Kinder des Krieges – Erinnerungen an die Kindheitstage im Jahre 1945

Radiogeschichten zur Fernsehdokumentation

Folge 1/5: Evakuierung, Widerstand und letzte Gefechte an der Saar (SWR/SR)

Alois Jost verbringt seine Kindheit weitgehend ohne Schule, sein Vater hört heimlich BBC. Beim Kampf um das Dorf sterben zwanzig junge deutschen Soldaten. Dann steht für kurze Zeit in seinem Wohnzimmer ein amerikanisches Maschinengewehr und ein „Neger“ sichert die Dorfstraße. Detlef Thieser wird zu Kriegsbeginn zum ersten Mal evakuiert, weil er innerhalb der roten Zone zu Frankreich lebt, und 1944 ein zweites Mal.

Zurück kehrt er ins zerstörte Völklingen und findet in seiner Matratze eine noch nicht explodierte Granate. Hannelore Dörr erlebt in der Hüttenstadt Neunkirchen viele Luftangriffe. In ihrer Angstreaktion bekommt sie Lachkrämpfe. Ihre Mutter ohrfeigt sie dann. Horst und Alice Bernard haben nach der Saarabstimmung 1935 Saarbrücken verlassen und leben im Süden Frankreichs. Nach Kriegsende kehren die beiden zurück und engagieren sich zeitlebens für die deutsch-französische Aussöhnung.

Hitlerjugen bei einer Vereidigung. In den letzten Kriegstagen wurden Hitlerjugen verpflichtet, sich als „Werwölfe“, als Partisanen hinter den feindlichen Linien zu betätigen.
Hitlerjugen bei einer Vereidigung. In den letzten Kriegstagen wurden Hitlerjugen verpflichtet, sich als „Werwölfe“, als Partisanen hinter den feindlichen Linien zu betätigen. | Bild: Picture Alliance/dpa

Autor: Jochen Marmit
Regie: Wolfgang Bauernfeind
Redkation Rudolf Linssen (SWR), Thomas Bimesdörfer (SR)

Folge 2/5: Kindheit im Lager – Die Überlebenden des Holocaust (BR)

Die Welt der Konzentrationslager war die erste und einzige Welt, die Josef Salomonovic kannte, bis er Mitte 1944 auf einen Todesmarsch geschickt wurde: vom KZ Flossenbürg ins bayrische Passau. Dort erlebt Josef stark geschwächt die Ankunft der amerikanischen Truppen.

Helga Kinsky überlebt Theresienstadt und Auschwitz, wohin sie mit 12 beziehungsweise 14 Jahren deportiert wurde. Vera Treplin erlebt das Kriegsende ebenfalls in Theresienstadt, doch ihre Odyssee geht weiter: Ihre Mutter stirbt und Vera erlebt, dass Juden auch im Nachkriegsdeutschland nicht willkommen sind

Im Mai vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebten. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Das multimediale ARD-Projekt "Kinder des Krieges" erzählt das Schlüsseljahr 1945 aus der Sicht der Kinder. - Beniek Ajnszydler (links) wurde als 12-jähriger Junge aus dem KZ Buchenwald befreit. Das Foto zeigt
Aus dem KZ Buchenwald befreite Jungen. | Bild: National Archives and Records Administration, College Park

Autor: Peter Giesecke
Regie: Wolfgang Bauernfeind
Redaktion: Klaus Uhrig

Folge 3/5: Von Aachen bis zum Edersee – Das lange Warten auf das Kriegsende (HR/WDR)

Friederike Görtz ist die Tochter eines katholischen Nazis und einer jüdischen Mutter. Der Vater verlässt die Familie nach ihrer Geburt. Für Mutter und Tochter beginnen Jahre der Angst, an die Friederikes Puppe sie bis heute erinnert.

Paul Brandt wächst in der Kölner Altstadt auf, direkt neben dem Dom, und erlebt, wie seine Umgebung durch Luftangriffe in Schutt und Asche gelegt wird. Für Erna Heinze war die Angst vor Luftangriffen allgegenwärtig, nachts war ihr sehr unheimlich, ihr Heimatdorf Vöhl war stets verdunkelt. Bei einem Luftangriff auf Frankfurt wurde die Schwester von Rolf Seubert verschüttet und konnte überleben. Von Königshofen aus sah er später Frankfurt brennen.

Kinder des Krieges – Deutschland 1945
Unter der Aufsicht amerikanischer Soldaten schirmt eine deutsche Mutter die Augen ihres Sohnes ab, während sie mit anderen Zivilisten an den Leichen von 57 Russen, darunter Frauen und ein Baby, vorbeigeht, die aus einem Massengrab außerhalb der Stadt Suttrop exhumiert wurden. | Bild: National Archives and Records Administration, College Park

Autoren; Uli Hufen, Christiane Kreiner, Juliane Spatz, Jörg Döring
Regie: Wolfgang Bauernfeind
Redaktion: Adrian Winkler (WDR), Dorothee Meyer-Kahrweg (HR)

Folge 4/5: Fluchtgeschichten zwischen Ostpreußen und Bremen (NDR/Radio Bremen)

Wolfgang Nixdorf wohnt in Breslau. Für ihn sind die ersten Toten in diesem Krieg seine Schulkameraden, beschossen auf einer Transportfahrt. Christa Siegmüller aus Bremen sieht ihren Vater 1944 zum letzten Mal, als er ihr Spiegeleier brät. Christa lebt später mit der Mutter bei den Großeltern in Neustadt. Im April kommen die Engländer und ehemalige russische und polnische Kriegsgefangene stehlen Vieh und schlachten es auf freiem Feld.

Leo Untrieser kommt im östlichen Zipfel Ostpreußens zur Welt. Als der Krieg beginnt, wird er Zeuge von Gräueltaten. Ein Landmann wird gehängt, weil er mit einer Deutschen geschlafen hat. Als die russische Front näher rückt, flüchtet die Familie und wird eingeholt. Seine Mutter und weitere Frauen werden vergewaltigt. Er kommt in die sowjetische Besatzungszone. Nach mehreren Fluchtversuchen gelangt er 1949 in die Bundesrepublik und der Krieg ist auch für ihn zu Ende.

Kinder des Krieges – Deutschland 1945
Nach einem Bombenangriff. Der damals 14-jährige Sigurd Prinz aus Hildesheim muss mehrere Nächte in den geretteten Möbeln unter freiem Himmel übernachten. | Bild: Sigurd Prinz

Autoren: Alexa Hennings, Jens Schellhass
Regie: Nikolai von Koslowski
Redaktion: Thilo Guschas (NDR), Tobias Nagorny (Radio Bremen)

Folge 5/5: Zwischen den Fronten – von Böhmen bis in die Reichshauptstadt (MDR/RBB)

Klaus Zippel lebt im tschechischen Außig, heute Ústí nad Labem und wird nach den Beneš-Dekreten im Bauch eines Elbkahns flussabwärts über die Grenze abgeschoben. Barbara Knappe kommt mit ihrer Familie aus der Lausitz nach Posen. Ihr Vater ist überzeugter Nazi und bringt Barbara und ihre Schwestern im Januar 45 zum Bahnhof. Sie sollen zu Verwandten nach Weimar fliehen. Ihren Vater sieht sie nicht wieder.

Johann Killer verbringt trotz Krieg eine unbeschwerte Kindheit im böhmischen Rothmühl, bis er im Juli 45 „einwaggoniert“ und in offenen Kohlenwaggons Richtung Sachsen geschickt wird. Peter Claus Lieberwirth erlebt am 13. Februar in Dresden die Bombennacht und das Inferno. Ruth Winkelmann überlebt den Nationalsozialismus als „Geltungsjüdin“, untergetaucht in einer Gartenlaube in Berlin-Wittenau. Peter Leonhard Braun erlebt mit 16 die letzte und schlimmste Kriegsnacht in Berlin, nachdem er zuvor aus der Organisation Todt desertiert war.

Kinder des Krieges – Deutschland 1945
Deutschland 1945: Kinder spielen in Trümmern. | Bild: Walter Dick Archiv

Autoren: Alexa Hennings, Matthias Körner, Tobias Barth, Ruth Kinet
Regie: Nikolai von Koslowski
Redaktion: Ulf Köhler (MDR), Christan Lerch (RBB)

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