SENDETERMIN Di., 15.02.22 | 23:40 Uhr | Das Erste

Echtes Leben: Trotz allem Hoffnung

Weiterleben nach dem Tod der Kinder

PlaySebastian und Andreia Kostenzer.
Echtes Leben: Trotz allem Hoffnung | Video verfügbar bis 15.02.2023 | Bild: BR / Brigitte Kornberger

Es könnte einfach nur pure Idylle sein: Mitten in der traumhaften Berglandschaft des Tiroler Hochtals Wildschönau ist der Hörbighof gelegen, ein traditionsreiches, altes Bauernhaus mit farbenprächtigem Blumenschmuck. Doch in der Gaststube der Jausenstation hängen zwei Sterbebilder. Auf dem einen ist ein kleines Mädchen abgebildet, auf dem anderen ein kleiner Bub.

Im Dezember 2021 jährte sich zum zehnten Mal der Tod des kleinen Sebastian. Der 8. Dezember ist sein Sterbetag und gleichzeitig der Geburtstag seiner Schwester Helena, die im Herbst vor zwei Jahren gestorben ist. Gerade einmal zwei Jahre alt waren die Geschwister, die einander auf der Welt nie begegneten. Völlig unverhofft starben sie, ohne erkennbare Vorzeichen. Erst sehr viel später sollte sich herausstellen, dass ein Gendefekt die Ursache war.

Die große Anteilnahme der Menschen half der Familie

In der Wohnküche brennen Kerzen neben den Bildern. Bei jedem Mittagessen schließt die Familie Kostenzer die beiden Kleinen ins Gebet mit ein. Ihre kleinen Schutzengel, wie sie die verstorbenen Kinder nennen. Der achtjährige Gabriel hat den Tod seiner kleinen Schwester Helena erlebt. Die fünfzehnjährige Laura ist die älteste, sie hat beide verstorbenen Geschwister noch gut in Erinnerung.

Bergbauer Sebastian Kostenzer und seine Frau Andreia versuchen den Tod ihrer Kinder in den Alltag zu integrieren. Doch es ist nicht einfach. Was hat es auf sich mit diesem 8. Dezember, der gleichzeitig Geburts- und Todestag ist? Darüber, dass die Acht für Unendlichkeit steht, hat Sebastian lange mit Pfarrer Paul Rauchenschwandtner gesprochen – damals, als Helena starb. In der düstersten Stunde ihres Lebens gab ihnen der Pfarrer viel Halt. Gestärkt wird die Familie auch durch die offene Anteilnahme der Menschen im kleinen Wildschönauer Ortsteil Thierbach. Im August zeigt sie sich in besonderer Weise.

Ein Leben zwischen Schatten und Licht

Das Leben findet draußen statt, die Bergheu-Ernte steht an, die Gäste kehren bei den Kostenzers in der Jausenstation ein. Der 15. August, Mariä Himmelfahrt, ist hier ein hoher Feiertag. Am sogenannten "Frauentag" werden die Kräuterbuschen geweiht. Anschließend kommt die Dorfgemeinschaft zum Feiern zusammen. Auch die Kostenzers. Freilich: Alles könnte so viel schöner sein, wenn die beiden Kleinen noch da wären. Trotz aller Fröhlichkeit um sie herum ist es immer noch ein Leben zwischen Schatten und Licht.

Aber dann gibt's einmal im Jahr auf dem Hof ein Konzert. Es wird der heiterste Tag im Jahr. Sebastian Kostenzer ist ein guter Country-Sänger. Beim Singen kann er die Trauer für kurze Zeit loslassen. "Nur den Schmerz wegsingen, das geht nicht, da müsste ich schon ganz laut schreien", sagt er. Seiner Frau Andreia hilft es, sich mit anderen auszutauschen über das, was ihnen widerfuhr. "Die Gäste in der Jausenstation sind manchmal auch meine Psychologen, Reden tut gut und man erfährt dabei auch andere Schicksale, das hilft auch," sagt sie.

Die Familie macht es ihren Mitmenschen leicht, auf sie zuzugehen. In ihrer offenen Art, mit dem Schicksal umzugehen, nehmen sie Außenstehenden Berührungsängste. Sie erfahren auf diese Weise Trost und lernen mehr und mehr mit dem Verlust der beiden Kinder zu leben.

Ein Film von Brigitte Kornberger

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