeten Journalistin, ist immer noch fassungslos über den Anschlag auf seine Frau.
Peter Caruana Galizia, der Ehemann der ermordeten Journalistin, ist immer noch fassungslos über den Anschlag auf seine Frau.

Der aus den umfangreichen Recherchen entstandene Film macht deutlich, welche Bedeutung die Vorkommnisse auf Malta und in der Slowakei für Europa haben. Und er zeigt: Wenn Europa nicht dafür einsteht, diese Morde lückenlos aufzuklären, werden am Ende auch die freie Presse und die politische Kultur zu den Opfern dieser Taten zählen.

Ein Film von Jan Schmitt, Andreas Spinrath und Lena Kampf.

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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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