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Echtes Leben: Fleisch essen mit gutem Gewissen?

PlayBäuerin Stephanie Strotdrees und ihre Kühe auf der Weide
Fleisch essen mit gutem Gewissen? | Video verfügbar bis 10.05.2021 | Bild: WDR

Können wir noch mit gutem Gewissen Fleisch essen? Das Tierwohl ist über 80% der Deutschen sehr wichtig. Sie lehnen Massentierhaltung und artwidrige Haltung ab. Aber kompletter Verzicht auf Fleisch ist für die meisten keine Option.

"Echtes Leben" begleitet Menschen, die vom Fleischkonsum leben: die Bäuerinnen Stephanie und Annika und den mobilen Metzger Matthias. Alle drei versuchen, eine Balance zu finden zwischen der Ehrfurcht vor dem Tier und dem Fleisch als Nahrungsmittel.

Ehrfurcht vor der Schöpfung

Die Lebensphilosophie von Bäuerin Stephanie heißt: Ehrfurcht vor der Schöpfung. Daher hat sie auf Zweinutzen-Hühner umgestellt: Die Hühner legen Eier und die Hähnchen werden zur Mast genutzt. Was völlig normal klingt, ist eine große Ausnahme: Denn die männlichen Küken der Legerasse setzen wenig Fleisch an, eine Aufzucht ist nicht wirtschaftlich.

Deshalb werden in Deutschland jährlich rund 50 Millionen männliche Küken am ersten Lebenstag getötet. Nicht bei Stephanie: "Als Bäuerin produziere ich Eier und Fleisch, aber die Tiere sollen artgerecht gelebt haben und nicht aus Gründen der Gewinnmaximierung geschreddert werden." Doch wie lange hält Stephanie diese Art der Hofbewirtschaftung finanziell durch?

Informationstafel vor dem Kuhstall
Eier von freilaufenden Hennen lassen sich gut verkaufen. Für Stephanie Strotdrees gehören aber die Hähne mit dazu. Deshalb hat sie auf Zweinutzungs-Hühner umgestellt.  | Bild: WDR

Mobiler Metzger

Auch der Kölner Metzger Matthias Kürten hat Ehrfurcht vor dem Tier. Schweine oder Rinder, die in der Massentierhaltung gelitten haben, kommen für ihn nicht in Frage. Der 40-Jährige ist wohl der einzige mobile Metzger Deutschlands. Mit seinem Schlacht-Anhänger kommt er zu seinen Kunden auf den Hof. Diese halten artgerecht ein paar Schweine, Ziegen oder ein Rind.

"Das Tier hat ein schönes Leben und stirbt dort, wo es aufgewachsen ist", sagt Kürten. Am Ende werden 90 Prozent des Tieres vom Metzger zu Fleisch und Wurst verarbeitet. Vom Kopf bis zum Schwanz. Ihm ist es wichtig, das Tier ganzheitlich zu verwerten – und nicht nur die edlen Teile, also Lende, Kotelett, Filet – sondern auch Leber, Herz, Nieren, Kutteln. So wie früher.

Eine seiner Kundinnen ist die junge Landwirtin Annika aus St. Augustin. Sie zieht, über das Jahr verteilt, immer ein paar Schweine groß. "Um Fleisch zu essen, müssen Tiere sterben", sagt sie, "aber dann möchte ich Fleisch essen, bei dem ich weiß, wie es den Tieren ergangen ist". Dazu gehört für Annika auch, dass ihre Schweine dort sterben, wo sie aufgewachsen sind. Ohne Tiertransport. Ist unter diesen Umständen das Töten eines Tieres ethisch vertretbar?

Ein Film von Jens Niehuss und Marcel Martschoke

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Westdeutscher Rundfunk
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