SENDETERMIN Mo, 26.11.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Wölfe – schützen oder schießen?

PlayWölfe können an einem Tag bis zu 70 Kilometer wandern.
Die Story im Ersten: Wölfe – schützen oder schießen? | Video verfügbar bis 26.11.2019 | Bild: WDR/Längengrad Filmproduktion / Sebastian Koerner

Die Wölfe sind zurückgekehrt und breiten sich in Deutschland aus. Ob in Niedersachsen, Sachsen oder jüngst in Nordrhein-Westfalen, allerorten werden die Raubtiere gesichtet. Derzeit gibt es 73 Rudel sowie 29 Paare, insgesamt etwa 800 Tiere – und immer mal wieder Begegnungen zwischen Mensch und Wolf.

Hysterie oder Bedrohung?

Schäfer beklagen Verluste, Dorfbewohner fürchten um ihre Kinder, Politiker von CDU, SPD, FDP und AfD schlagen Alarm und fordern inzwischen den Abschuss von Wölfen und eine Obergrenze für ihren Bestand. Alles nur Hysterie? Oder geht von Wölfen tatsächlich eine Bedrohung aus? Stimmt der Eindruck, dass sich Wölfe in Deutschland unkontrolliert ausbreiten und eine Gefahr darstellen?

Monatelang hat Filmautor Herbert Ostwald mit Wolfsforschern, Bürgermeistern, Dorfbewohnern, Tierfilmern und Schäfern gesprochen, um Antworten zu bekommen. Seine Recherchen zeigen ein wesentlich differenzierteres Bild, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Manches Missverständnis beruht auf der verbreiteten Annahme, Wölfe seien scheu. Tatsächlich sind sie "von Natur aus neugierig, aber auch vorsichtig", so Tierfilmer Sebastian Koerner, der seit vielen Jahren Wölfen so nahe gekommen ist wie niemand sonst.

Neugierige Wolfswelpen im Winterfell sind leicht mit ausgewachsenen Raubtieren zu verwechseln.
Neugierige Wolfswelpen im Winterfell sind leicht mit ausgewachsenen Raubtieren zu verwechseln. | Bild: WDR/Längengrad Filmproduktion / Sebastian Koerner

Reißt der Wolf ein Schaf, wird Ausgleich gezahlt

Fakt ist: In den 20 Jahren, seit Wölfe in Deutschland wieder heimisch sind, gab es keinen einzigen Angriff auf Menschen, keinen einzigen Verletzten. Der heimgekehrte Räuber ist so gut erforscht wie kaum ein anderes Wildtier: Hunderte Wolfsberater sammeln bundesweit täglich Spuren, die akribisch ausgewertet werden.

Dadurch haben Wolfsforscher einen guten Überblick, welche Tiere sich wo niederlassen. Wenn Wölfe trotzdem ein unnormales Verhalten zeigen, können Behörden schon heute dank vorhandener Managementpläne einzelne "Problemwölfe" erschießen lassen.

Der betäubte „Problemwolf“ Kurti bekommt einen Sender, damit Forscher seine Wege verfolgen können.
Der betäubte "Problemwolf" Kurti bekommt einen Sender, damit Forscher seine Wege verfolgen können. | Bild: WDR/Längengrad Filmproduktion / Sebastian Koerner

Für Nutztierhalter gibt es Subventionen für Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Hat der Wolf dennoch ein Schaf gerissen – und ist das beweisbar – gibt es Ausgleichszahlungen. Allerdings müssen viele Schäfer für den Schutz ihrer Tiere einen erheblichen Aufwand betreiben und bleiben auf einem Teil der Folgekosten sitzen.

Die Rudel umfassen zwei bis fünfzehn Tiere

Jagd auf Wölfe halten Forscher trotzdem für Unsinn. Denn die Zahl der Raubtiere reguliere sich allein über ihr Nahrungsangebot und die Reviergröße. In einem Revier pendelt die Größe des Rudels immer zwischen etwa zwei und fünfzehn Tieren, einwandernde Konkurrenten werden vertrieben.

Wölfe sind auch am Tage unterwegs, sind aber nach wie vor ein seltener Anblick.
Wölfe sind auch am Tage unterwegs, sind aber nach wie vor ein seltener Anblick. | Bild: WDR/Längengrad Filmproduktion / Sebastian Koerner

Die Zahl der Wölfe bei uns wird weiter zunehmen: Die Tiere sind in der EU streng geschützt. Der Abschuss von Problemwölfen wird erst dann leichter möglich sein als heute, wenn das Überleben der einst ausgerotteten Art gesichert ist.

Ein Film mit überraschenden Einsichten und einzigartigen, zum Teil noch nie im Fernsehen gezeigten Bildern von wilden Wölfen in Deutschland.

Ein Film von Herbert Ostwald

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