SENDETERMIN So., 07.11.21 | 17:30 Uhr | Das Erste

Echtes Leben: Lasst die Kirche im Dorf

Gespaltene Gemeinden im Braunkohlerevier

PlayDer Gottesdienst findet aus Protest vor der geschlossenen Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg statt.
Lasst die Kirche im Dorf! | Video verfügbar bis 07.11.2022 | Bild: WDR

Ingo Bajerke steht vor der verschlossenen Kirchentür in Keyenberg. "Es tut nicht so weh, sein Elternhaus zu verlieren, wie diese Kirche, weil hier wurde ich getauft. Das war immer der Mittelpunkt vom Ort. Das ist Heimat, das darf man nicht aufgeben."

Dem Dorf droht der Abriss

Ingo Bajerkes Heimatort gehört zu den letzten fünf Dörfern am Tagebau Garzweiler im rheinischen Braunkohlerevier, die trotz des Kohleausstiegs noch abgerissen werden sollen. Ingo Bajerke tut sich schwer damit, umsiedeln zu müssen. Er möchte nicht, dass sein Heimatdorf mitsamt der historischen Kirche Heilig Kreuz dem Erdboden gleichgemacht wird. Gemeinsam mit anderen Anwohnern setzt er sich gegen den Abriss der Kirche ein. Sie wünschen sich Unterstützung durch die Kirchengemeinde und das Bistum.

Ingo Bajerke beim Gottesdienst vor der geschlossenen Kirche in Alt-Keyenberg.
Ingo Bajerke vor der geschlossenen Kirche in Alt-Keyenberg. | Bild: WDR

Von der Kirche im Stich gelassen?

Im Nachbardorf Kuckum lebt Marita Dresen mit ihren Eltern und Kindern unter einem Dach. Sie weigert sich, ihren Hof an den Bergbaubetreiber RWE zu verkaufen und fordert von der Politik, dass keine weiteren Dörfer wegen klimaschädlicher Kohle abgebaggert werden.

"Echtes Leben" begleitet über ein halbes Jahr Menschen in den Dörfern und zeigt den Riss, der durch die Gemeinden geht. Die Rettung des Hambacher Forstes 2018 hat dem Konflikt um die Umsiedlungen eine neue Dynamik verliehen. Während die Hälfte der Dorfbewohner aus Keyenberg bereits nach Neu-Keyenberg umgesiedelt ist und dort die neue St.-Petrus-Kapelle mit Gemeindezentrum baut, haben Ingo Bajerke und seine Mitstreiter wieder Hoffnung geschöpft: Können sie die Kirche Heilig Kreuz im alten Dorf Keyenberg doch noch erhalten?

Marita Dresen will ihr Zuhause nicht aufgeben.
Marita Dresen will ihr Zuhause nicht aufgeben. | Bild: WDR

Doch der Kapellenvorstand, dessen Vorsitzende Agnes Maibaum und Pfarrer Werner Rombach, wollen nicht mehr zurück: Heilig Kreuz ist bereits an den Energiekonzern RWE verkauft und der Bau des neuen Gemeindezentrums mit der St.-Petrus-Kapelle in vollem Gang. Zur Grundsteinlegung der neuen Kirche wollen sie die Entwidmung der alten Kirche.

Pfarrer Werner Rombach hat zusammen mit dem Kirchenvorstand beschlossen, eine Kapelle im neuen Ort zu bauen und die alte Kirche zu schließen
Pfarrer Werner Rombach hat zusammen mit dem Kirchenvorstand beschlossen, eine Kapelle im neuen Ort zu bauen und die alte Kirche zu schließen | Bild: WDR

Ein Plan, zu dem der Aachener Bischof Helmut Dieser überraschend seine Zustimmung verweigert. Er wartet die Leitentscheidung der Landesregierung NRW ab. Doch diese bringt im März 2021 keine Klarheit für die Menschen vor Ort. Die Entscheidung, ob die Dörfer abgerissen werden oder nicht, wird auf 2026 vertagt.

Bischof Diesers Kurs nimmt eine erneute Wende: Er macht den Neu-Keyenbergern ein Zugeständnis und stimmt der Entwidmung der Kirche Heilig Kreuz im alten Dorf schließlich doch zu. Gleichzeitig fordert er von der Politik, die Dörfer zu erhalten. Ingo Bajerke fühlt sich von der Kirche im Stich gelassen. 

Ein Film von Karin de Miguel Wessendorf und Caroline Nokel

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