SENDETERMIN Di., 03.11.20 | 00:05 Uhr | Das Erste

Geschichte im Ersten: Dutschke – Schüsse von Rechts

PlayIm Dezember 1967 stand Studentenführer Rudi Dutschke (Aaron Hilmer) dem renommierten Journalisten Günther Gaus (Jörn Hentschel) in dessen bekannter TV-Reihe "Zur Protokoll" Rede und Antwort.
Dutschke – Schüsse von Rechts | Video verfügbar bis 01.02.2021 | Bild: NDR / Mathias Schöningh

Am 11. April 1968 wird in West-Berlin ein Attentat auf Rudi Dutschke verübt. Er gilt als Wortführer und Symbolfigur der gesellschaftskritischen, linksgerichteten Studentenbewegung. Als Hassfigur rechter Medien und der Neonazis, steht er wie kein zweiter für die Radikalisierung einer antiautoritären Bewegung. Dutschke überlebt die Schüsse schwerstverletzt, das Attentat löst die größten politischen Unruhen in der noch jungen Bundesrepublik aus.

Neuer Blick auf den Mordanschlag auf Dutschke

Mit dem Dokudrama "Dutschke – Schüsse von Rechts" zeigen die preisgekrönten Autoren Cordt Schnibben und Peter Dörfler, wie sich die westdeutsche Gesellschaft damals spaltete und wie diese Spaltung eine Spirale der Gewalt in Gang setzte, die in dem Attentat auf Dutschke mündete: die Genesis einer Eskalation. Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 auf einer Demonstration von einem Polizisten erschossen wurde, markierte den Wendepunkt.

Der arbeitslose Anstreicher Josef Bachmann (Rafael Gareisen) verübt am 11. April 1968 in West-Berlin ein Attentat auf den charismatischen Studentenführer Rudi Dutsche. Er schießt mit einer Gaspistole dreimal auf ihn. Dutschke überlebt schwer verletzt. Die Tat fürt zu den größten politischen Ausschreitungen in der jungen Bundesrepublik.
Der arbeitslose Anstreicher Josef Bachmann (Rafael Gareisen) verübt am 11. April 1968 in West-Berlin ein Attentat auf den charismatischen Studentenführer Rudi Dutschke.  | Bild: NDR / Mathias Schöningh

Bisher galt Rudi Dutschke als Opfer eines geltungssüchtigen, kriminellen Einzelgängers. Die Autoren liefern hier nun einen neuen Blick auf den Mordanschlag. Der Attentäter Josef Bachmann war Teil der Neonazi-Szene im niedersächsischen Peine, nahm dort an Schießübungen teil. Beim Waffenhändler der rechtsradikalen Gruppe besorgte er sich Pistolen und Munition und verübte mit ihnen Anschläge auf die innerdeutsche Grenze.

Unterschätzung des Rechtsterrorismus

"Dutschke – Schüsse von Rechts" dokumentiert, wie schon damals die Unterschätzung des Rechtsterrorismus die Arbeit von Polizei und Gerichten prägte. Auf Grundlage von bisher unbekanntem Archivmaterial und selten ausgewerteten Akten beschreibt der Film, wie Attentäter Bachmann sich in der Zeit vor dem Mordversuch auf Rudi Dutschke in der militanten Neonazi-Szene seines Wohnorts bewegte. Die Autoren gehen u. a. der Frage nach, warum die Ermittlungsbehörden in Niedersachsen zwar Bachmanns Waffenlieferanten verhörten, aber Bachmanns neonazistisches Umfeld im Gerichtsverfahren keine Rolle spielte.

Während des Prozesses gegen Dutschke-Attentäter Josef Bachmann wird dessen Anwalt Dr. Weyher (Joachim Paul Assböck) von einer Journalistin (Marlen Ulonska) im Treppenhaus des Gerichts mit einer zentralen Frage konfrontiert: "War die Tat politisch motiviert?"
Während des Prozesses gegen Dutschke-Attentäter Josef Bachmann wird dessen Anwalt Dr. Weyher von einer Journalistin im Treppenhaus des Gerichts mit einer zentralen Frage konfrontiert: "War die Tat politisch motiviert?" | Bild: NDR / Mathias Schöningh

Neben Zeitzeugen wie unter anderem Knut Nevermann, Rainer Langhans, Stefan Aust, Barbara Sichtermann, Peter Wensierski, Thomas Giefer, Bahman Nirumand und Gretchen Dutschke, liefert Rudi Dutschke selbst die wichtigste Beschreibung seiner Person. Mit zahlreichen, teils selten gezeigten Originalszenen und aus Tagebucheintragungen und Reden destillieren die Autoren eindringlich seine Sicht auf die Ereignisse, die im Laufe eines Jahres zu den Schüssen auf ihn führten.

Darsteller: Aaron Hilmer als Rudi Dutschke, Rafael Gareisen als Josef Bachmann und andere

Sonstige Mitwirkende: Gretchen Dutschke, Stefan Aust, Rainer Langhans, Barbara Sichtermann, Peter Schneider, Knut Nevermann, Bernd Rabehl, Bahman Nirumand, Peter Wensierski, Elsa Rassbach, Thomas Giefer, Hartmut Moldenhauer, Olaf Dinné und andere

Ein Film von Cordt Schnibben und Peter Dörfler

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