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Dokumentarfilm im Ersten: Shooting the Mafia

Letizia Battaglia, Fotografin und Fotojournalistin.
Letizia Battaglia, italienische Fotografin und Fotojournalistin. | Bild: SWR

Lange regierte die Mafia auf Sizilien ungehindert, ihre Verbrechen waren für die Welt unsichtbar. Das änderte sich erst in den 1970er Jahren, als Letizia Battaglia als erste Fotojournalistin Italiens die brutalen Morde und den tiefgreifenden Einfluss der Mafia zu dokumentieren begann. Es ist von Anfang an eine gefährliche Mission. Die Schwarz-Weiß-Bilder zeigen von Kugeln durchbohrte Körper, schreiende Witwen, Krieg spielende Kinder. Ihre Aufnahmen, die sie für die kommunistische Tageszeitung L'Ora in Palermo machte, wirken zeitlos und haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

Als "fotografa militante" wird sie aktiv gegen die Cosa Nostra kämpfen; von 1985 bis 1996, zur Zeit der spektakulären Anti-Mafia-Prozesse der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, geht Battaglia als Grüne in die Politik. In ihrem Privatleben brach die heute 84-Jährige mit gesellschaftlichen Konventionen, lebte nach einer früh geschiedenen Ehe selbstbestimmt mit zahlreichen, jeweils jüngeren Liebhabern. "Bis dahin war ich eigentlich gar keine Person", sagt Letizia über ihre frühen Jahre.

"Wenn ich auf meine Fotos schaue, sehe ich Blut, Blut, Blut"

Mit "Shooting the Mafia" erzählt die preisgekrönte Filmemacherin Kim Longinotto, eine der namhaftesten britischen Dokumentarfilmerinnen, die Emanzipationsgeschichte einer politisch denkenden und handelnden Frau aus dem Süden Italiens, einer Gegend, die für viele Deutsche ein verklärtes Sehnsuchtsland ist. "Wenn ich auf meine Fotos schaue, sehe ich Blut, Blut, Blut", sagt sie im Film und meint etwa die Aufnahme des Toten, den sie an einem sonnigen Morgen im Jahr 1980 neben einem Stapel Orangensteigen entdeckte. Es ist eines ihrer berühmtesten Bilder. Oft war sie die Erste am Tatort, hörte heimlich den Polizeifunk ab, um herauszubekommen, wo die Cosa Nostra zugeschlagen hatte.

Die Erinnerungen lassen Battaglia bis heute keine Ruhe

Mit ihren Aufnahmen führte die Autodidaktin, die erst mit 40 zu fotografieren begann, ihren ganz eigenen Kampf gegen das organisierte Verbrechen, das ihre Heimatstadt Palermo fest im Griff hat. Battaglia spricht im Film über die Last der bedrückenden Bilder und ihre Erinnerungen an Tod, Trauer und Wut, die ihr bis heute keine Ruhe lassen. "Die Kamera hat mein Leben verändert. Indem ich sie einsetzte, wurde ich erst eigentlich zu einer Person".

Im Zentrum des Films, für den Longinotto eine außergewöhnliche, filmische Form gefunden hat, stehen Battaglias Biografie und ihre fotografische Arbeit. Mit sorgfältig ausgewählten und komponierten Ausschnitten aus italienischen Kultfilmen des Neorealismus illustriert sie die Jugend und die Erinnerungen der lebenslustigen und unerschrockenen Letizia Battaglia. Dies schafft einen reizvollen Kontrapunkt zu den beklemmenden Fotografien von Mafiamorden.

Ein Film von Kim Longinotto

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