SENDETERMIN Mo., 29.03.21 | 20:15 Uhr | Das Erste

Erlebnis Erde: Wildes China (3) – Reich der Tiger und Affen

Makaken leben in großen Gruppen. Da gibt es für die Kleinen immer einen Spielkameraden.
Makaken leben in großen Gruppen. Da gibt es für die Kleinen immer einen Spielkameraden. | Bild: NDR

Der Osten Chinas erstreckt sich von der Tropeninsel Hainan im Süden bis zur eisigen Grenze nach Russland im Norden. Eine Balance zu schaffen zwischen den Bedürfnissen der Natur und denen der Menschen ist in diesem bevölkerungsreichsten Teil der Volksrepublik eine besondere Herausforderung.

Von einst 4.000 Tigern sind nur noch 40 übrig

Viele Tierarten sind bereits nahezu ausgerottet. Einst streiften 4.000 Tiger durch die Wälder, heute sind es weniger als 40. Holzeinschlag und Siedlungen haben 90 Prozent seines Lebensraums zerstört. Schlingen – angebracht von einheimischen Jägern – fangen ihm zudem Hirsche und Wildschweine weg.

Chinas Grenze zu Russland: Rückzugsraum für die bedrohten Jäger

Ein ganzer Trupp Ranger patrouilliert regelmäßig in den Wäldern, um die Schlingen und Fallen zu entfernen. Doch der neu geschaffene Nationalpark kann, obwohl Chinas zweitgrößter, kaum mehr Tiger versorgen, als jetzt noch darin leben. Ein Tigerweibchen mit Jungen braucht ein Revier, das in etwa der Größe Usedoms entspricht. Ein geschützter Korridor entlang der russischen Grenze soll den Tieren mehr Lebensraum verschaffen, in dem man ihnen ermöglicht die Grenze ungehindert zu passieren.

In China leben 1,4 Milliarden Menschen. Gigantische Metropolen wuchern ins Land und die Industrie boomt. Abseits der Hektik zeigt das Reich der Mitte auch ein anderes Gesicht. Zehn neue Nationalparks sollen Chinas einzigartige Tierwelt und Lebensräume praktisch in letzter Minute vor Ausbeutung und Zerstörung bewahren.

Der Östliche Schwarze Schopfgibbon lebt heute nur noch in einem kleinen Gebiet an der Grenze zwischen China und Vietnam.
Der Östliche Schwarze Schopfgibbon lebt heute nur noch in einem kleinen Gebiet an der Grenze zwischen China und Vietnam. | Bild: NDR

Ganz im Süden hangelt sich der seltenste Affe der Welt durch die Baumkronen: Der Hainan-Schopfgibbon, benannt nach der Insel, auf der die letzten knapp 30 ihrer Art leben. Ein Jungtier hat es heutzutage schwer, eine Partnerin zu finden, denn sein Heimatwald ist durch viele Kautschukplantagen fragmentiert. Die Gibbons, deren einzigartige Duette weithin zu hören sind, können nicht mehr zueinanderkommen. Ranger schaffen notdürftige Abhilfe durch Seilbrücken, doch eine nachhaltige Lösung kann nur der Verzicht auf intensiven Kautschuk-Anbau sein.

In den Wuyi-Bergen im Nordwesten der Provinz Fujian, in denen Holzeinschlag schon seit Jahrhunderten verboten ist, wirbt einer der letzten Cabottragopane, eine Fasanenart, um ein Weibchen. Wie ein Werbeplakat entrollt er einen knallbunten Hautlatz – mit Erfolg.

Das Chinesische Schuppentier fällt Tierschmugglern zum Opfer

Und das Chinesische Schuppentier macht seinem Ruf als Wächter des Waldes alle Ehre. Ohne einen Zahn im Maul vertilgt es jährlich 70 Millionen Termiten und andere Insekten. Es ist das meist geschmuggelte Tier der Welt, denn die hornigen Schuppen seines Schutzpanzers sind als Aphrodisiakum und antiseptisches Mittel begehrt. Wenn der Wilderei nicht konsequenter das Handwerk gelegt wird, werden diese Urtiere nach 80 Millionen Jahren, die sie unsern Planeten schon bevölkern, bald verschwunden sein.

Die positive Seite: Das letzte Refugium von Schuppentier und Tragopan liegt mitten im Zentrum einer international bekannten Tee-Industrie. Vielleicht ein Beispiel, dass sich menschliche Aktivität und Naturschutz nicht immer ausschließen müssen.

Ein Film von Philip Jones

Online first ab 13. März in der ARD-Mediathek

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