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Tabletten gegen Depressionen – helfen Antidepressiva?

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Tabletten gegen Depressionen – helfen Antidepressiva? | Video verfügbar bis 12.09.2023 | Bild: WDR

Ärztinnen und Ärzte verordnen jedes Jahr Antidepressiva in einer Menge, die ausreicht, 80 Millionen Menschen in Deutschland für mehr als einen halben Monat zu versorgen. Die Verschreibungszahlen haben sich seit 1990 verachtfacht, obwohl es immer wieder Zweifel an der Wirksamkeit von Antidepressiva gibt. Bereits 2008 zeigte eine groß angelegte Studie, dass es bei mittelschweren und leichten Depressionen keinen Unterschied macht, ob man ein Scheinmedikament nimmt, Placebo genannt, oder das echte Medikament.

Christine nimmt Antidepressiva.
Christine nimmt Antidepressiva. | Bild: WDR

Und gerade fand eine Studie der Amerikanischen Arzneimittelbehörde heraus, dass nur etwa 15% der Erkrankten von den Medikamenten profitieren, bei 85% wirken sie nicht stärker als ein Placebo. Sind also Antidepressiva das richtige Heilmittel für die kranke Psyche? "Die Tabletten sind für mich seit vielen Jahren treue Begleiter bei der Bewältigung meiner Depressionen." Christine (52) hat ihren Job als Behördenleiterin durch die Depression verloren und war sieben Mal in psychiatrischen Kliniken.

Was machen die Medikamente in ihrem Körper?

Die meisten Antidepressiva verändern den Spiegel von bestimmten Botenstoffen im Gehirn, vor allem von Serotonin. Lange dachte man, dass ein zu niedriger Serotoninspiegel, die Depression auslöst – mittlerweile ist diese These widerlegt. Was bei einer Depression im Gehirn passiert, haben Wissenschaftler und Ärzte bis heute nicht wirklich verstanden – dem Verkaufserfolg der Antidepressiva tut das keinen Abbruch. Wie also können die Pillen Christine helfen?

Mary (42) verflucht den Tag, an dem sie angefangen hat, Antidepressiva zu nehmen: "Sie haben mein Leben nicht verbessert, sondern erheblich verschlechtert." Seit vier Jahren dosiert Mary die Tabletten in kleinen Schritten runter, aber ihr Körper rebelliert dagegen.

Professor Tom Bschor kritisiert, dass zu viele Antidepressiva verschrieben werden.
Professor Tom Bschor kritisiert, dass zu viele Antidepressiva verschrieben werden. | Bild: WDR

"Diese Absetzprobleme werden bislang total unterschätzt", sagt Professor Tom Bschor, einer der führenden Antidepressiva-Experten in Deutschland. Wer die Tabletten über längere Zeit nehme, käme oft nur noch schwer von ihnen los. Auch das, vermutet Bschor, dürfte ein Grund dafür sein, warum immer mehr Antidepressiva genommen werden. Professor Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Deutschen Depressionshilfe sieht in den Medikamenten ein wirksames Werkzeug gegen Depressionen: "Der Effekt von Antidepressiva zeigt sich im Versorgungsalltag. Da können sie beobachten, wie die Mittel wirken. Das ist meine klinische Erfahrung", sagt Hegerl.

Helfen Tabletten gegen Depressionen? Und welchen Preis zahlen die Patienten und Patientinnen? Wieso kann ein Medikament, das so umstritten ist, so erfolgreich sein?

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