SENDETERMIN Mo., 21.11.22 | 22:20 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Sterbehilfe

PlayHarald Mayer (51) kämpft um seinen Tod: der ehemalige Feuerwehrmann ist seit Jahren halsabwärts gelähmt.
Sterbehilfe: Harald Mayer kämpft um seinen Tod | Video verfügbar bis 21.11.2023 | Bild: NDR / Torsten Lapp

Für jeden Handgriff braucht er einen Pfleger: nachts, wenn er sich umdrehen will, zum Naseputzen, Zudecken, Tränentrocknen. Harald Mayer lebt in totaler Abhängigkeit. Multiple Sklerose hat ihn bewegungsunfähig gemacht. Der ehemalige Feuerwehrmann hat Angst, dass er bald weder schlucken noch atmen kann. Und trotzdem weiterleben muss. Bei vollem Bewusstsein."Das Leben, das ich habe, das ist kein Leben mehr!" Harald Mayer will Sterbehilfe. 

Die hat er nie bekommen. Denn 2015 hatte der Bundestag die sogenannte geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten. Doch das Bundesverfassungsgericht erklärte dieses Gesetz später für grundrechtswidrig, der assistierte Suizid ist seit dem Urteil ohne jede Einschränkung erlaubt. Der Bundestag muss die Sterbehilfe nun neu regeln, wenn er sie einschränken will. Darauf hofft Harald Mayer. Der Schwerstkranke kämpft seit Jahren vor Gericht um die Herausgabe eines Medikaments, dass ihn sanft im Kreis seiner Familie entschlafen ließe. Einer Sterbehilfe-Organisation möchte er sich nicht anvertrauen. 

Karl-Heinz Pantke wollte nie sterben. Obwohl auch er nicht mal mehr den kleinen Finger bewegen konnte: Locked in Syndrom lautete die Diagnose vor fast 30 Jahren. Doch der Physiker kämpfte sich zurück ins Leben und gründete den Verein Locked-in-Syndrom (LiS) für Betroffene und deren Angehörige. "Ich hatte heftige Suizidgedanken. Und bin froh, dass mir niemand geholfen hat“. Er war immer gegen eine Liberalisierung der Sterbehilfe: "Sie sollte per Gesetz stark eingeschränkt sein." Karl-Heinz Pantke ist nach unseren Dreharbeiten leider an Corona verstorben. 

Harald Mayer (51) kämpft um seinen Tod: der ehemalige Feuerwehrmann ist seit Jahren halsabwärts gelähmt.
Harald Mayer kämpft um seinen Tod: der ehemalige Feuerwehrmann ist seit Jahren halsabwärts gelähmt. | Bild: NDR / Torsten Lapp

Käthe Nebel glaubt nicht, dass der Bundestag Sterbehilfe frei zugänglich machen wird. Die ziemlich fitte 91-jährige will aber nicht eines Tages in die Schweiz fahren müssen, um selbstbestimmt sterben zu dürfen. Deshalb übt sie, so makaber das klingen mag, den Freitod ohne Hilfe: In ihrem Schlafzimmer, mit einem Glas in der Hand und einer Plastiktüte über dem Kopf."Der Suizid ist mein letzter Ausweg, wenn es unerträglich wird. Und den soll man mir überlassen. Und mir nicht erschweren. Ich bin empört!“ 

Die vielfach preisgekrönte Autorin Tina Soliman hat den unheilbar kranken Harald Mayer vier Jahre lang mit der Kamera bei seinem Kampf um einen selbstbestimmten Tod begleitet. Entstanden ist ein eindringlicher, oft sehr berührender Film, der die Sterbehilfe aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Ein Film von Tina Soliman

Wir haben uns im Zusammenhang mit der gesetzlichen Neuregelung der Sterbehilfe dazu entschieden, über das Thema Suizid zu berichten. Leider kann es passieren, dass schwerstkranke Menschen sich nach Berichten dieser Art in der Ansicht bestärkt sehen, dass das Leben wenig Sinn habe. Sollte es Ihnen so ergehen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge oder andere Anlaufstellen.

Die wichtigsten Anlaufstellen bei Suizidgedanken

  • Telefonseelsorge: anonyme, kostenlose Beratung rund um die Uhr; Tel. (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222
  • Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": kostenlose Beratung von Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr, Tel. 116 111.
  • Elterntelefon: Mo bis Fr, 9 bis 11 Uhr sowie Di und Do, 17 bis 19 Uhr unter (0800) 111 05 50
  • Muslimisches Seelsorgetelefon: (030) 44 35 09 821
  • Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: Mo, Di und Do, 13 bis 17 Uhr sowie Mi und Fr, 8.30 bis 12.30 Uhr. Tel. (0800) 334 45 33.
  • Die Deutsche Depressionshilfe bietet einen Selbsttest sowie eine Übersicht zu regionalen Angeboten.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Krankenkassen: 116 117.
  • Ambulanz der psychiatrischen Abteilung einer Klinik vor Ort – in jedem Fall bei Suizidgedanken.

Diese Sendung ist nach der Ausstrahlung zwölf Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar.

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