SENDETERMIN So., 31.10.21 | 17:30 Uhr | Das Erste

Echtes Leben: Mein Job wandert aus – Und was wird aus mir?

PlayTrauer über den Verlust des Arbeitsplatzes

Sie sind fünf von 850: Männer und Frauen, die bei der OTTO-Group-Tochter Hermes gerade ihren Job verlieren. Obwohl der Konzern zuletzt seinen Gewinn durch die Corona-Krise erheblich steigern konnte, wird der Retourenbetrieb (Hermes Fulfilment) in Hamburg dichtgemacht. In Polen und Tschechien kann die Arbeit billiger erledigt werden. Auch Silvia F., Bernd T., Martin K., Anastasia B. und Sylvia M. werden arbeitslos.

Warum muss das so kommen, wie erklärt das Unternehmen seinen Schritt? Gäbe es keine bessere, menschlichere Alternative? Wie weit geht soziale Verantwortung, wo stößt sie an Grenzen? Und was macht das mit Menschen, die viele Jahre für die Firma gearbeitet haben und nun ihre Lebensgrundlage verlieren?

Sie haben ihre Arbeit verloren: Traurige und enttäuschte Mitarbeiter
Sie haben ihre Arbeit verloren: Traurige und enttäuschte Mitarbeiter

Silvia F. arbeitet seit zehn Jahren in der Spätschicht. Sie steigt jeden Mittag in Schwerin in den Betriebsbus. Schichtbeginn in Hamburg ist um 15:00 Uhr, nach Schichtende um 23:30 Uhr geht es wieder zurück. "Hauptsache Arbeit finden", dachte sie schon einmal, als nach der Wiedervereinigung ihr Werk dichtgemacht wurde. Nun erlebt sie das ein zweites Mal. Wie betäubt sitzt sie nachts um zwei auf ihrem kleinen Balkon, versucht runterzukommen, trinkt noch einen Tee, raucht eine Zigarette. Sie ist todmüde, kann trotzdem nicht schlafen. Wie soll es weitergehen?  

Hermes Fulfilment steht in diesem Film von Rita Knobel-Ulrich stellvertretend für viele Firmen, die ihre Ausgaben auf Kosten der Mitarbeiter senken. Werner Otto, der Unternehmensgründer, hatte einst gesagt: "Menschen sind wichtiger als Bilanzen". Gilt das nicht mehr? "Die Firma steht in hartem Wettbewerb", erklärt der Unternehmenssprecher, "Große Versandhäuser wie Quelle und Neckermann gibt es nicht mehr. Die OTTO group muss […] sich auf die Bedingungen im Weltmarkt einstellen".

69 verschiedene Nationalitäten haben beim Retourenbetrieb gearbeitet. Auch viele Flüchtlinge und Migranten. Zum Beispiel Anastasia. Die gelernte Schneiderin aus Ghana hat vier Kinder, steht seit Jahren am Paketband und schwärmte von ihrem Job. "Wir waren wie eine Familie. Die Kollegen haben immer zusammengehalten. Herkunft oder Hautfarbe spielten keine Rolle. Ich werde das vermissen." Der Betrieb war für sie ein Anker im fremden Land.

Ihr Kollege Bernd erinnert sich verärgert, dass er und seine Kollegen auf Lohnerhöhung  verzichtet hatten: "Vor zehn Jahren hat man uns versprochen, wenn wir mit dem Lohn runtergehen und und und , dann bleibt der Betrieb bestehen in Hamburg."

Nun hoffen viele auf die Transfergesellschaft, die Hermes Fulfilment beauftragt hat. Sie soll die Entlassenen fit machen, soll bei Bewerbungen, Praktika und der Jobsuche helfen. Die Reportage "Mein Job wandert aus" beobachtet nah an den Menschen, ob das gelingt. 

Film von Rita Knobel-Ulrich

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