SENDETERMIN Mo., 22.03.21 | 23:50 Uhr | Das Erste

Geschichte im Ersten: Verzaubert und verdrängt

Die Karriere des Magiers Kalanag

PlayMit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt.
Geschichte im Ersten: Verzaubert und verdrängt | Video verfügbar bis 22.03.2022 | Bild: SWR / Siftung Zauberkunst

Er war eine der schillerndsten Figuren der deutschen Film- und Unterhaltungsbranche. Ein Mensch, für den Täuschung, Tarnung und Trickserei stets Karriere- und Lebensprinzip war: der Zauberkünstler und Filmproduzent Helmut Schreiber, alias Kalanag.  

Als "Hofmagier der Nazis" tritt Schreiber mehrfach vor Hitler auf dem Obersalzberg auf und zaubert vor Goebbels‘ Tischgesellschaften. Gleichzeitig verantwortet er hauptberuflich nationalsozialistische Propaganda- und Durchhaltefilme, zunächst bei der Tobis, ab 1938 dann bei der Bavaria, wo er 1942 sogar zum Produktionschef und Mitglied der Geschäftsführung aufsteigt. Nach 1945 – als die Amerikaner ihm untersagen, weiter im Filmgeschäft zu arbeiten – macht er kurzerhand sein Hobby zum Beruf und startet unter dem Künstlernamen Kalanag eine internationale Karriere als weltweit größter Magier der Nachkriegszeit.   

Er bereist als Magier-Star die Welt

In einer Zeit, in der noch nicht in jedem Wohnzimmer ein Fernseher steht, ist Schreiber ein Star. Mit seiner Gattin Gloria und einer Truppe von 70 Künstlern, Musikern und Tänzerinnen bereist er die Welt. In perfekt inszenierten Revuen mit exotischen Kulissen lässt er in aufwendigen Großillusionen Autos verschwinden, Mädchen dreiteilen und endlos Bier, Wein und Champagner aus gläsernen Karaffen fließen. Als Ende der 1950er Jahre die Regierung Adenauer die "Freies Fernsehen GmbH" als regierungsnahes privatrechtliches Gegengewicht zur ARD gründet, wird Helmut Schreiber schließlich für den Posten des künftigen Unterhaltungsdirektors verpflichtet. Hätte das Bundesverfassungsgericht nicht Adenauers Projekt gestoppt, wäre es eine letzte erstaunliche Wendung im Leben des Helmut Schreiber gewesen.

Die Dokumentation, in der Historiker und Weggefährt*innen Helmut Schreibers zu Wort kommen und bisher nie veröffentlichtes Archivmaterial zu sehen ist, schildert die Karriere eines Großmeisters der Illusion, der es verstand, immer zu den Gewinnern zu gehören. Der sich von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis in die junge Bundesrepublik hinein drei Systemen nahtlos anpasste und sich immer wieder durchsetzte.

Ein Film von Oliver Schwehm

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