SENDETERMIN So, 13.10.19 | 17:30 Uhr | Das Erste

Echtes Leben: Martinas Leben auf der Alm

Raus aus der modernen Welt

PlayMartina hat sich für vier Monate für ein abgeschiedenes Leben auf der Alm entschieden.

"Warum gehst Du für fast vier Monate auf eine Alm und arbeitest von Sonnenaufgang bis spätabends – und das für wenig Geld?" Diese Frage wird Martina Fischer oft gestellt.

Zuerst wusste sie selbst keine Antwort darauf. Martina Fischer ist Krankenschwester und fährt seit vielen Jahren für einen mobilen Pflegedienst durch die Dörfer im Chiemgau, um alten und kranken Menschen zu helfen. Jeder Arbeitstag ist getaktet: Sechs Uhr früh das Einsatzauto in Rosenheim abholen, dann die Fahrt über Land, die Besuche bei den Patienten. Manche müssen gewaschen werden, andere bekommen nur Medikamente. Jeder Einsatz ist getaktet, damit Martina acht Patienten täglich versorgen kann. Die Krankenschwester war gestresst von Lärm und Hetze, von Handys und Notfallnummern. An den Wochenenden schnupperte sie frische Luft in den Bergen, montags ging der durchgetaktete Alltag wieder weiter.

Auf der Alm fühlt sie sich endlich frei

Bis die damals 37-Jährige vor neun Jahren einen Sommer bei einer Sennerin auf der Rampoldalm in den bayerischen Voralpen aushilft. Und sie merkt: Es ist zwar ein hartes Leben, doch es ist ihre Leidenschaft, und hier ist sie ganz bei sich – endlich frei.

Deshalb nahm Martina jährlich eine viermonatige Auszeit von ihrem Pflegejob und zog hoch auf eine Alm. Mittlerweile, nach einer Weiterbildung zur Almerin, arbeitet sie alleine. Auf der 1437 Meter hoch gelegenen Krottentalalm oberhalb des Spitzingsees lebt sie mit ihren Tieren zusammen: mit rund 50 Kälbern, zwei Schweinen, Hühnern und Ziegen. Ohne Strom, Warmwasser und meist auch ohne Handynetz. Dort oben versorgt sie die Tiere, macht Käse, läuft kilometerweit, um die Zäune und Brunnen für die freilaufenden Kälber zu kontrollieren und zu reparieren.

"Unten im Tal bestimmen andere über mich"

"Klar ist es viel Arbeit, aber ich bestimme selbst, wie und in welchem Rhythmus ich sie mache. Unten im Tal bestimmen andere über mich, da bin ich durch moderne Medien und durch ein beschleunigtes Arbeitsleben fremdbestimmt", meint die Almerin zu ihrer Entscheidung, quasi zwei Leben zu führen, auf der Alm und im Herbst und Winter unten im Tal. Es ist ihr gleich, ob die Sonne scheint oder schwere Unwetter toben. Ihr Glauben und ihr enges Verhältnis zu den Tieren helfen ihr. Wenn sie dann im Herbst zurückkehrt zu ihrem Mann Franz, der sie im Sommer nur selten sieht, zu ihrem Hof und ihrem Job als Pflegekraft, dann bringt sie die Erfahrungen des Almlebens mit in ihre Welt "unten im Tal".

Ein Film von Andrea Roth

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So, 13.10.19 | 17:30 Uhr
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Bayerischer Rundfunk
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